VDP.AUKTION.RESERVE zur Versteigerung

VDP.Auktion.Reserve 2024

Sieben der Weine, die am morgigen Samstag im Kloster Eberbach zur Versteigerung kommen, konnte ich vorab verkosten. Hier sind meine Eindrücke.

Die Entstehungsgeschichte dieses Verkostungsberichtes ist etwas holprig, aber es hätte schlimmer kommen können. Immerhin kam das Paket mit den Verkostungsmustern am Freitag um 14.00 Uhr, es hätte auch Samstag kommen können. Ich musste alleine verkosten, denn mein Coronatest ist immer noch positiv. Immerhin, der Geschmackssinn ist voll da. Auch ist das Feld nicht ganz vollständig, aber egal. Die gute Nachricht ist entscheidend: Es gibt auch dieses Jahr spannende Stars für Jedermann auf der gemeinsamen Versteigerung von Kloster Eberbach und dem VDP Rheingau.

Immer noch ein zartes Pflänzchen

Was es mit der VDP.Auktion.Reserve auf sich hat, habe ich im Bericht zum letzten Jahrgang geschildert. Die Auktionsergebnisse jenes Jahrgangs waren zufriedenstellend, allerdings blieb der VDP wohl unter seinen Möglichkeiten. Es gab Verwirrung um eine Mindestzahl zu erwerbender Flaschen, die der Versteigerungskatalog ausweist. Es können eigentlich bei den größeren Lots keine Einzelflaschen ersteigert werden. Diese Grenze galt allerdings (zumindest bei einigen Kommissionären) nicht für die Auktionsreserve, was wiederum etlichen Interessenten nicht bekannt war. Ich finde die Idee dieser Weine entzückend: ultrarare Spezialität, inhaltlich aber eher lustvolles Genussniveau als abgespreizter kleiner Finger und im Preis in der Nähe eines GGs, das in der Blindverkostung vielleicht ein bisschen besser schmeckt, aber eben ohne die Exklusivität auskommen muss. Liebenswerte Nerdweine, denen der VDP-Rheingau kommunikativ noch nicht gerecht wird.

Einer, der ohnehin ganz gut weiß, wie man liebenswerte Nerdweine produziert, hat sich dieses Jahr erstmals der Idee angeschlossen, doch leider war der Wein von Achim von Oetinger nicht mit im Paket. Aber dem hat Stuart Pigott für JamesSuckling.com 100 Punkte gegeben (zur Erinnerung, eigentlich spielen die Reserven in der Ortswein-bis-Erste-Lage-Liga). Der wird also sowieso ein interessantes Debüt geben. Das Paket bestand aus dem Sekt von Barth, dem Spätburgunder von Kloster Eberbach und vier Rieslingen, die Esers zu Knyphausen lieferten ihre Flasche separat. Hier meine Einschätzungen.

Rot
Kloster Eberbach Pinot Goldkapsel

Kloster Eberbach, VDP.AUKTION.RÉSERVE, Pinot Noir Goldkapsel, 2021. Die Auktionsreserve soll eigentlich lagenlos sein, ein Mittelding zwischen Ortswein und Erster Lage mit eigenem Ausbaustil. Bei Rotweinen ist das mit eigenem Ausbaustil eher unüblich. Dass sich in der Kombi Eberbach-Pinot anbietet, ein einzelnes, nicht ganz GG-Ansprüchen genügendes Fass aus dem Fundus der Großen Gewächse zu nehmen, liegt auf der Hand. Dieses Jahr habe ich nicht nachgefragt, aber geschmacklich passt das. Satte Kirschfrucht, eher kräftige Säure, für mich auf dem richtigen Reifezeitpunkt gelesen, nicht grün, nicht überreif. Ich finde das ausgesprochen attraktiv, ich wüsste aber auch ein paar Unterschiede zu den besten GGs aus gleichem Hause zu benennen (an erster Stelle die leicht seifig-dropsige Nase, die freilich vergessen ist, wenn der Wein die Zunge trifft).

Sekt
Barth Auktionssekt

Barth, VDP.AUKTION.RÉSERVE, Riesling Sekt brut, 2019. Mark Barth ist in einer privilegierten Situation. Er muss seine Auktionsreserve nicht fünf Jahre im Voraus planen: Er kann aus dem Fundus der im Keller reifenden Sekte eine beliebige Zahl Flaschen aus einer beliebigen Charge auswählen und durch Degorgement und Dosage ein Unikat erschaffen. Bei der Reserve hab ich den Eindruck, dass es ihn, wie im letzten Jahr, wieder zur chicsten Gitterbox im Keller gezogen hat, auch wenn der Wein doch Mittelklasse sein soll. Das ist nämlich eigentlich viel zu gut für die Liga. Ich öffne ihn direkt nach Ankunft, weil der Sekt sich auch im letzten Jahr mit Luft stark verändert hat. Dieses Jahr ist der Start sehr bunt, exotisch, erinnert an klassische Cuvées mit hohem Meunier-Anteil: etwas brausepulvrig, aber das ist tatsächlich Riesling. Nach zwei Stunden im Kühlschrank ist der Wein ruhiger und sehr fest, mit kräftiger Phenolik und feinem Bittertönchen, Startet mit Kernobst und einem Rest an Exotik, dazu eine würzige Tabaknote, am Gaumen dann dezent hefig, Brotkruste, dann viel mürber Apfel. Frische Säure, kaum Süße. Das hat wahnsinnig viel Anspruch und ist so viel mehr als ein netter Begrüßungsschluck. Gebt mir ein Safranrisotto!

