Traiser Bastei

Die Wahrheit über die Nahe (2) – die Roten und Exoten

Machen Sie die Probe aufs Exempel: fragen Sie ihren Freundeskreis ab: ‚Nenne mir drei Weingüter von der Nahe!‘ Die Antwort dürfte erstaunlich oft lauten: ‚Dönnhoff, Emrich-Schönleber, Schäfer-Fröhlich‘, wobei letzteres häufiger durch Diel ersetzt werden dürfte, manchmal vielleicht durch Gut Hermannsberg, bei Jüngeren auch durch Tesch. Was haben alle diese Betriebe – außer Diel – gemein? Sie sind ausschließlich für Weißwein bekannt. Wenn sie überhaupt Rotwein machen, dann quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und das ließe sich erweitern: Joh. Bapt. Schäfer, Kruger-Rumpf, Jakob Schneider, K. H. Schneider: gefühlt reine Weißweinproduzenten, haben auch diese großen Namen maximal fünf Prozent rote Reben im Portfolio und stellen sie selten auf den Probentisch.

Kein Wunder also, dass kaum jemand ahnt, dass schlappe 25 Prozent der Flächen an der Nahe mit Rotwein bestockt sind. Dazu kommt, dass außer Diel (und auch dieses Gut nur sehr gelegentlich) kein Nahe-Weingut in einer Auflistung Deutschlands bester Spätburgunder-Winzer auftaucht. Das ist meiner Meinung nach eine realistische Einschätzung. Daraus allerdings zu schließen, an der Nahe wüchse kein gescheiter Rotwein, ist grundfalsch.

Nahe-Pinots – breite Spitze

Der Verzicht auf Rotwein bei vielen Top-Erzeugern führt zu der – für mich als Verkoster sehr spannenden – Situation, dass sich die gebietsweite Bestenliste jedes Jahr anders zusammensetzt – aus einer Kandidaten-Schar von gut 30 Produzenten. Suchte man die zehn besten Spätburgunder eines Jahres an der Nahe, es hätten nur drei bis fünf Betriebe ein Abo: Diel, Korrell Johanneshof, Lindenhof, Marx, Sascha Montigny – in alphabetischer – nicht wertender – Reihenfolge. Die anderen Windesheimer, dazu die Hahnmühle und die Klostermühle hätten ebenso eine Chance, wie auch manch eher unbekannte Betrieb, allen voran Christian Bamberger. Die Liste der Aspiranten für eine Top-Platzierung schließt in diesem Fall auch Betriebe mit nur einer (roten) Traube als Wertung im Gault&Millau Weinguide (GM) ein. Und wenn die Qualität nicht an die Besten aus anderen Gebieten heranreicht: die Preise tun es auch nicht. Für 10 bis 30 Euro kann man an der Nahe so manches Schnäppchen machen.

Aber warum gibt es an der Nahe kaum überragende Pinots? Das Klima ist nicht wesentlich anders als in den umliegenden Gebieten, zu Kesseler oder Molitor ‚kann man hinspucken‘. Die Böden sind schon komplizierter, denn die Vielfalt ist herausragend. Über 250 verschiedene Weinbergsböden auf nur 4200 Hektar finden sich an der Nahe. Es gibt Weingüter, die haben 50 verschiedene Bodenarten im Portfolio und wer sich wundert, warum selbst berühmte Lagen wie beispielsweise die Hermannshöhle kaum ein erzeugerübergreifendes Geschmacksprofil zeigen, dem sei gesagt, dass sich in eben jener Hermannshöhle mit grauem und schwarzem Schiefer, Vulkangestein, Porphyr und Kalkstein fast alles an Boden findet, was man gemeinhin mit Weinbau verbindet. Die ideale Kombination aus Boden und Rebe scheitert also am uneinheitlichen Boden. Vielleicht knackt irgendwann einer die Nuss. Gute Ansätze sind reichlich vorhanden.

Nahewein: Die Roten …

Nahe Spätburgunder

Sascha Montigny, Spätburgunder, Laubenheimer Krone, 2015, Nahe. Recht typische Nase, etwas rohes Fleisch, etwas Klebstoff, feine Frucht und schönes Holz. Am Gaumen ziemlich viel Holz, positiv mit schönen Röstaromen, aber auch etwas plakativ mit Kokosnuss und Latte Macchiato, dazu sehr schöne Säure, recht klare Frucht, spürbarer, aber verträglicher Alkohol. Der Abgang ist lang und recht fein, mit eher mildem, sehr feinen Tannin. Insgesamt ausgesprochen ansprechend und mit deutlichem Potential.

