IRS Rheingau

Internationales Riesling Symposium 2026

Das Internationale Riesling Symposium 2026 im Rheingau brachte viele besondere Weine ins Glas. Bei den Fachvorträgen hatten vorherige Ausgaben dank stärkerer Beteiligung der universitären Welt etwas mehr zu bieten.

Zum dritten Mal hatte ich das Vergnügen, an einem Internationalem Riesling Symposium auf Kloster Eberbach im Rheingau teilzunehmen und zum dritten Mal war es eine lehrreiche Veranstaltung. Hatte das Symposium 2017 sensationelle Forschungsergebnisse zur Qualität von Weinen aus alten Reben zu bieten und das von 2022 eine umfangreiche Darstellung des Forschungsstandes zum Weinbau im Klimawandel, beschränkte sich das 26er auf die gekonnte Präsentation des Status Quo und ein erfreuliches Gastspiel des Themas Pinot Noir. Zudem fiel es weit weniger international aus als die Vorgänger.

Internationales Riesling Symposium

‚Rechts des Oberen Rheins – Riesling aus Franken, Baden und Württemberg‘ lautete das Thema des ersten Tastings, moderiert von Vinum-Chefredakteur Harald Scholl. Am Nachmittag des ersten Tages widmete sich Stuart Pigott dann der Frage ‚Kann ein großer Riesling je zu alt sein?‘ Moritz Lüke von Grand Cru Select spürte am zweiten Tag Ursachen nach: ‚Erfolgreiche Riesling „Grand Crus von deutschem Boden“ und was ihren Erfolg ausmacht.‘ Fulminanter Schlusspunkt war dann ein spannender Vergleich: ‚Pinot Noir aus Burgund und Deutschland – Deutscher Pinot Noir weiß sich zu behaupten‘ – bei dem Thomas Sommer (ebenfalls von Grand Cru Select) durch ein Feld höchstrangiger Pinots führte. Dazu gab es Betrachtung zur Historie von Riesling und Pinot in Deutschland von Dr. Daniel Deckers, und einen sehr interessanten Debattenbeitrag von Dr. med. Johannes Scholl zur Diskussion um die vermeintlich lebensverkürzende Wirkung des Alkohols selbst bei moderatem Genuss.

Wie viel neue Erkenntnis die Fachvorträge brachten, hing stark von der individuellen Vorbildung ab. Beide Themen waren mir durchaus vertraut. Die Tastings hingegen brachten auch mir einige neue Einsichten, die schwer zu verallgemeinern sind. Badischer Spitzenriesling ist stilistisch heterogen, die Jahrgangscharakteristik besonders ausgeprägt. Württemberg ist strahlender als das Klischee besagt, Franken hat meist eine ganz andere Jahrgangscharakteristik als die Rieslinge vom Rhein. 20 Jahre alter Riesling aus Australien kann dank Schraubverschluss jünger wirken als ein 7 Jahre altes Halenberg GG. Und zwar nicht neu, aber man kann es gar nicht oft genug schreiben: deutscher Spätburgunder ist dann am besten, wenn er nicht versucht, ein Pinot aus dem Burgund zu sein.

Im folgenden einige Höhepunkte aus drei besonderen Verkostungen.

Riesling rechts des oberen Rheins (bis auf Schnaitmann und Max Müller I alles GGs)

Tasting 1 IRS

Andreas Laible (Baden), Plauelrain Stollenberg 2021 liefert einen Auftakt nach Maß: Die Intensität der Nase ist krass, das ist Rieslingextrakt. Am Gaumen ist die Säure tief in den Schmelz des eher üppigen Weines integriert. Kräftig, schmelzig, aber nicht mopsig – hat Wucht und enorme Präsenz. Wer feines Spiel erwartet, ist hier falsch, wer lebendiges Aromenfeuerwerk mag, wird perfekt bedient. Finde ich beeindruckend, Harald Scholl findet die schönste Formulierung: präzise heißt nicht immer asketisch. Beurers (Württemberg), Pulvermächer Berge 2021 hat eine kräuterwürzige Nase mit Zitrusfrucht und blondem Tabak, wenig Reifenoten und weiterem Potenzial. Am Gaumen startet der Wein mit kompaktem Fruchteindruck von Aprikose, etwas Orange, beides vollreif. Bevor der Wein zu üppig wirkt, kommt passende Säure zur Geltung, es wird leicht kräuterwürzig und deutliche Phenolik führt schließlich durch den langen kreidigen Abgang. Auch da deutet sich noch einiges Potenzial an. Finde ich richtig gut.

