#vdpgg19

Wiesbadener Fazit: Wie gut ist 2018?

Mit ein paar Tagen Abstand hier das Fazit zur GG-Vorpremiere, selbstverständlich mit Einkaufstipps und Bestenlisten…

Über 500 Weine in drei Tagen zu verkosten klappt nur, wenn ein paar Menschen Sachen machen, für die ich mich ganz dringend bedanken muss. Danke an die Winzer, die nicht nur ihren Wein zur Verfügung stellen, sondern mit einer nicht gerade kleinen Anstellgebühr die ganze Veranstaltung inklusive einer für mich kostenlosen Übernachtung finanzieren. Danke an Sonja Reinbold, Hilke Nagel und alle anderen Mitarbeiter des VDP, an die vielen fleißigen Geisenheimer, die mir Wein einschenkten und an die Franken, die eine tolle Abendveranstaltung ausrichteten.

Wenn ich könnte, wie ich wollte?

Immer wieder behaupten irgendwelche Deppen, wir wären Jubelperser, die gute Nachrichten aus Wiesbaden verbreiten müssten, weil sie sonst nicht wieder eingeladen werden. Ist eigentlich keiner Replik würdig, aber es sei an dieser Stelle dem VDP auch noch Mal explizit dafür gedankt, dass er die Pressefreiheit würdigt, was zum Beispiel Sätze wie den folgenden gefahrlos möglich macht.

2018 ist ein eher schwacher Jahrgang.

Das kann man so pauschal natürlich nicht sagen, aber nachdem Sie bei den ganzen Danksagungen fast eingeschlafen sind, habe ich jetzt wieder Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit, stimmt’s? Also dann jetzt weniger pauschal weiter: Das was wir (Sie und ich) in einem großen trockenen Weißwein suchen, ist in den Weinen des Jahrgangs 2018 eher unterrepräsentiert. Ich habe mich getraut, diesen Satz in kleiner Runde beim Niederfall des VDP Franken zu sagen. Da gärten die Moste noch und Kritiker, die Jahrgänge beurteilen, bevor der erste Wein gefüllt ist, sind bei Winzern so populär, wie George W. Bush bei der Bevölkerung Bagdads. Die Reaktion der umstehenden Winzer war aber nicht, mich mit Schuhen zu bewerfen, sondern Gelächter und die Frage, ob man sich die Formulierung gelegentlich ausborgen dürfe. Wir wussten doch schon bei der Ernte, dass das ein Rekordsommer war und dass man das den Weinen anmerken würde.

#vdpgg2019 – kein Problem!

Dass wir (also Sie und ich) den Jahrgang schwach finden ist übrigens überhaupt kein Problem. Denn 98 Prozent der Konsumenten, diejenigen die anderen gerne das Galileo Zitat ‚Wein ist vom Sonnenlicht gebändigtes Wasser‘ um die Ohren hauen, sehen das ganz anders. Für die ist 2018 Bombe. Wenn ich Gastronom wäre, ich würde mir mit 2018 den Keller vollmachen, denn die Weine sind erstens gastronomisch und zweitens früh trinkreif, binden nicht langfristig Kapital. Die Winzer werden ihre Weine also verkaufen können, selbst wenn wir (also Sie und ich) uns dieses Jahr zurückhalten.

Warum habe ich drei Tage lang mehr als die Hälfte der verkosteten Weine besungen? Weil sie zugänglich und wohlschmeckend sind. Auf dem Niveau des Jahrgangs gab es viel Interessantes zu entdecken. Wer meine Berichterstattung schon eine Weile verfolgt, weiß hoffentlich, dass ein ‚mag ich sehr‘ von mir keinerlei Kaufbefehl darstellt. Die Kaufbefehle kommen im Fazit. Außerdem versuche ich Kontext herzustellen und da gilt die einfache Regel, je mehr Weine ich beschreibe, desto detaillierter ist der Kontext.

2018: Wärme oder Hitze?

Kontext ist ein großes Problem. Zu viele verzichten darauf. Ich habe diverse Aussagen gelesen, bei denen ich Missverständnisse auf Konsumentenseite vorprogrammiert sehe. Häufig lautet das Fazit: zu wenig Säure/zu viel Alkohol/Bittertöne (ergänzen Sie nach belieben), aber auch einige tolle Weine, besonders Winzer XY hat eine herausragende Kollektion geliefert. Beim Konsumenten – das haben Diskussionen im Freundeskreis gezeigt – entsteht dann oft der Eindruck, Winzer XY hätte quasi 2016er erzeugt. Dem ist nicht so. Und besonders ärgerlich finde ich es, wenn die Purismus-Trockenkrieger über die vielen ‚Limonadenweine‘ schimpfen und dann ihre üblichen Lieblinge wie Schäfer-Fröhlich als herausragend besingen, während sie schlicht unterschlagen, dass auch manches GG aus dessen Kollektion schmeckt, als hätte ein kleiner Kobold vor dem Servieren heimlich einen Würfel Zucker in die Flasche gedrückt, um uns einen Streich zu spielen. Dönnhoffs sehr gutes Dellchen schmeckt Im Vergleich zum 100-Punkte-Wein (Suckling) des Vorjahres regelrecht halbtrocken. Alle diese Weine und Winzer werden zu Recht gelobt, aber nicht immer unter den wahren Vorzeichen.