Korrell Johanneshof, Kreuznacher Paradies, Spätburgunder trocken, 2013, Nahe. In der Nase feines Holz und etwas Kirsche. Am Gaumen etwas Fleisch, viel Frucht, etwas Vanille, dezentes Holz. Die Frucht ist geschliffen, das Holz sehr fein, die Säure präsent. Der Wein bewegt sich eher auf der fruchtigen Seite, hat aber nichts überreifes, gekochtes und besticht mit einer leichten Teer-Note im Abgang, die einen schönen Schlusspunkt setzt. Ziemlich großes Spätburgunderkino.

Christian Bamberger, Spätburgunder ‚QX‘, 2015, Nahe. Die Nase ist leicht stallig, angenehm wild. Am Gaumen sehr reife Frucht, an der Grenze zur Überreife, deutliche Röstnoten, relativ viel Holz, deutlich Vanille (ein Teil der Eiche stammte aus Amerika). Der Wein ist sehr kräftig, aber noch nicht marmeladig, auch weil die Säure so schön erfrischt. 13,5% Alkohol lassen sich gut aushalten. Tief und lang, aber filigran geht anders. Als Kraftpaket allerdings eine umwerfende Interpretation des Themas.

Klarstellung: Bei allen hier verkosteten Weinen handelt es sich um aktuelle Betrachtungen zu Konterflaschen aus dem 2018er GM. Im neuen (2019er) Buch finden Sie jeweils die aktuellen Jahrgänge.

Pinot: Where is the Beef

Und was genau gibt es zu meckern? Ich habe vor zwei Jahren für das Magazin Schluck einen Artikel über die Geschmackskomponente Eisen/Blut/Rohes Fleisch in Rotweinen geschrieben und die Recherche ergab, dass die allermeisten Pinot-Liebhaber mit der Beschreibung ein Spätburgunder schmecke nach rohem Fleisch durchaus etwas anfangen können. Es beschreibt eine Mischung aus Geschmack und Mundgefühl und tritt zumeist zusammen mit einer sehr klaren, präzisen Frucht auf, die keinerlei Überreife oder gekochte Anmutung hat. Sie gilt als Gütekriterium unter Weinfreunden und genau diese ‚blutige Präzision‘ geht Naheweinen aus der Spätburgunder-Traube häufig ab. Ab und zu taucht sie auf, manchmal ausgesprochen gut, aber nie so überwältigend wie etwa bei Weinen von Stodden oder dem Deutzerhof aus dem Anbaugebiet Ahr, die ich in den letzten Jahren ebenfalls für den Gault&Millau verkosten durfte.

Wie der Dornfelder an der Nahe reift, weiß ich nicht. Trotzdem er 7,5 Prozent der Rebfläche bekleidet, hat in zwei Jahren kein einziger Winzer einen beim GM angestellt. Das wird Gründe haben! Die Nahe indes komplett als Rotwein-Diaspora zu brandmarken wäre grundfalsch. Zum einen ist da Sascha Montigny und sein großes Talent, einen ganz wunderbaren Sankt Laurent zu keltern. Der würde blind als großer Pfälzer Vertreter dieser Sorte durchgehen. Und Christian Bamberger ist mit seiner Cuvée aus diversen PiWi-Cabernets (Dorsa, Mitos und Co.) kein Deut schwächer als die besten Vertreter dieser – für mich massiv unterschätzten – Gattung aus südlicheren Gefilden. Relativ neu in dieser Riege ist das Weingut Schild, das einen schönen Cabernet Cantor aus dem Wallhäuser Backöfchen macht.

Gut in vielen Nischen

Schilds sind so etwas wie die PowerPiWis an der Nahe. Sie haben mir auch meinen ersten Muscaris ins Verkosterglas gespült und der ist von einer so verblüffenden Ähnlichkeit zu seinem Vorbild Muskateller, dass ich mir fast sicher bin, dieser PiWi wird dem konventionellen Original mächtig Konkurrenz machen. Konkurrenzlos bewegen sich indes die Weingüter Im Zwölberich und Genheimer-Kiltz in ihren spannenden Nischen: Im Zwölberich macht einen Leuchtturm-Auxerrois, den ich hier nicht verkosten kann, weil ich die Konterflasche schon vor Zeiten bei einem Dinner mit GM-Chefin Britta Wiegelmann ausgeschenkt habe, um mal zu zeigen, dass die Nahe auch ganz anders kann. Harald Kiltz stellt derweil beim Gault&Millau sechs verschiedene Sauvignon Blanc an – und keinen einzigen Riesling. Einer spannender als der andere und von so viel Können und Gespür für verschiedene Stile geprägt. Sogar ‚Orange‘ gehört zum Programm.

