Mainzer Weinboerse

Mainzer Weinbörse 2026

Die Mainzer Weinbörse war wieder einmal eine wunderbare Veranstaltung: fröhlich in der Stimmung und gnädig zum Zahnschmelz. Dieser Sommer wird ein leckerer werden.

Der Jahrgang 2025 für die weißen und 2024 für die roten Weine aus Deutschland lässt sich naturgemäß noch lange nicht einschätzen. Das wird noch mindestens zwei Jahre dauern. Allerdings sind die einfacheren Weine bis dahin ausgetrunken. Ein vorsichtiges Urteil zur Qualität zumindest der Weine, die diesen Sommer ins Glas dürfen, will ich also voranstellen: 2025 ist ein extrem gutes Jahr für weiße Gutsweine, 2024 ein ordentliches Jahr für die einfachen Roten. Regionale Unterschiede gibt es reichlich. Franken hat beim Silvaner ein Wahnsinnsjahr erwischt, die Pfälzer Gutsrieslinge stachen für mich ebenfalls heraus.

2025 war eher heiß und ganz gelegentlich findet sich Karamell in den Weinen, etwas häufiger Malz, aber so gut wie nie unangenehme Bitter- und andere Hitzenoten. Das liegt vermutlich nicht daran, dass das Jahr am Ende nicht ganz so heiß war, sondern an den angepassten Strategien bei der Weinbergsarbeit. 2025 könnte sich also bei den Ersten Lagen entwickeln wie 2011, dann sollte man etwas weniger einkellern und etwas früher trinken, als man jetzt versucht ist, wenn man die vielen guten Ersten Lagen probiert. 330 Weine konnte ich probieren. Viele Lieblinge finden Sie im Folgenden. Steady-Unterstützer finden am Ende noch mehr Tipps.

Wenn kein Jahrgang angegeben ist, handelt es sich bei den weißen um 2025, den roten um 2024. Der Zusatz (FP) zeigt an, dass es sich um eine Fassprobe handelte. Der Wein ist also noch nicht auf die Flasche gefüllt, sondern liegt noch in Tank oder Fass. Bis auf die Proben bei Bürklin-Wolf, die teils noch Trub enthielten, waren diese Fassproben aber alle füllfertig.

Rheinhessen

HO Spanier Qvinterra

Meine erste Station waren dieses Jahr die Weingüter Battenfeld-Spanier (BS) und Kühling-Gillot (KG). Im hausinternen Gutsrieslingrennen zeigte der Qvinterra (KG) dem Eisquell die Rücklichter, aber so was von: Balanciert, leicht, aber mit Substanz, hell, klar, unaufgeregt. Großartig. Der 23er Chardonnay Ortswein aus Mölsheim (BS) hat deutlich Holz in der Nase, Wahnsinnsschmelz am Gaumen, viel Substanz, ein tolles Baby.

Der Niersteiner Ortsriesling (KG) hat eine interessante Kräuternase. Dann folgt ein würziger Gaumen, wuchtig, interessant. Der Mölsheimer von BS hat Aloe vera in der Nase, startet weich, entwickelt viel Grip. Die warme Anmutung macht den Wein für mich gemütlich, was hier als Kompliment gemeint ist. Im besten Sinne alles drin und dran beim Spätburgunder Réserve (BS); viel Biss und gute Balance. Sehr schön.

´Der Appenheimer Ortsriesling 1G (FP) vonBischel war minimal flintig, maximal fruchtig, im Abgang geizig und Potenzial andeutend. Beim Binger Ortsriesling 1G kontrastierte die cremige Nase mit dem spannenden Gaumen. Nach hinten raus wird es sehr griffig. Finde ich wunderbar. Riesling Erste Lage (EL) Goldberg hatte eine leicht rauchige Nase, startete ausladend fruchtig und dann kam würzige Struktur – Wow! Groebe hält die Tradition am Leben: Riesling, der gekonnt das Süße-Säure-Spiel in den Mittelpunkt stellt. Im Gutsriesling mit feiner Zitrusfrucht, beim Westhofener Ortsriesling mit beeindruckender Klarheit in der gelben Frucht und einem vibrierenden Abgang und bei den Alten Reben schließlich auch mit etwas phenolischem Schmirgeln im langen Finish. Der 1763 mit charmantem Zuckerschwänzchen – zum Reinlegen. Im kompletten Kontrast dazu der Engelsberg EL Riesling von Gunderloch: Der kommt langsam, aber gewaltig – auf einer leicht malzigen und doch sehr lebendigen Schiene. Besonders!