Ob der Zucker analytisch wirklich da ist, oder ob das nur süßer schmeckt, weiß ich nicht. Ich finde es auch nicht wichtig. Wichtig ist: den guten 2018ern merkt man die Wärme des Jahrgangs an, den schlechten die Hitze. Künstlers Hölle ist mit 94 Grad Oechsle und ausreichend Säure geerntet, hat eine filigrane Struktur bezüglich Säure, Zucker und Alkohol und entwickelt trotzdem einen aromatischen Fruchtdruck (man verzeihe das Kunstwort), bei dem derjenige, der 2005 und 2007 beim Reifen verfolgen durfte, sofort denkt, dass dieser Wein dereinst ziemlich üppig sein dürfte. Wobei ich mich natürlich irren kann.

Aber üppig ist nicht immer schlecht. Wir müssen runter von den Fixierungen. Viel Säure ist nicht automatisch gut, wenig ergibt nicht automatisch Limonade, beim Zucker analog nur umgekehrt. Harmonie ist eine komplexe Größe. Der Magerwahn und die Zuckerphobie gehören auf den Müllhaufen der Geschichte! Diese Formulierung wollte ich schon immer Mal verwenden. Kommen wir zu den Kaufbefehlen.

Einkaufsstrategie

Wenn Sie zu den profunden Kennern mit gut gefülltem Keller gehören, die Vertikalen sammeln, gibt es keinen Grund 2018 damit aufzuhören. Vielleicht sparen Sie sich die eine oder andere Extra-Magnum, bleiben bei Einteln, denn für 2018er-Magnums werden Sie dereinst eine Menge Mittrinker benötigen. Eine neue Vertikale zu starten, lohnt sich nur bei den Bischels, da könnten Sie erstens bei der Premiere anfangen und zweitens finde ich deren Stoff tatsächlich wunderbar.

Wenn Sie gerade anfangen, sich einen Keller anzulegen, viel Platz und Budget haben, kaufen Sie viel und divers, Sie haben dann was zu trinken, während Sie den 16ern und 17ern beim Reifen zusehen. Und kaufen Sie Württemberg! Es wäre eine schreiende Ungerechtigkeit, wenn deren herausragende Performance schon wieder unbelohnt bliebe. 

Wenn Sie meinen Geschmack dem ihren ähnlich finden, oder das Abenteuer suchen, habe ich unten eine kleine Liste von Weinen, die ich mir während der Verkostung markiert habe, weil Sie mehr oder weniger intensive Gänsehaut hervorriefen. Daneben gilt, dass die alten Hasen unter den üblichen Verdächtigen meist gute Weine gemacht haben, während die Newcomer der letzten beiden Jahre sich vergleichsweise häufiger eine blutige Nase geholt haben.

Silvaner

Knoll/Am Stein: Stettener Stein
Weltner: Küchenmeister ‚Hohe Leite‘
Die üblichen Verdächtigen haben allesamt auch sehr gut geliefert.

Weiße Burgundersorten

Wöhrle: Herrentisch Weißburgunder
Dr. Heger: Gras im Ofen (Weiß- wie Grauburgunder, 2017)

Spätburgunder (2017)

Battenfeld-Spanier: Kirchenstück
Keller: Bürgel
Rings: Saumagen
Rudolf Fürst: Centgrafenberg
Bernhard Huber: Schlossberg
Dr. Heger: Schlossberg
Ökonomierat Rebholz: Im Sonnenschein (2014)
Friedrich Becker: Kammerberg (2016) 

Riesling

Knebel: Röttgen
von Othegraven: Altenberg
Peter Lauer: Kupp und Feils
Von Oetinger: Siegelsberg und Marcobrunn
Jakob Jung: Hohenrain
Robert Weil: Gräfenberg
Künstler: Hölle und Berg Rottland
Joh. Bapt. Schäfer: Goldloch
Dönnhoff: Höllenpfad im Mühlenberg
Gunderloch: Pettenthal
Kühling-Gillot: Pettenthal
Schätzel: Pettenthal
Bischel: Heerkretz
Wagner-Stempel: Heerkretz
Geh. Rat Dr. von Bassermann-Jordan: Pechstein, Ungeheuer und Grainhübel
Kranz: Kalmit
Ökonomierat Rebholz: Ganzhorn und Kastanienbusch
Rudolf Fürst: Centgrafenberg
Aldinger: Lämmler
Jürgen Ellwanger: Altenberg
Dr. Bürklin-Wolf: Ungeheuer (2017)

Der hochgeschätzte Kollege Raffelt war dieses Jahr auch mit von der Partie

32 Gedanken zu „Wiesbadener Fazit: Wie gut ist 2018?“

  1. Hallo zusammen,

    nach einem Verkostungsmarathon bei der VDP Verkostung in Berlin am 01.09. hier die Essenz aus meiner (Laien)-sicht.