Nahewein: … und Exoten

Genhaimer-Kiltzs Sauvignon Blanc Felseneck Flavia

Genheimer-Kiltz, Felseneck ‚Flavia‘, Sauvignon Blanc, 2016, Nahe. Unmittelbar nach dem Öffnen sehr straff und fokussiert, dann zwei Tage lang sehr gemüsig, dann in der Nase grasig und mit etwas Johannisbeere, am Gaumen schöne Säure und sehr dezente Gerbstoffe, die für zusätzliche Frische und Komplexität sorgen. Aromatisch leicht fleischig, zurückhaltend in der Frucht, eher würzig mit blondem Tabak, sortentypisch und spannend. Keine Orange-Aromatik, aber trotzdem vermutlich polarisierend.

Ansonsten ist die Nahe eher traditionell unterwegs. Ganz wenige Betriebe spielen gelegentlich die Naturweinkarte: Poss war schon im ersten Teil erwähnt. Fehlt noch die Klostermühle.

Klostermühle bunter Burgunder

Klostermühle Odernheim, ‚Bunter Burgunder‘, Grauburgunder (maischevergoren), 2015, Nahegauer Landwein (Nahe). Die Farbe ist extrem schlammig und gewöhnungsbedürftig, aber Farbe hat mich noch nie interessiert. Die Nase ist auch noch irritierend, weil eher an ein Pale Ale erinnernd. Mit einer Stunde Luft irritiert am Gaumen aber etwas ganz anderes: das ist eine so liebreizend süße Frucht, man könnte meinen, es ist ein lecker Möselchen im Glas, wenn nicht eine deutlich mostige Note in die Orange-Welt zurückführte. Allerdings: meine orange-averse, aber Mosel-liebende Ehefrau findet das auch sehr angenehm. Kräftige Säure, sehr feiner Gerbstoff ohne jeden Bitterton, schmeckbare Hefereste, Kraft, 13 Prozent Alkohol sorgen für den nötigen Unterbau, ohne zu dominieren und am Ende kommt wieder diese Frucht! Wer glaubt, Orange sei immer spassbefreit, der probiere diesen Wein. Tief und lang ist er auch. Mit Blick auf die Leserschaft habe ich den Wein im Gault & Millau zurückhaltend, aber positiv bewertet. Davon ab: meinen persönlichen Geschmack trifft er restlos.

Grüße aus der Vergangenheit

Die zweite Mühle liefert etwas, was exotisch zu nennen nur der wagt, der die Weinbaugeschichte der Nahe nicht kennt: Höherklassigen Silvaner. Das war einmal die Leitsorte im Gebiet und heute gibt es nur einen einzigen Betrieb, der mehr als einen Gutswein beim GM anstellt. Aber selbst die Hahnmühle schwingt sich nur zum Ortswein auf. Ihr Signature-Wein ist denn auch eher etwas noch viel älteres: die Kombination von Riesling und Traminer.

Hahnmühle Riesling Roter Traminer

Hahnmühle, Cöllner Rosenberg, Riesling und Roter Traminer trocken, 2016, Nahe. In der Nase gezähmter Traminer mit viel Aprikose und mürbem Apfel. Am Gaumen good vibrations, die Säure ist wunderbar lebendig, der Wein aber gar nicht so schlank. Das ist jedoch ausnehmend wundervoll, weil weder der Alkohol (nur 12 Prozent) noch dienende Restsüße dafür verantwortlich sind. Reife Rieslingfrucht und Traminerwürze waren schon vor ein paar Hundert Jahren ein ‚match made in heaven‘ und sind es immer noch. Können wir das bitte öfter haben?

Ich könnte stundenlang weiter erzählen. Mach ich aber nicht. Stattdessen empfehle ich Ihnen den Gault & Millau und verspreche, dass auch dort meine Liebe zu diesem herausragenden Gebiet in jeder Zeile und Weinbewertung steckt. Und ich entschuldige mich: Vor allem bei Anette Closheim und Laura Weber, Marcus Hees und Harald Hexamer, deren Güter die Liste der 30 weiteren Betriebe anführen, die hier eigentlich genannt gehört hätten, denn sie alle machen herausragende Weine – die ausnahmsweise (aber vorsätzlich) aus dem Rampenlicht gerückten VDP-Betriebe sowieso.

Hier geht’s zu Teil 1 über weiße Burgundersorten.