Viel Gutes auch bei Knewitz: angenehm leichter Gutsriesling und zwei großartige 1G-Ortsrieslinge. Appenheim (FP) kompakt, irre druckvoll, dann wird es griffig. Nieder-Hilbersheimer (FP) leichter, heller, süffiger, feiner, leiser, aber nicht besser, sondern genauso gut. Der Spätburgunder Gutswein Aus dem Tal hat eine dunkelwürzige, kirschige Nase; satter Gaumen mit schöner Säure. Gelungen!

Wittmann vom Kalkstein

Verhältnismäßig leise Nase, am Gaumen schöne Aromatik und knackige Säure – die Scheurebe von Wagner-Stempel ist jahrgangstypisch, denn auch die anderen Weine aus Aromarebsorten, die ich in Mainz probierte, waren eher leise (und sehr gut) Der Riesling Porphyr (FP) zeigt eine klassische Rieslingnase, strahlende Frucht und dann wirds griffig. Wie aus dem Bilderbuch! Der Chardonnay Feldspat, Quarz und Glimmer aus 24 ist so klar und strahlend in der Frucht und hat so viel Potenzial – wunderbar. Wittmanns Riesling ‚vom Kalkstein‘ geht in eine ähnliche Richtung: helle Nase, ein einziges saftiges Strahlen am Gaumen, dann kalkig-kreidiger Abgang. Großartig. Klassische Riesling-Nase beim Niersteiner 1G, schönes Spiel am Gaumen, leicht rauchig, guter Start, grandios würzige Länge. 

Nahe

Crusius vom Fels

Der Name ist Programm beim Traiser Ortsriesling ‚vom Fels‘ von Dr. Crusius. Startet fruchtig und wird dann steinig, vibrierendes Finish. Top. Der Rotenfels EL ist so verführerisch, dass ich mir zum ersten Mal erlaube, einen Probeschluck nicht dem Spucknapf zu überlassen. War eh Zeit für die Mittagspause. Ein ganz typischer Nahe-Riesling mittlerer Gewichtsklasse aus gutem Jahr. Anschließend ging es dann mit 2024 bei Diel weiter: was für eine schöne Würze im ‚Nahesteiner‘ Gutsriesling. Die Burg Layer Hölle EL ist saftig von vorne bis hinten.

Ebenfalls eine Erste Lage besonderer Güte war der Kahlenberg von Dönnhoff. Packend süße Frucht und passende Säure, der strahlt und beißt, super! Bei Emrich-Schönlebers Riesling ‚Mineral wird die süße Frucht nach hinten raus dunkelwürzig abgeräumt. Chic! Der Riesling Halgans hat eine leicht bittere Intensität, die nach etwas Reife ruft, dann wird auch der ganz wunderbar. Schon jetzt in der Balance fand ich den Monzinger Niederberg EL mit seiner stoffig-würzigen Art.

Bei Kruger-Rumpf gefiel mir von den drei Gesteinsrieslingen der Quarzit am besten: sortentypische Nase, saftige, strahlende Frucht, viel Biss aus Säure und Phenolik. Die Abtei EL war fest, crisp, aber mit vollreifer Aromatik bei schöner Phenolik. Das macht Eindruck! 

Ahr

Adeneuers ‚Purist‘ Gutswein 2023 ist ein schöner, typischer Ahrpinot, zugänglich und angenehm bissig. Der ‚J.J.Adeneuer‘ 2023 setzt einen drauf an Länge und Struktur. Beim Caspar Alte Reben EL aus dem Ahrweiler Daubhaus vom Deutzerhof (auch 2023) hat die Frucht viel Substanz und harmoniert mit feinem Rauch. Das strahlt und überzeugt mich voll. Meyer-Näkels Wein aus gleicher Lage aus 2024 ist klar, saftig, leicht blutig, knackige Säure, schöne Struktur, feines Tannin, gute Länge. Schön.