Heids (Württemberg), Pulvermächer 2020 bietet eine sehr typische Rieslingnase der etwas helleren Art. Der Gaumen präsentiert seine Frucht weniger offensiv, was sehr gut passt, denn sie ist etwas überreif, geht in Richtung Bratapfel, vermählt sich mit der malzigen Würze, wird aber nicht zum Moppelchen, weil die Säure an der Grenze zu ‚krass‘ operiert. Das führt zu einem extrem zackigen Abgang. Ich denke, das erste Glas fände ich Weltklasse, danach würde ich aber zu einem weniger kantigen Vertreter wechseln. Wöhrwags (Württemberg), Herzogenberg 2020 passt gut nach dem Wein von Heid: Wir sind einen Tick weniger vollreif in der Fruchtaromatik, einen Tick freundlicher in der Säure und dadurch ein wenig entspannter, aber die leise Art sollte nicht über das Potenzial hinwegtäuschen. Ich traue dem Wein sehr viel zu.

Rainer Schnaitmann zeigt den Riesling Réserve aus VDP.GROSSEN LAGEN 2015. Ich finde die Nase sehr attraktiv, vornehm gereifter Riesling mit sehr schöner Aprikose, am Gaumen geht das gleich so weiter, herrliche Frucht, helle, kreidige Anmutung, feinstes Schmirgeln, erstaunlich jugendlicher Gaumen, extrem elegantes Tänzchen. Das finde ich richtig groß. (100% Lämmler, andere Machart, aber aufgrund des Lagenverbrauchs ohne entsprechende Bezeichnung) Und auch wenn der nächste Wein nicht ganz herankommt, ist er doch das beste Riesling GG, das ich bisher vom Weingut Rudolf Fürst (Franken) verkosten durfte: Centgrafenberg 2021; klassische, leicht verhaltene Nase, wird mit Luft etwas „wärmer“. Am Gaumen feste Frucht, Apfel und Aprikose, schöne Tiefe, tolle Länge, sehr von Fruchtaromatik und Säure getragen. Stark. Max Müller I (Franken), Escherndorfer Lump 2019 stammt aus dem Jahrgang vor dem Beitritt zum VDP. Sehr kräuterwürzige Nase, am Gaumen strahlt dann ein sehr klarer grüner Apfel, mit schnittiger Säure und vielen feinen Würzaromen. Saftig, strahlend, richtig knackige Säure, nix für Warmduscher, aber tief und lang und fest und wirklich berührend. Würzig auch Weingut Am Stein/Ludwig Knoll (Franken), (Stettener) Stein 2019. Grüne, krautige und deutlich vegetabile Nase, wild, ungewöhnlich, aber nicht unangenehm. Auch der Gaumen hat ein par eher wildwürzige Aromen inklusive Rauch und Nuss parat. Wenn die in ihrer Kraft dem Müller ähnliche Säure nicht wäre, würde ich das Blind nicht sofort als Riesling erkennen. Aber die Komplexität ist wunderbar, der Wein erzählt Geschichten. Ein Riesling fürs Studierzimmer.

Rainer Sauer (Franken), Am Lumpen 1655 2017: Sehr harmonische Rieslingnase mit kühler Anmutung und ersten feinen Reifenoten. Die Textur ist leicht cremig, die Säure, fest integriert, verhindert, dass das ins Lätscherte abdriftet. Auf einem ersten Höhepunkt: Die Reife fügt schöne Komplexität dazu, die Textur ist besonders schön mit dieser Mischung aus eingecremter Säure und feiner Phenolik. Finde ich ganz stark. Ludwig Knoll sitzt auf dem Podium und sagt über den Wein des Kollegen: ‚Das ist nah am perfekten Riesling nach meinem Rieslingverständnis.‘ Dem schließe ich mich gerne an.

Aller weiteren verkosteten Weine dieser Probe finden Steady-Unterstützer am Ende in der Arbeitsmappe.