14 Gedanken zu „Die Wahrheit über die Nahe (2) – die Roten und Exoten“

  1. Also wenn ich meine Freunde nach Weingütern an der Nahe frage, muss ich froh sein, wenn ich eine Brauerei genannt bekomme 😉

    Was den Muscaris angeht, hatten meine Liebste und ich vergangenes Jahr Anfang Oktober das Vergnügen einen davon verkosten zu dürfen. Den Jahrgang bekomme ich jetzt nicht mehr zusammen, da ich nicht von zu Hause aus schreibe und entsprechend gerade keinen Zugriff auf meinen Keller habe, aber es war der Muscaris aus der Auftakt-Reihe vom Weingut Abthof in Hahnheim, Rheinhessen. Sehr frische intensive Frucht, typisches Muskatelleraroma und dabei sehr süß ohne klebrig zu sein. Ein Granatenstoff! Wir freuen und definitiv auf mehr vom Muscaris!

    Grüße

    Alex

    PS: Ich hoffe ich erzeuge jetzt hier keinen Doppelpost, denn ich hab das inhaltsgleich eben schonmal verfasst, wurde aber irgendwie nicht angezeigt. Hatte wohl ein Verbindungsproblem.

  2. Bevor das nochmal passiert: Normal war das hier doch immer so, dass man was schreibt dann wird es angezeigt, aber es steht dabei, dass es von dir noch freigeschaltet werden muss. Hast du nun was umgestellt und es ist normal, dass der eigene Kommentar zunächst (vor Freischaltung durch dich) gar nicht angezeigt wird. Oder war das in der Nacht einfach ein technisch bedingtes Problem?

    Möchte ja weitere Doppelpostings vermeiden die entstehen könnten, weil ich denke etwas sei nicht angekommen.

  3. Nahe ist so schön, schön dass über die Region mehr geschrieben wird – ich habe da meine Weißweinheimat gefunden… aber rot geht natürlich auch. In GM habe ich die Spätburgunder von KH Schneider (Marbach / Marbach R) und Jakob Schneider (Rosenheck) nicht gefunden – finde alle 3 spannend (der aktuelle Rosenheck braucht allerdings noch Zeit und die Marbachs muss man auch nicht gleich trinken). Und für einen unkomplizierten Trinkspaß mit ehrlichen und ordentlich gemachten Weinen greife ich öfters zu den SpB aus Biebelsheim (Fischborn-Schenk).

  4. Hey Felix,

    habe gerade den “bunten Burgunder” im Glas. Etwas was so ungewöhnlich aussieht musste ich unbedingt probieren. Ich kann nur sagen: Danke für den Tipp, gefällt mir richtig gut der Stoff!

    In der Nase habe ich aber kein Pale Ale sondern frisch vergorenen oder noch in der Gärung befindlichen Met. Ist aber auch egal, der Kauf hat sich in jedem Fall gelohnt!

    Einziger Kritikpunkt: Die Flasche suggeriert mehr Inhalt als drin ist. Mir war zwar bewusst, dass ich eine 750ml Flasche kaufe und es steht ja auch darauf, aber wer nicht so genau hinsieht könnte meinen es handele sich um einen Liter, denn dass der Boden so dermaßen hohl ist sieht man ja zunächst nicht.

    Grüße

    Alex

    1. Unbedingt über 2 bis 3 Tage trinken, da passiert ganz viel. Was die Flasche angeht, macht es nur Tesch an der Nahe richtig: Leichtglas. Da muss es IMHO nur noch um CO2 gehen.

  5. Da hat sich schon in einer Stunde Belüftung im Glas viel getan. Werd heute in jedem Fall nur ein Glas trinken, kann also die Entwicklung noch die nächsten Tage verfolgen und bin daher gespannt!

  6. So, nachdem ich den Wein nun über mehrere Tage (bis einschließlich vergangenen Freitag) getrunken habe muss ich sagen, da kommt definitiv noch mehr durch, denn auch der Geschmack erinnert mit mehr Luft an einen frisch vergorenen unfiltrierten trockenen Met (ohne den bitteren Nachgeschmack den mancher Met so hat).

    Wie nicht jeder wissen wird verwendet man zum starten der Gärung von Met meist zunächst Apfelsaft, dem man später den Honig zusetzt und ich hatte beim trinken des Weins genau solchen Honiggeschmack mit ein wenig Apfel (und vielleicht noch einem Hauch Birne). In jedem Fall ein toller Wein, der von längerer Belüftung in jedem Fall profitiert und sehr traurig, dass es sich dabei wohl nur um eine Jubiläumsedition handelt die es so in den kommenden Jahren nicht mehr geben wird. Ich bin daher froh, mehr als eine Flasche erworben zu haben und kann jedem der entsprechende Aromen mag nur dazu raten hier zuzuschlagen.