Württemberg

Drautz-Abele Lemberger

Der ‚Gipskeuper‘ Weissburgunder und Chardonnay von Aldinger aus 2024 lieferte gute Arbeitsteilung der Rebsorten: gelbfruchtig, nussig, schöner Schmelz, tolle Säure, super! Beim Gips Chardonnay EL aus 2024 fand ich eine Bilderbuchnase aus der Kategorie holzfassausgebauter Chardonnay. Auch am Gaumen sehr klassisch, leicht nussig, aber nicht zu breit. Ganz stark. Zum schönen Gips Spätburgunder EL notierte ich: Im besten Sinne alles drin und dran. Bei Beurer macht mir der 23er Riesling Schilfsandstein viel Spaß. Dautels Weissburgunder Gutswein ist traumhaft: Erst lockt die Frucht, dann zieht die Säure, dann schmirgelt es und kitzelt Lust auf den nächsten Schluck heraus. Das Leben kann so einfach sein! Auch der Gutsriesling ist Spaßwein ohne Limonadengefahr. Der Chardonnay EL aus dem Niederberg (2024) ist ziemlich großer Sport: Textur, Aromatik, Phenolik, alles, wie ich es mag.

Bei Drautz-Abele ist wieder vieles anders und doch so gut. Vor allem der Gutsriesling ‚Alte Reben‘ mit 13 Gramm Restzucker bei über 8 Gramm Säure: hell strahlend, süße Frucht und gutes Spiel, oder etwas altmodisch ausgedrückt: entzückend. Eine Lanze sei auch gebrochen für den Trollinger Alte Reben. Der ist schon ein besonderer Wein. Das Tannin ist so toll. Die Sauvignon blancs und Lemberger sind allesamt sehr gelungen. Schnaitmanns Weissburgunder ‚Steinwiege‘ ist ein bisschen grün, sehr bissig, gut, wenn man das mag (ich mag das). 

Baden

Berchers Burkheimer Weissburgunder Ortswein aus 2024 ist etwas reifer, sehr typisch und sehr schön. Bei Blankenhorn sollten wir uns langsam daran gewöhnen, dass hier ein Chardonnay-Produzent nachhaltig in der obersten (nationalen) Etage anklopft. Der Schliengener Chardonnay Ortswein 2022 ist leicht nussig, gelbfruchtig, ölig, tolle Säure, feines Holz. Eins mit Sternchen. Das Sonnenstück GG ist sensationell, legt aber ehrlich gesagt nur eine kleine Schippe drauf. Und wo wir gerade bei Chardonnay sind: die Hegers können den auch: Dr. Heger Ihringer Winklerberg Chardonnay EL 2024 ist klar, straff und tief – guter Wein!

Schlumberger Bernhart

Der Durbacher Ortsriesling von Andreas Laible zeigt viel Struktur unter bunter Frucht, schön! Bei Salwey gab es einen 23er Ortswein namens Oberrotweil Grau. Diese Cuvée aus Grauburgunder und Chardonnay ist ein Wohfühlburgunder zum Reinlegen (mit Holz und Würze). Bei Schlör gab es den interessanten Silvaner EL aus der First: Weich, schwelgerisch, klar, dann würzig. Leicht vegetabil, sehr typisch mit deutlich Potenzial. Weniger intellektuell, sondern unglaublich spaßig und lecker ist hier der 23er Reicholzheim Schwarzriesling Ortswein mit seiner fast unverschämt satten Kirschfrucht. Bei Schlumberger-Bernhart gefiel mir vieles. Erwähnt sei unbedingt der wunderbar kreidig ausklingende Weissburgunder Laufener Altenberg EL 2024 und der Chardonnay aus dem Britzinger Muggardter Berg, alleine schon weil ich einmal im Leben Britzinger Muggardter Berg schreiben wollte und noch nie Britzinger Muggardter Berg geschrieben habe. Der Wein aus 24 hat außer einem speziellen Namen (ist eine Erste Lage mit dem Zusatz ‚Klosterwingerte‘) eine tolle Kombination aus strahlender Säure und dezentem Holz bei knackiger Frucht zu bieten. Die 23er Altenberg EL vom Spätburgunder ist aromatisch sehr fruchtzentriert, aber diese Säure ist einfach wow!