Riesling
Allendorf Sakrileg 15

Allendorf, Sakrileg 2015. Wie im letzten Jahr erläutert, tanzt das Weingut ein bisschen aus der Reihe. Seine Reserve ist eine Lagencuvée der drei GG-Lagen Berg-Roseneck, Jesuitengarten und Hasensprung, die im neunten Jahr nach der Ernte zur Versteigerung kommt. Auch dieser Wein freut sich über 30 Minuten Luft, schüttelt sich den Muff aus den Klamotten und wird dann ein ganz besonders feiner 2015er. Aromatisch hat die Wärme des Jahres in der Nase (und etwas auch am Gaumen) ein paar typische Spuren in Form von mürbem Apfel und einem Hauch Malz hinterlassen, gepaart aber mit gerade eben reifer Aprikose und einer schönen Kräuternote. Am Gaumen dann viel schlanker, als die Nase andeutet, eher frisch, ein feines Bittertönchen und deutliche Phenolik gepaart mit lebendiger Säure. Das ist tänzelnder als der Jahrgangsdurchschnitt und die phenolische Tiefe im Abgang treibt Speichel, macht Appetit und (gefährlich!) sehr viel Lust auf den nächsten Schluck. Ich finde das jetzt schon gut, denke aber, der wird nach Redaktionsschluss noch besser.

Prinz Le Coeur Riesling

Prinz, VDP.AUKTION.RÉSERVE „Le Coeur“, 2021. Die nächste Ausnahme vom Konzept liegt noch ein Jahr länger im Fass und ist also ein 21er. Dazu macht der Junior im Hause die Auktionsreserve extrem naturnah. Obwohl wir fast alle ein Herz dafür haben, scheiterte im letzten Jahr fast die komplette Verkostertruppe bei mir an diesem Wein. Dieses Jahr bin ich ganz allein und alle müssen mir einfach glauben (ein Jehova-Wein erster Güte (Podcasthörerinsiderwitz)), dass das ein unglaublich guter Wein ist. Das ist alles noch belegt. Textur, als hätte man eine Wolldecke im Mund, so hefig und phenolisch, aber strahlend hell und nullkommagarnicht bitter. Die Phenolik und Säure tanzen unbeschwert und auch wenn das noch ein bisschen an Hefeweizen erinnert, liegt darunter wunderbare Frucht und Substanz, die eine schöne Extraktsüße beisteuert. Es tut mir in der Seele weh, dass ich nach einem Probeschluck darüber schreiben muss! (Im Gegensatz zu den meisten meiner Leser weiß ich schon sehr genau, was ich am Sonntag trinken werde.)

August Eser Weingut

August Eser, VDP.AUKTION.RÉSERVE 2022. Das ist jetzt der erste konsequent nach der Idee ausgebaute Wein: ungefähr Erste-Lage-Niveau, ein Jahr Extra-Hefelager. Die Winzerin erzählte mir letzte Woche, ihre Kunden ließen diesen Wein noch liegen und schätzten in der Reife dann ein kräftiges Paket, weswegen vollständiges Durchgären bis nah an Null Restzucker nicht unbedingt ihrer Idee des Weintyps entspreche. Da war ich ein bisschen beunruhigt. Vorschnell. Ich finde das richtig gut. Schmelzig, kräftig mit viel Substanz und einem kleinen bisschen Restzucker, der wie ein fürsorglicher großer Bruder auf Schwesterchen Bitterton aufpasst, die den mineralisch-phenolischen Kern des Weines begleitet. Kein Plüsch, keine buntfruchtige Beliebigkeit, sondern richtig guter, tiefer Riesling mit steinigem Kern, der darüber den Charme nicht vergisst.

Weil Auktionsreserve 22

Robert Weil VDP.AUKTION.RÉSERVE 2022. Weils Ortsweine und erste Lagen sind jung oft erstaunlich buntfruchtig. Nicht hier: ganz klassische Rieslingfrucht; aber eigentlich geht es hier um Textur. Die ist was für Freaks wie mich, und dürfte doch auch den eher auf Süße-Säure-Spiel achtenden, klassischen Rieslingtrinker faszinieren. Das ist nicht saftig, stahlig, sondern eher schmelzig, leicht kantig/kreidig, aber nie anstrengend. Gefällt mir unfassbar gut.

Johannishof Riesling Rheingau

Johannishof Eser, VDP.AUKTION.RÉSERVE 2022. Ein besonderes Stückfass aus dem Rüdesheimer Berg, aber auch das steht nicht auf dem Etikett. Der Wein, bei dem ich am wenigsten an langes Hefelager denke, während ich ihn verkoste. Aromatisch den Nachweis langen Ausbaus nicht schuldig bleibend, aber eben klar und saftig und nicht hefig/stoffig/schmelzig. Ein bisschen fleischig, Apfel, Birne, Aprikose, druckvolle Frucht, aber alles eher knackig als mürbe und dankenswerterweise nicht süß, mit sehr feiner Phenolik nach hinten raus. Leichter zu verstehen heißt nicht schlechter. Den Unterschied sauber zu formulieren kostet aber die Zeit, die mir die Umstände nicht lassen. Also der simple Ansatz: Toller Wein. Hätte ich mehr Durst, würde ich ihn mehr feiern.

Der vollständige Katalog der Auktion sowie ein Link zum Live-Stream findet sich hier.

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