    1. Also mal zur Anlage: es war ja bewusst eine etwas bessere Anlagenmarke gewählt. Dass einem eine Platte nicht gut gefällt, wenn man sie auf dem Kofferradio hört, kann ich mir vorstellen. Allerdings, die Geschichte mit der 3000-Euro-Anlage ist wieder so ein Märchen. Ich habe noch was höherwertiges aus alten Zeiten im Wohnzimmer stehen und werde das demnächst ausrangieren. Neulich hat meine Frau einen Amazon Echo angeschleppt (Alexa) und wenn man den Snobismus beiseite schiebt, auf beiden Anlagen den gleichen Song laufen lässt und dann zwischen den JBLs mit Subwoofer und dem Amazon-Winzling hin und her schaltet, dann wird man demütig. Der Sound ist gleich gut, solange man bei Zimmerlautstärke plus 20 Prozent bleibt und digitale Musik statt Vinyl abspielt. Apples Teil hat wohl Raumklangsensoren und stellt sich selbständig auf die Akustik des Zimmers ein und bläst meine Anlage dann in den Abgrund. Aber HiFi-Freaks wollen sowas natürlich nicht wahrhaben, genau wie Weinfreaks das mit den Gläsern.
      Ich verkoste entweder mit dem Riedel Riesling Grand Cru (was eigentlich eher europäischer Standard ist als ”l’Impitoyable”, das ich noch nie in Händen hatte und von dem ich heute das erst Mal höre – was insofern etwas heißen mag, als ich doch schon auf ziemlich vielen gut organisierten, internationalen Verkostungen war) oder aus dem Gabriel-Glas. Zalto Universal ist bei vielen Kollegen sehr populär. Ich benutze das aus dem gleichen Grund nicht, aus dem ich bei Gabriel das Standard und nicht das Gold verwende (das ich ebenfalls besitze und gerne mag): mir tun am Ende des Tages dann die Finger weh, weil der Stil zu dünn ist. Als Teil der Tischkultur finde ich viele Gläser großartig, die ich zum Arbeiten nicht verwenden würde.

      1. Danke für die lange ausführliche Antwort.

        Ich bin kein HiFi-Freak und besitze nur eine etwas bessere Kompaktanlage, von daher keine Ahnung, aber vielleicht ist es hier wieder ein wenig wie wenn man sich teuren Wein XY in den Keller gelegt hat, der dann vielleicht gar nicht mal so gut ist man ihn aber gut finden MUSS, weil man sich sonst ärgert, ebenso wie wenn sowas wie Bose oder Teufel darauf steht es einfach besser sein MUSS als irgendein halb so teures Standardzeug. Wobei ich mein erwähnter Bekannter eben auch ein Vinyl-Fan ist und digitaler Musik nicht so viel abgewinnen kann. Egal hatten wir schon…

        Der Vergleich zu der Überbewertung der Gläser durch manche Weinfreaks passt aber gewiss. Ich denke es ist indiskutabel das Wein aus einem passend geformten Glas (unten bauchig oben schmal) besser riecht und schmeckt wie wenn man ihn in ein Wasserglas oder einen Maßkrug schüttet, aber ich denke nicht, dass es DAS BESTE Glas gibt und ich halte sowas wie die Riedel Vinum-Serie auch eher für geschicktes Marketing. Also sicher alles Gläser die ihren Zweck erfüllen aber ob ein 5mm höherer Kelch von Glas A zu Glas B oder ähnliche marginale Differenzen wirklich einen Unterschied machen bezweifle ich doch stark.

        Hehe, das Gabriel-Glas verwende ich auch wenn ich einen Wein erstmals trinke 🙂

        Beim zweiten Mal ist es dann aber meist ein anderes von dem ich denke das es passt, denn allgemein betrachtet bin ich doch eher der Drei-Gläser-Mensch (bzw. vier wenn man Sektgläser mitrechnet). Das “l’Impitoyable” habe ich übrigens bewusst außerhalb des Internets auch noch nie gesehen, aber gut ich bin ja auch kein Weinkritiker, habe aber häufiger davon gelesen. Was mir allerdings aufgefallen ist, als ich nochmal danach gegooglet habe, ist dass sich diverse Textabschnitte auf unterschiedlichen Seiten (sogar auf englischsprachigen) sehr ähnlich lesen, was den Schluss nahe legt, dass all jene Texte sich auch den selben Ursprungstext zurückführen lassen.

        Aber sag mal, sind wir hier mit dem Thema nicht gerade im falschen Artikel oder wolltest du dieses halbe Off-Topic-Gespräch nicht unter dem aktuellen Blindflug führen?

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