Mosel

Bei Fritz Haag begeisterte mich der Riesling aus der Juffer in feinherb. Der tanzt! Bei Schloss Lieser haben beide Gutsrieslinge Substanz und Tiefe wie andernorts die Ersten Lagen. Während der SL seinen Mittelpunkt im Frucht-Säure-Spiel sucht, setzt der ‚Schiefer‘ auf würzige Komplexität. Sie müssen selbst entscheiden, was Sie lieber mögen. Ich fand beide beeindruckend.

Knebel von den Terrassen R

Beeindruckend ist nur eine unzureichende Bezeichnung für das, was Knebel im Gepäck hatte. Alle Rieslinge stammten aus 2024. Alle waren besonders – selbst für Knebelsche Verhältnisse, wo ‚herausragend‘ ein alltägliches Maß ist. Stellvertretend besungen sei hier der ‚Von den Terrassen‘ R der eine in der Gärung stecken gebliebene Partie des Röttgen mit 10 Gramm Retzucker als Basis hat. Das ist verführerisch mit der leicht cremigen Textur und macht jetzt viel Spaß. Wer so etwas allerdings mal 15 Jahre gereift getrunken hat, wird den Wein jetzt nicht anrühren (oder ein paar mehr Flaschen kaufen). Der wird dereinst episch.

Rheingau

Stellvertretend für so viele gelungene Ortsweine aus dem Rheingau, aus Rheinhessen und der Pfalz sei hier der Steinberger Ortsriesling von Kloster Eberbach gelobt: Viel schöne Frucht in der Nase und im Antrunk und viel feiner Grip von Säure und Phenolik im (dadurch) langen Abgang. Nicht anstrengend trocken, nicht wirklich süß. 2025 ist nebenbei bemerkt ein Jahrgang, bei dem sich dieses Gefühl sogar bei Weinen mit weniger als 3 Gramm Restzucker einstellt, weil warme Jahre viel Extraktsüße erzeugen. Beim Kloster gibt es das auch in Rot (aus 2023) in Form des Assmannshauser Spätburgunders: Süße Frucht, Sonne in Flaschen mit Struktur und Anspruch, tolle Länge.

Kühn Klosterberg

Was Knebel an der Mosel ist P. J. Kühn im Rheingau: Die Weine stammen alle aus 24 und sind selbst im Kontext der Güte des Produzenten noch besonders gut. Ich war versucht, den Gebetsteppich auszurollen, vor allem bei der Ersten Lage aus dem Oestricher Klosterberg so viel strahlende Frucht über dieser schmirgelnd bissigen Struktur – genau mein Beuteschema. Bei Künstler fällt meine Wahl dann wieder auf Assmannshauser Orts-Pinot, dieses mal aus 2024: Die Textur saftig, aromatisch zupackend. Das gefällt mir wahnsinnig gut. Der von mir sonst für seine komplexen Weine geliebte Achim von Oetinger kann auch lecker: 24er Lösslehm Gutsrieling noch mit einem kleinen Hefeschleier, darunter zeigt sich aber schon der perfekte Schoppen. Bei Weil ist der in der Jugend oft dropsige Gutsriesling bereits extrem poliert – und strahlend, tief und lang. Dafür hat der kompakte Kiedricher Ortswein viel Babyspeck. Den will ich in drei Jahren trinken.

