Best of Gold Weinwettbewerb

Tschakka! auf Fränkisch

Ich habe jetzt ein Patenkind. Es ist allerdings schon 8 Jahre alt und seine Eltern haben mir die Patenschaft gar nicht angetragen, sie hatten kein Mitspracherecht. Ich hingegen habe mich erst freiwillig für das Patenamt zur Verfügung gestellt und dann sorgfältig das Kind mit ausgewählt. Das liegt daran, dass mein Patenkind ein Wein ist, genauer genommen eine 2008er Rieslaner Beerenauslese vom Bürgerspital zum Heiligen Geist und ich saß in der Jury, die ihn zum besten Süßwein Frankens gekürt hat. Anschließend repräsentierte ich die Jury bei der Siegerehrung, was als Patenschaft bezeichnet und mit einer Flasche des betreffenden Weines vergütet wird. Aber der Reihe nach…

Best of Gold heißt der fränkische Weinpreis, den der Verband vor einigen Jahren ins Leben gerufen hat um einmal im Jahr die ganz wirklich echt allerbesten Weine Frankens zu ermitteln. Und das ganze Gebiet ist mit Feuereifer dabei: Fast alle Winzer stellen Weine an, vor allem der VDP, der andernorts Manschetten hat mit dem gemeinen Winzervolk in den Ring zu steigen, ist in Kompaniestärke unter den Einreichern und Preisträgern vertreten. Sämtliche Winzer fiebern dem Ergebnis entgegen, es kommt bei der Siegerehrung sogar zu kleinen unkontrollierten Freudensprüngen etablierter Spitzenwinzer, wenn sie eine Trophäe einheimsen. Wenn fränkische Winzer positives Denken trainieren, stehen sie nicht vor dem Spiegel und rufen ‚Tschakka, ich schaff das‘ – sie rufen ‚Ich gewinne Best of Gold!‘.

Best of Gold – Frankens Wein-Oscar

Der interne Stellenwert des Preises leitet sich daraus ab, dass sein Initiator Hermann Mengler alles dafür tut, dass erstens die Spitze des Gebietes tatsächlich antritt und zweitens bei der Durchführung keinerlei Verdacht auf Kungelei entsteht. Zugelassen sind im wesentlichen nur Weine, die bei der normalen fränkischen Weinprämierung eine Goldmedaille gewonnen haben, daher der etwas sperrige Name. Und die Jury des Weinpreises ‚Best of Gold‘ besteht aus Jounalisten, Sommeliers, Händlern und auch Bloggern, die überwiegend nicht aus der Region stammen. Vielfalt ist auch hier Programm – vom Gebietsverkoster des Gault&Millau bis zum Blog bushcooks kitchen ist alles vertreten. Als die Franken fragten, ob ich Lust hätte, sagte ich sofort zu. (Offenlegung: An- und Abreise sowie die Übernachtung zahlt der Verband, die Verkostungsarbeit wird nicht vergütet, es gibt zwei Flaschen Wein als Dankeschön.)

Um die 270 angestellten Weine gerecht zu bewerten hat die Jury 51 Mitglieder. Die verkosten in kleineren Gruppen blind je einen Teil des Teilnehmerfeldes am Vormittag. In meiner Gruppe waren das Vertreter der trockenen Aromasorten (Scheurebe, Sauvignon Blanc und Traminer), der trockenen Weißweine aus dem Barrique und der Süßweine aus allen Sorten außer Riesling und Rieslaner. Am Nachmittag verkosten die Juroren dann die Finalisten aus drei Kategorien, hier traf ich dann als Pate der Süßweinkategorie auf alle Finalisten dieser Gruppe, sowie auf trockene Silvaner und Burgunder, für Abwechslung war gesorgt.

Schwarmintelligenz und Qualitätssicherung

Weinprofil AbtsleiteBei der morgendlichen Session tauschen die Gruppenmitglieder sich über ihre Wertungen aus und bei zu großer Diskrepanz zwischen einzelnen Juroren ist eine Diskussion erwünscht – eine interne Qualitätskontrolle. Am Nachmittag wertet jeder Verkoster für sich und es wird explizit darum gebeten, nicht rechts und links zu spicken. Zusätzlich erstellen die Verkoster am Nachmittag noch ein Profil der verkosteten Weine im Neuner-System (mehr zur Juryarbeit hier), welches den einreichenden Winzern als Gesamtauswertung später zukommt. Mein Patenkind hat also sozusagen einen Gesundheitspass, den ich (Datenschutz hin oder her) als stolzer Pate hier veröffentliche.

Mein Patenkind fand ich übrigens recht leicht. Er hat in meiner Wahrnehmung den Rest des Feldes auf Abstand gehalten. Im 20er System, das bei der Prämierung zum Einsatz kommt, zückte ich 19 Punkte in der Blindverkostung, das tat ich genau ein Mal. Mein Patenkind spielt halt in einer eigenen Liga.

Bewertung Bodmann Felix

Bürgerspital Abtsleite Rieslaner BeerenausleseBürgerspital, Würzburger Abtsleite, Rieslaner Beerenauslese, 2008, Franken. Nach der Siegerehrung gab es alle nominierten in der freien Probe, da habe ich eine etwas ausführlichere Notiz anfertigen können: In der Nase ganz saubere Botrytis und erste Reifearomen, Trockenfrüchte, Pistazie und einiges mehr. Am Gaumen vibrierend mit deutlicher Süße ohne zu opulent zu sein und einer faszinierenden Säure: pikant, kräftig, aber in keiner Form beißend, verleiht sie dem Wein Struktur und Trinkfluss. Feine Frucht, wieder Pistazie und im ewig langen Abgang auch schöne Mineralik. Gleichzeitig monumental und schwebend, da darf man vielleicht von ‚Transzendenz‘ sprechen.

Der Wein ist für 72 Euro im Online-Shop des Bürgerspitals erhältlich, da eine Bedingung für die Anstellung ist, dass mindestens 300 Flaschen zum Verkauf stehen. In den nächsten Tagen erscheint im Online-Shop des Fränkischen Weinbauverbandes ein Paket mit allen Siegerweinen außer dem edelsüßen.

7 Gedanken zu „Tschakka! auf Fränkisch“

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