Wiesbaden Kurhaus

VDP Großes Gewächs Präsentation Wiesbaden (2)

Hier die Eindrücke zu den weiteren Rieslingen, die ich bei der GG-Präsentation in Wiesbaden verkostet habe.

Pfalz

In der Mittelhaardt scheint es wenig Probleme gegeben zu haben, GG-würdige Trauben zu ernten, die Säure ist selten beißend (Ausnahme Kalkofen, da fand ich beide Weine schwierig). Eigentlich habe ich mich auf die Pfalz vor allem gefreut, weil sie so tolle Flights verspricht. 5 Versionen des Ungeheuer oder Pechstein nebeneinander oder vierfach Jesuitengarten. Das ist der Terroirgedanke, der mich am ersten Tag beim Rottland so glücklich machte. Aber leider funktioniert das nicht. Da Von Winning mit seinen Barrique-Rieslingen fröhlich dazwischen grätscht, und von Buhl meinem Empfinden nach dieses Jahr auch ein wenig neues Holz im Spiel hat, wird das Verkosten zum Hindernislauf. Nach einem von Winning Riesling brauche ich etwas Pause, bevor ich einen Mosbacher verkosten kann. Beiden gemein ist, dass sie extrem gute Weine gemacht haben. Mosbachers GGs sind wunderbar: Riesling ohne Firlefanz, dicht, kantige Säure, etwas Alkohol, Zucker nur wo nötig, schmecken sie, als wäre es ein Kinderspiel so was zu erzeugen. Ist es offensichtlich nicht. von Winning schmeckt, wie Mosbacher aus dem Barrique, lediglich den Langenmorgen mochte ich nicht, der schmeckte wie Zitronenlimo mit Sägespäne. Beide Weingüter haben tolle Kollektionen, von Winning manchmal schwer einzuschätzen. Als Einzelwein gefiel mir noch das Ungeheuer von Buhl, Knipser war ebenfalls sehr ordentlich. Insgesamt wenige Ausfälle aber auch viel gehobener Durchschnitt, manchmal etwas limonadig, insbesondere die Ruppertsberger Lagen fallen für mich ab.

Die Gleisweiler Hölle von Theo Minges bietet viel Saft und Kraft mit etwas mehr Säure als sonst und dafür einem etwas längeren Zuckerschwänzchen. Das findet mit der Reife entweder zu einem tollen Wein zusammen oder wird eine GG-Karikatur. Allein für den Lerneffekt sollte man eine Flasche einkellern. Rebholz bietet beim ‚Im Sonnenschein‘ die schönste Nase der Pfalz und beim ‚Ganz Horn‘ einen Wein, den ich gerne mal ausführlich probieren würde, weil er einerseits manchmal schaurig nach Limo schmeckt, andererseits so viel Stoff und erste Anklänge von Würze zeigt, dass er über drei Tage genossen vielleicht eine spannende Geschichte erzählt.

Um es zusammenzufassen: Weniger Schatten als in anderen Gebieten aber nur drei Weine, die ich vorbehaltlos sensationell finde: Forster Ungeheuer von Mosbacher, von Winning und von Buhl. Das ist eine sehr schwache Ausbeute.

Baden und Württemberg

Aus Baden kommen ganze 6 GGs vom Riesling, da ist die Geschichte schnell erzählt. Alle sind sehr ordentlich, alle etwas hoch im Restzucker und vergleichsweise mild. Das vollste Paket mit der kräftigsten Säure stellt Konrad Schlör mit seinem Fyerst. Das könnte mal ein richtig spannender Wein werden oder total ins Mastige abdriften. Wird auf jeden Fall spannend, das zu beobachten.

Württemberg hat einiges im Programm, was sehr ins Mastige geht. Viel Restzucker fand ich auch in Weinen, die das von der Säure her gar nicht nötig gehabt hätten. Wer mit dem Zuckerschwänzchen keine Probleme hat, wird hier glücklich. Ich bin nicht besonders empfindlich aber mir war es oft zu viel. Bei Adelmanns Süßmund bin ich unsicher, müsste über längere Zeit verkosten um zu ergründen, ob er grottig oder klasse ist. Auf den ersten Schluck sehr gut gefallen haben mir der Glaukós von Wachtstetter, der Marienglas von Aldinger, der Bergmandel von Schnaitmann, der Pulvermächer von Heid sowie der Drusenstein von Ellwanger. Sie alle zeigen eine Säure, die ich pikant nennen würde, also eine halbe Stufe unter der oft kantigen Säure vieler anderer Rieslinge aus 2013. Mit pikanter Säure kann man noch leckeren Wein machen (mit kantiger nur großartigen, wenn Sie verstehen, was ich meine), also muss die Zeit zeigen, ob die Weine großartig werden. Heid und Wachtstetter unterstelle ich dafür das größte Potential.

Franken

Ich habe in der Mittagspause des zweiten Tages an einer Streichliste gearbeitet, indem ich Mitverkoster fragte, was man denn am ehesten auslassen könne. Die Antwort war eindeutig: Franken. Also habe ich die Zeit gespart und mich lieber den Spätburgundern gewidmet. Über die berichte ich dann morgen, denn da gibt es reichlich zu berichten.

 

VDP Großes Gewächs Präsentation Wiesbaden (1)

VDP Großes Gewächs Präsentation Wiesbaden (3)

VDP Großes Gewächs Präsentation Wiesbaden (4)

3 Gedanken zu „VDP Großes Gewächs Präsentation Wiesbaden (2)“

  1. Da haben Sie aber was verpasst, wenn Sie Franken ausgelassen haben! Schade, dass Sie sich so von anderen beeinflussen lassen. Wenn man an so einer Verkostung teilnimmt sollte man doch in der Lage sein alle Weine zu verkosten.

    1. Alle 400? In insgesamt 16 Stunden??? Nennen Sie mir doch bitte einen einzigen Teilnehmer, der das geschafft hat 🙂
      Ich habe mich nicht beeinflussen lassen, sondern Meinungen eingeholt um Prioritäten zu setzen, damit ich mehr als 2,4 Minuten pro Wein aufwenden kann.

Kommentar verfassen