Franken

Höfler Chardonnay

Ich müsste eigentlich zehn Mal den gleichen Spruch aufsagen, möchte aber niemanden langweilen. Deswegen einmal hier vorab: Die Gutssilvaner fast aller fränkischen Produzenten, die ich besucht habe, sind sehr klar, vergnüglich-fruchtig (teils noch ein bisschen bunt, Tuttifrutti oder dropsig, aber nie auf eine so laute Weise, dass ich glaubte, das sei nicht in 6 Wochen harmonisiert), haben eine leicht schmelzige Textur, genau die nötige vegetabil-würzige Note, die einfachen Silvaner vor der Langeweile rettet und ausreichend Säure, um auch am Sommersamstagnachmittag um 16.00 Uhr die Hand zum Glas zu führen. Eigentlich müsste man die mal parallel zur Bundesligakonferenz am letzten Spieltag gegeneinander antreten lassen. Ich kann sie alle empfehlen, sogar Leuten, die keinen Gutssilvaner trinken. Aber für die habe ich noch ein paar weitere Franken-Tipps.

Viel Spannung in den Weinen des Bürgerspitals. Der 24er Würzburger Ortsriesling hat eine tolle Säure, Good Vibrations, Riesling pur!. Star der Kollektion war für mich der 23er Blaufränkisch EL aus dem Stein: Sehr typisch, klare Frucht und Tabak, sehr schöne Säure, tolles Holz und Tannin. Ein großer Wurf. Der Casteller Ortsriesling 24 von Fürst Castell hat eine ansprechende kühle Anmutung, Säure und Klarheit vom Feinsten

Juliusspital

Bei Höfler war ich wieder versucht, den Gebetsteppich auszurollen. Das mag Augenblicksbegeisterung sein und ich kenne das Weingut nicht gut, aber der Eindruck, den die sechs probierten Weine bei mir hinterlassen haben, bewegte sich in Kühnschen und Knebelschen Dimensionen. Erster unter den Großartigen war der Chardonnay Ortswein 2024 aus Michelbach: Viel schöne Säure, ganz helle, klare Frucht, feines Holz, so harmonisch tänzelnd, fantastisch. Der Weissburgunder aus der gleichen Kategorie ist etwas opulenter und cremiger, hat aber ein noch intensiveres Säurespiel. Ebenfalls wow. Auch das Juliusspital hatte starke Weine dabei – vorwiegend vom anderen Ende des Anbaugebietes. Der ‚Standpunkt Keuper‘ Ortssilvaner aus Iphofen startet schmelzig und dann kommt der Keuper mit all seinem feinen Schmirgeln. Die Erste Lage Julius-Echter-Beg setzt noch einen drauf. Wow!

Luckert, May, Max Müller I, Horst Sauer, Rainer Sauer hintereinander weg bei einem so gelungenen (Einschränkungen siehe oben) Jahrgang – da hätte ich auch Eintritt für bezahlt. Hier nur ein Höhepunkt pro Betrieb (zahlende Kundschaft kriegt mehr, siehe unten). Bei Luckert hat der Gelbkalk EL, den ich ja auch schon mal nicht so mochte, in 2024 GG-Niveau, vor allem wegen der zart schmelzenden Textur bei großer Tiefe. Bei May ist der neue Thierthal Silvaner als GG abgelehnt worden (Begründung steht noch aus) und geht jetzt als 2024 Erste Lage Reserve in den Verkauf. Ich finde, das ist ein GG-würdiger Silvaner, der relativ viel Holz zeigt, obwohl das Fass seit 2018 im Einsatz ist. Es ist allerdings ein besonderes Fass, dessen Geschichte Sie exklusiv hier nachlesen können. Auch schon des Öfteren in diesem Blog dokumentiert: Max Müller IEigenart ist einer der komplexesten Silvaner des Planeten und 2024 macht da keine Ausnahme. Horst und Rainer (also Sandra und Daniel) Sauer liefern sich ein wunderbares Fernduell um den schönsten Lump Silvaner EL. Horst punktet mit unfassbarer Länge, Rainers ist kristallklar. 