‚Kann ein großer Riesling je zu alt sein?‘

Heerkretz

Unter den Eichweinen jüngeren Datums mochte ich vor allem den Apollo’s Praise (Kelby Russel) (Finger Lakes, USA), Lahoma Vineyard Dry Riesling 2024: recht intensive Nase, sehr typisch, erst recht am Gaumen: ein Maul voll Riesling mit schöner Säure. Richtig knorke. Das könnte auch aus Rheinhessen stammen. Und dann war es Zeit, eine Lanze zu brechen, für den verschmähten Jahrgang 2018 und dann auch noch aus dem warmen Elsass: Valentin Zusslin (Alsace, Frankreich), Pfingstberg Riesling Grand Cru 2018. In der Nase niemals 7 Jahre alt, die Frucht ist aber vollreif, am Gaumen Citrusaromen, auch etwas Bienenwachs, alles gut eingehegt von kräftiger Säure. Schöner Zug bis ganz zum Schluss. Sehr schön und sehr jugendlich. Dann 

Wagner-Stempel (Rheinhessen), Heerkretz 2017. Hallo wach! Da geht die Sonne auf, doch dieser heftig packende Grip schon ab dem Mittelbau macht klar: der ist nicht einmal ansatzweise trinkreif. Aber dieses Strahlen, diese blitzende Säure, die keinerlei Schrecken verbreitet und die Tiefe der Aromen – das ist auf dem Weg zu monumentalem Vergnügen!

Emmerich Knoll (Wachau, Österreich), Ried Schütt Riesling Smaragd 2016 Hier haben wir recht deutlich Botrytis, der alte Wachauer Stil. Schön, dass es das noch gibt. Aus der Zeit gefallen, aber eine wunderbar prächtige Interpretation der Rebsorte. Riesling in XXL. Breitwand, Panorama, mit Soundtrack von Ennio Morricone. Wenn man das weiß und nur aufmacht, wenn einem danach ist, gibt es kaum Größeres. Und dieses Exemplar ist aus der höchsten Spielklasse.

Frankland Estate (Western Australia), Isolation Ridge Vineyard 2005 ist krass jugendlich für 2005 (schraubverschlossen), die üppige Aromatik ist vermutlich eher die Region als das Alter. Ordentliche Säure, sehr üppige, leicht überreife Frucht, gute Komplexität und Länge. Toller gereifter Riesling – und das war damals kein ultrateurer Spitzenriesling. Tolle Nase bei Hirtzberger (Wachau, Österreich), Singerriedel Smaragd 2013: Riesling fein gereift, sehr pur. Am Gaumen stört mich das kleine Zuckerschwänzchen überhaupt nicht, weil der Wein auf Süße-Säure-Spiel baut. Die Aromatik ist klar und strahlend ohne störende Honignoten oder ähnliches. Das macht auch am Gaumen das Vergnügen so pur. Weltklasse.

Breuer Schlossberg 2002

Georg Breuer (Rheingau), Berg Schlossberg Rüdesheim 2002 ist der letzte von Georg Breuer gefüllte Jahrgang. Die Säure harmoniert mit der cremigen Reifenote, die Frucht ist leise, aber überwiegend klar, die Reife zeigt sich in großer Komplexität unaufdringlicher Aromen: kräutrig, erdig, süß (nicht zuckrig), und immer wieder die schöne Frucht, feiner Säurezug und alles bei sehr großer Länge. Flüssige Weingeschichte. Ein Monument. Und was für eine großzügige Gabe von Theresa Breuer, Tausend Dank! Dr. Bürklin-Wolf (Pfalz), Pechstein 2004 (Magnum): Die Nase ist etwas würziger, fester als der Schlossberg und zeigt nur sehr wenige Reifenoten. Am Gaumen zeigt sich dann noch deutlicher: Das ist eine perfekte Flasche, Blind wäre ich bei 2013 oder vielleicht 2008 gelandet. Eine leichte Süße wirkt für mich zuckriger als beim Schlossberg und ist in diesem komplexen Meisterwerk mit dieser singenden Säure ein kleiner Stolperstein, der mich natürlich nicht stört, aber verhindert, dass ich ‚100 Punkte!‘ rufe. Mindestens grandios ist er allemal.

