VDP GG Präsentation Wiesbaden 2014

VDP Großes Gewächs Präsentation Wiesbaden 2014

Tag 1 der Wiesbadener GG Präsentation ist geschafft. Eines weiß ich jetzt schon, 400 Weine werde ich nicht verkosten. Dazu sind die Eindrücke zu Vielfältig und die Weine zu fordernd. Am Ende des ersten Tages habe ich zwar schon eine gewisse Vorstellung vom Jahrgang 2013, verkneife mir aber das Fazit oder pauschale Urteil. Stattdessen hier nur meine Eindrücke der verkosteten Weine nach Gebiete sortiert.

Mosel

Da ich die vergangenen Tage an der Mosel verbracht und viele 2013er probiert habe, fing ich mit den Weinen des VDP Mosel-Saar-Ruwer an. Ich bin im Training. Den Auftakt machten vier Weine von Heymann Löwenstein und die zeigten viel von dem, was ich bei einfacheren Mosel-Weinen des Jahrgang 2013 vermisse: Einer knackigen Säure stand teilweise viel Extrakt aber kein Zucker gegenüber. Wenn Riesling eine knackige Säure allein mit Extrakt puffert, keinen oder nur sehr wenig Zucker zur Hilfe nimmt, dann spielt er in einer eigenen Liga. In dieser Liga spielen zumindest drei der Weine von Heymann-Löwenstein für mich: Der Kirchberg, der Röttgen und der Uhlen ‚Blaufüßer Lay‘. Der Uhlen ‚Laubach‘ ist eher everybody’s darling mit kleinem Zuckerschwänzchen aber ebenfalls richtig richtig gut. Dr. Loosen stellt gleich sechs GGs vor dieses Jahr und mein Favorit ist die Wehlener Sonnenuhr. Das GG ist tief und lang aber auch einfach zu trinken, notfalls eimerweise. Grapefruit trifft auf Aprikose, Würze gesellt sich dazu, alles ist reif und befeuert von knackiger Säure – ich war hin und weg. Der Prälat ist ebenfalls großartig. Bei so viel Begeisterung traue ich mich dann zu erwähnen, dass ich den Würzgarten von Loosen schaurig fand. Ansonsten zeigt die Mosel Licht und Schatten, wenig Extreme, eher Pflicht als Kür mit einer Ausnahme von der Saar. Von Othegraven hat zwei Weine gefüllt, die ich großartig finde. Der Bockstein ist der leichtere, jetzt schon betörende, der Altenberg der festere mit dem größeren Potential.

Mittelrhein

Kurz und knapp: alles vom Mittelrhein fand ich mindestens solide, eines GGs würdig, insbesondere angesichts der moderaten Preise für GGs vom Mittelrhein. Richtig gut fand ich beide Weine von Lanius Knab – den Oelsberg noch besser als den Bernstein. Bei der anschließenden Abendveranstaltung gab es den Wein aus dem Jahrgang 2009 und da bewies er, wie gut dieses GG reifen kann.

Rheingau

Auf den Rheingau einzuprügeln ist immer noch in Mode. Und der Rheingau macht es den Miesepetern leicht. Rund die Hälfte der angestellten GGs rissen für mich die Latte, die es zu überspringen gilt, damit ich als GG-Käufer glücklich wäre. Aber die differenziertere Betrachtung lohnt. Vielfach sind es einzelne Weine und nicht mehr ganze Kollektionen, was sehr dafür spricht, dass das ganze Geschmacksache ist. Und dann bleibt festzuhalten, dass die besten Weine des Rheingaus mittlerweile das Niveau der besten Weine der anderen Anbaugebiete erreichen. Ein Flight mit 5 GGs aus dem Rüdesheimer Berg Rottland war mein Tageshöhepunkt. Die Weingüter Ress, Künstler, Johannishof, Leitz und G.H. von Mumm brachten fünf verschiedene Interpretationen der Lage, die alle ein verbindendes Element hatten. Klar muss einer der schwächste sein, aber selbst der Mumm ist noch sehr gut. Künstler und Leitz sind die klassischeren, Johannishof und Ress die wilderen Varianten, zu bestimmen, wer der beste ist, überlasse ich denen, die von allen eine Flasche trinken. Es ist langweilig, aber Robert Weil fliegt mal wieder am höchsten. Der Wein ist kräftiger als frühere Jahrgänge aber immer noch sehr elegant. Neu für mich ist, dass Weil sich die Flughöhe teilen muss. Kesseler hat einen Schlossberg, der leichter aber genau so gut ist, Ritter und Edler von Oetinger kommt mit dem Siegelsberg ganz nah und hat gleich noch zwei weitere Flieger am Himmel; Hohenrain und Marcobrunn müsste ich aber in größeren Mengen im Glas haben um ein finales Urteil zu fällen. Daneben hat mir besonders das imponiert, was das Weingut Jakob Jung anzubieten hatte. Siegelsberg gefiel mir sehr, beim Hohenrain bräuchte ich mehr im Glas, um den Verdacht zu bestätigen, dass er großartig ist. Ausnehmend lecker fand ich die Weine von Domdechant Werner (ob sie auf Dauer großartig sind, weiß ich nicht) und auch der Königin Victoriaberg von Joachim Flick hob sich positiv ab.

Nahe

Emrich-Schönleber, Dönnhoff, Diel – alle Granden der Nahe hatten mindestens einen Wein im Angebot, den ich eher enttäuschend fand und einen, der mich begeisterte. Das ist für Nahe-Verhältnisse eine Horror-Show. Dönnhoffs Hermannshöhle war für mich der beste des Gebiets, gefolgt von einem, den man kaum als ‚üblichen Verdächtigen‘ bezeichnen kann: Die Kupfergrube von Gut Hermannsberg. Bei Schönlebers ist der Halenberg dem Frühlingsplätzchen weit überlegen. Bei Diel kommt vieles auf den persönlichen Geschmack an. Schäfer-Fröhlich war so wild und spontan, dass ich mir jedes Urteil verkneife. Die schmecken in drei Monaten eh komplett anders.

Rheinhessen

Während die schwächeren Nahe-Weine immer noch anständig sind, saß ich bei einigen Rheinhessischen Weinen da und dachte: was soll das? Da ist viel Limonade und Hühnchen süß-sauer unter den Ausfällen, die aber nicht häufiger vorkommen als in den anderen Gebieten. Die staatliche Weinbaudomäne Oppenheim hat einen Rothenberg gemacht, der im Vergleich zu denen der üblichen Verdächtigen eher schwachbrüstig ist. Ich finde ihn aber so straff und elegant, dass ich mir vorstellen könnte, mit Reife hängt er die klangvollen Namen ab. Allerdings ist Vorsicht geboten, ich gehöre zur winzigen Mindergeit, die bei Gunderloch den Pettenthal in den meisten Jahren lieber mögen als den Rothenberg, so auch dieses Jahr, in dem Johannes Hasselbach eine grandiose Kollektion vorgelegt hat. Wittmann und Keller, Kühling-Gillot, Battenfeld-Spanier und (mit kleinen Abstrichen)Wagner-Stempel, alle haben gute bis großartige Weine produziert. Wittmann sah ich leicht vor Keller mit dem Morstein bei beiden als großem Wein, überstrahlt noch von Wittmanns Brunnenhäuschen. Der Zellerweg am Schwarzen Herrgott von Battenfeld-Spanier ist der leiseste unter den Spitzenweinen, in zehn Jahren aber vielleicht der beste.

VDP Großes Gewächs Präsentation Wiesbaden (2)

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