Sauer Lump

Da jetzt alle verstanden haben: Silvaner, Franken, supidupi, noch ein paar andere Tipps. Paul Weltner hat einen Chardonnay-Sekt (NV), den ich ihm gar nicht zugetraut hätte. Bei Silvaner ist er bekanntlich der Schmirgel-König, hier geht es jetzt um allerfeinstes Frucht-Säure-Spiel bei passend weicher Textur. Der Staatliche Hofkeller macht einen geradezu lässigen, angenehm blumigen Müller-Thurgau und Hans Wirsching ist und bleibt der Scheurebe-König. Die 24er Alte Reben EL aus dem Kronsberg ist aromatisch eher leise, in der Säure aber kräftig. Super! Diese Wertung gibt es auch für den Spätburgunder Tradition (EL) von Schmitts Kinder aus 2023.

Pfalz

Wie oben angedeutet hat auch die Pfalz eine Phalanx an fröhlichen Gutsweinen – hier vor allem Rieslingen. Die erwähne ich nicht alle separat.

Kranz Weissburgunder

Die Erste Lage aus dem Wachenheimer Böhlig hat Schmelz ohne Ende, viel Stoff und ist trotzdem so elegant – das war mein Liebling bei Bürklin-Wolf. Jülg hatte guten Schaumwein, Chardonnay und Riesling, erwähnen will ich aber den Schweigener Spätburgunder Ortswein, der zurückhaltende Frucht mit fleischigem Biss kombiniert. Der 2021er Halbstück Riesling von Knipser lässt den Fanboy jubeln. Bei Kranz ist weiterhin viel Bewegung drin. Der Junior gibt Gas und brachte eine ganze Latte an großartigen Weinen an den Start. Der Weissburgunder Gutswein ist eine Sensation: diese Länge und intensiv saftige Textur gibt es eigentlich nur bei großen Kalibern.

Mosbachers Rieslinge sind überwiegend aus der Kategorie ‚Maul voll Wein‘ und bester Pfälzer Barock, aber eben ohne Zucker und viel knackiger als viele Kollegen. Gelobt sei hier aber endlich mal wieder der wunderbare Sauvignon blanc: Tolle sortentypische Aromatik, satter Schmelz und viel Säure, super! Bei Rebholz gibt es auch dieses Jahr Gesteinskino bei den Ortsrieslingen. Mein Favorit dieses Jahr ist aktuell der Birkweiler ‚vom Rotliegenden‘. Die Textur ist zwar noch sehr hefig und aus der Kategorie Wolldecke im Mund, die florale Nase, die erahnbare Mischung aus Grapefruit und gelber Rieslingfrucht sowie die spannende Phenolik machen aber Hoffnung auf einen besonders spannenden Wein. Traumhafte Nase mit noblem Holz beim 23er Chardonnay ‚R‘. Auch am Gaumen feinster Balken, weiche Frucht, schwelgerisch, den finde ich auf seine weiche Art gut. Und zum guten Schluss noch etwas Rotes: Freundliche Frucht und darunter viel Biss, der Gutspinot von Rings ist ganz stark.

Weitere Tipps und auch die Notizen zu den Weinen, die mir nicht ganz so gut gefallen haben, gibt es exklusiv für Steady-Unterstützer. Wer sein Leben durch die Webweinschule verändert sah, alle 14 Tage das Erscheinen der neuesten Episode des Blindflugs herebeisehnt, oder diese Zeilen liest, während er ein Glas Wein genießt, das er durch Berichte wie diesen gefunden hat, der kann ja mal überlegen, ob es nicht eine gute Idee ist, mit 5 Euro im Monat den Fortbestand dieser Quellen zu fördern.

Liebe Unterstützer, anbei meine Notizen. Ich fand etliche Weine gut, die nicht im Text stattfinden. Damit ihr die möglichst einfach findet, habe ich die Beschreibungen gefettet. Also alle Weinbeschreibungen in Fettdruck gehören zu Weinen, die ich empfehlen mag, aber nicht im Text erwähnt habe.

Wie immer steht das Kürzel ‚mmm‘ für man müsste mal (länger probieren, um verlässlicher zu urteilen). Ich habe einige merkwürdige Autokorrekturen gefunden, aber eventuell nicht alle eliminiert. Fragen bitte wie immer per Mail oder DM. Und wie immer bitte ich darum, diese Datei nicht an Dritte weiterzuleiten. 

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