Nach diesen unfassbaren Erlebnissen war es etwas schwer, wieder in etwas einfachere Sphären abzusteigen. Doch es gilt, gleich zwei Mal Ernie Loosen zu besklatschen. Das wäre zum einen Dr. Loosen & Château Ste. Michelle (Columbia Valley, USA), Eroica Riesling 2011. Das gut ausbalancierte Süße-Säure-Spiel erfährt meiner Meinung nach eine erhebliche Aufwertung durch feine Reifearomen, die weit weniger ausgeprägt sind als bei vielen anderen 2011ern in dieser Probe. Macht viel Spaß. Die Dr. Loosen (Mosel), Ürziger Würzgarten Riesling Spätlese Tradition 1997 bietet eine tolle Nase mit schwarzer (!) Johannisbeere und einem kleinen Feuerstein, pardon my French, aber die ist endgeil. Am Gaumen ist der Wein strenger als erwartet (Tradition war eine Linie mit weniger Restzucker als die damals ausufernden Werte am Markt). Hier ist mir die Süße fast zu zurückhaltend, aber das ermöglicht auch, dass das seeehr komplexe Aromenbild in den Vordergrund tritt. Ich halte das für groß.

Und dann wurde es richtig süß: Egon Müller (Saar), Scharzhofberger Wiltingen Riesling Kabinett Alte Reben 2009 (Versteigerung). Der singt und tanzt, vielleicht nicht mit der Leichtigkeit kühler Jahrgänge, dafür hat er eine tolle Reifenote. Archetypischer Kabi mit extremer Tiefe und einem Abgang jenseits von einer Minute. Muss man dafür 300 Euro ausgeben? Wenn das Geld da ist unbedingt. Es geht allerdings auch günstiger: Maximin Grünhaus (Ruwer), Herrenberg Maximin Grünhaus Riesling Spätlese 2016. Im Vergleich mit dem Vorgänger zeigt sich kein Unterschied der Gewichtsklasse: Das ist eine leichte Spätlese. Der singt und tanzt und wirkt höchstens halb so alt, wie er ist. Ätherisch, transzendent, ich könnte den ganzen Esoterikbaukasten auspacken. Da hier um mich herum alle leicht verstrahlt grinsen, traue ich mich das auch. Ganz großer Sport.

Deutsche Rieslinge

Die dritte Verkostung war eine Art ‚Best of‘ Deutscher Riesling GGs aus den Jahrgängen 2019 bis 2022. Zu diesen gibt es im Blog bereits ausführliche Berichte. Steady-Unterstützer finden die Notizen in der angehängten Arbeitsmappe. Hier geht es weiter mit ausgewählten Pinots aus der letzten Probe.

‚Pinot Noir aus Burgund und Deutschland – Deutscher Pinot Noir weiß sich zu behaupten‘

Dujac (Burgund), Morey Saint Denis 2023. Verhaltene Nase mit Waldbeeren, einem Hauch Schießpulver und etwas Holz, am Gaumen ein schöner Beerenmix, sehr feine Würze und Tannin, minimal spitze Säure, schön.
August Kesseler (Rheingau), Assmannshauser Höllenberg 2022. Ohne hinzuschauen und nachzudenken probiert und beim süßen Antrunk sofort an Kesseler gedacht. Allerdings entwickelt der Wein nach hinten raus einen würzigen Zug und eine Spannung (bei analytisch niedriger Säure von 5 Gramm pro Liter), die ihn ganz weit nach vorne bringt. Tief und wirklich beeindruckend.
Huber (Baden), Alte Reben 2022. Die Nase hat erst etwas Leder und Zeder (ungewöhnlich) und Kirsche in der Nase, mit Luft wird sie etwas floraler. Am Gaumen die bisher kräftigste Tanninstruktur, aber auch am meisten Saft, was gut zusammenpasst. Ein maskuliner Wein, noch nicht trinkreif, aber die Harmonie ist jetzt schon beeindruckend. Großartig. (Mit mehr Luft nachprobiert wird er noch besser.)

Pinot und Pinot

Nicolas Jay (Willamette Valley, Oregon), Pinot Noir Own-Rooted 2022. Ein halber Pirat. Eine eher warme, entwickelte Nase mit würzigen Reife- und Holznoten und verhaltener Frucht. Am Gaumen sehr viel sehr feines Tannin, das direkt zupackt und den Wein noch mehr trägt als die schöne Säure. Aromatisch finde ich eine süße Frucht mit eher burgundischer Erdigkeit. Finde ich auch großartig.
Molitor (Mosel), Graacher Himmelreich*** 2022. Die röstige Erdigkeit ist weder Deutsch noch burgundisch, sondern typisch Molitor. Was haben wir schon im Freundeskreis darum gerungen, wie das einzuschätzen ist. Muss jeder für sich entscheiden, aber vor allem muss man das mal getrunken haben.
Marquis d’Angerville (Burgund), Volnay Premier Cru ‚Champans‘ 2020. Eher florale, fruchtferne Nase. Am Gaumen sehr feine Frucht und helles Holz, fantastische Tiefe. Die Eleganz ist atemberaubend, die Präzision sowieso. Da ist nix verwaschen, austrocknend oder diffus. Singt und hat Spannung und ist episch lang.

Knipser (Pfalz), Laumersheimer Kirschgarten 2022. Da ist diese weingutstypische knackige, leicht blutige Spannung, derzeit nach hinten noch vom Tannin abgebremst. Ich liebe das und bin immer wieder erstaunt, mit welcher Konstanz die Knipsers das seit 20 Jahren hinbekommen. Der wird ganz großartig.
Meyer-Näkel (Ahr), Dernauer Pfarrwingert 2021. Und noch so ein Weingut, das jahrein jahraus große Spannung in seine GGs kriegt. Auch hier, wenngleich die Frucht etwas weniger knackig ist als in den besten Jahrgängen, dafür ist das Tannin so seidig und die Säure so fein. Eigentlich wunderbar, berücksichtigt man die Umstände (Flut) unter denen er entstanden ist, passt „übermenschlich“ aber viel besser.
Fürst (Franken), Bürgstadter Centgrafenberg 2022. Die Frucht ist süß, knackig, nicht zu laut, die Säure singt, das Tannin ist fein und ziemlich viel. Der Wein ist leise, noch nicht vollkommen beisammen, insbesondere das Tannin braucht noch. Trotzdem ist ziemlich klar, dass hier viel zu erwarten ist: Ein dezent kräutriger, von feiner Frucht geprägter, eleganter Pinot der obersten Liga.

Vosne-Romanée

Friedrich Becker (Pfalz), Heydenreich 2018. Sehr animalische Nase, die nicht auf den Gaumen durchschlägt. Am Gaumen stattdessen eine klare, knackige, tiefe Frucht, wie sie bisher noch kein Wein im Feld gezeigt hat. Dazu kommt viel recht feines Tannin. Die Textur ist saftig, das Tannin zwar fordernd, im Abgang aber nicht austrocknend. Das wird brauchen und man mag es jetzt kaum glauben, aber das wird vermutlich mal ein wahnsinnig feiner Pinot. Großartig.
Dr. Heger (Baden), Vorderer Winklerberg 2019. Ich mag die kühle Eleganz des Weines sehr: lebendig, druckvoll, aber nicht zu laut, komplexe Aromatik und schöne Säure bei sehr feinem Tannin. Ganz toll.
Daniel Twardowski (Mosel), Pinot Noix Ardoise 2018. Angenehm wilde Nase, also kein wildes Gestinke, sondern erdig, fleischig und etwas animalisch. Am Gaumen bewegen wir uns in der gleichen Aromenwelt plus saftige rote Beeren. Auch ein leicht erdiger Ton, der in der Blindprobe vermutlich ins Burgund führen würde. Extrem elegant und ganz besonders gut.

Clos de la Roche

Louis Jadot (Burgund), Clos de la Roche Grand Cru Pinot Noir 2017. Sehr gereifte Nase, am Gaumen viel Waldbeeren, wahnsinnig schöne, dunkelwürzige Aromatik, komplex, durchaus trinkreif. Würde ich jetzt gerne trinken.
Armand Rousseau (Burgund), Gevrey Chambertin Clos du Château Pinot Noir 2017. Bei aller Verehrung für das Weingut: aromatisch top, klar und präzise in Frucht, erdigen Aromen etc., aber es fehlt etwas Säure und Zug für das richtig große Vergnügen. Das sind 90 Punkte für 400 Euro.
Jakob Jung (Rheingau), AJR Pinot Noir Reserve 2007. Die letzten Flaschen aus der Schatzkammer. Das ist mehr als ein Achtungserfolg, elegante süße Frucht, ordentliche Säure, komplexe Reife, lebendig, feines Tannin. Enorme Länge. Sehr hohes Niveau und sehr großzügiger Beitrag. Nicht nur für diesen, sondern für die ganze fantastische Veranstaltung danke ich allen beitragenden Winzern, Moderatoren und dem Veranstalter VDP Rheingau. Es war ein Fest!

Liebe Unterstützer, anbei alle Notizen zu den gut 100 Weinen. Viel Spaß beim Stöbern.

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