    2018 ist – finde ich auch – ein eher schwieriger Jahrgang. Es haben nicht alle Winzer geschafft, trotz Rekordhitze und Trockenheit komplexe und elegante Weine zu produzieren.
    Der eine Winzer macht aus der gleichen Lage etwas eher plumpes, der andere Weltklasse. Beispiel: Fritz Allendorf aus dem Rheingau macht einen wunderbaren Riesling Berg Roseneck, die Version von Leitz gefiel mir nicht.
    Hinzu kommt, dass es vergleichsweise starke Guts und Ortsweine zu verkosten gab, wo man sich fragt, was denn bitte das GG da noch drauflegen soll. Beispiel: der Westhofener von Wittmann kommt so kraftvoll daher, dass man sich fragt, wie fett der Morstein sein muss (den es nicht gab).
    Und dann sind da natürlich immer Hellseherfähigkeiten gefragt. Ich habe jeden Winzer gefragt, was sein Lieblingsjahrgang der letzten Dekade sei und alle (bis auf Carolin Kühling-Gillot, die 2015 nannte), haben 2013 genannt. Ob Johannes Heger oder Dönnhoff, querbeet. Und alle meinten, dass sie das im September 2014 nicht geahnt hätten.
    Heißt: man kann nur vom jetzt ausgehen und das bewerten.
    Und da teile ich zu >80 Prozent das, was ich bei Dir, Felix, und Chr Raffelt gelesen habe.

    Meine Einschätzung: Bei Württemberg fand ich alles stark. Ich fand Franken sehr gut, wobei da viele 17er dabei waren.

    Nach Regionen:
    Nahe, Riesling: Dönnhoff konstant stark, GG Felsenberg mit enormem Zug. Diel konnte ich leider nicht kosten. S-F wie immer mit starker Spontinote, schwer zu beurteilen, aber schön. Das sehr gelobte GG Goldloch von Joh Bapt Schäfer fand ich nicht so stark. Emrich anstrengend mit starker Kamille Note beim GG Halenberg, aber sehr expressiv. Gut Hermannsberg sehr solide.

    Rheinhessen, Riesling:
    Am stärksten fand ich von A bis Z die Kollektionen von Battenfeld Spanier (schwarzer Herrgott) und Kühling Gillot. Bei letzterem vor allem den Ölberg.
    Neuentdeckung Bischel sehr sehr gut: vor allem die erste Lage Appenheim; das sehr gelobte GG Hundertgulden ist auch sehr stark.
    Wittmann: hier habe ich Westhofener Riesling (sehr sehr kräftig., siehe o) und GG Kirchspiel probiert. Kraft und Substanz, könnte später zu fett werden.

    Rheingau:
    Grandios der besagte Roseneck von Allendorf und vor allem (für mich überraschend) wirklich überragend: Weil mit GG Gräfenberg und vor allem mit erster Lage Turmberg!
    Eher schwächer fand ich die PJ Kühn GG St Nikolaus und Doosberg 2017 (vor allem ggü den grandiosen 16ern) und Leitz.

    Mosel: habe ich vernachlässigt, da ich grds finde, dass trockenes GG und Mosel nicht so gut passt. Und mir die Zeit fehlte. Aber Karthäuser ist schön.
    Den Hype um Othegraven mit GG Altenberg und Bockstein kann ich nicht nachvollziehen.

    Pfalz:
    Habe hier nur die im Vorfeld top benoteten von Rebholz (GG Kastanienbusch und Sonnenschein) und Christmann (GG Idig) probiert und kann das nachvollziehen, aber die brauchen wirklich Zeit.

    Franken:
    Highlights: Fürst 17 mit den Pinot Bürgstadter Berg (erste Lage) und GG Centgrafenberg: top!!
    Schmitts Kinder durchgängig ganz toll: ob rot 2017 Pinot Randersackerer Sonnenstuhl oder weiss ( 17 Pfülben Silvaner oder 18 Pfülben Riesling oder 18 Randersackerer Sonnenstuhl Silvaner).
    Mein persönlicher Favorit: 18er erste Lage Sulzfelder Sonnenberg von Zehnthof Luckert. Das GG Maustal war leider nicht da.

    Ahr: die roten zu plüschig und fett.

    Württemberg, hier neben 18 auch weisse 17er:
    Durch die Vorberichterstattung neugierig habe ich mich hier am längsten getummelt und war begeistert.
    Aldinger: schon die weissen 18er Ortsweine Riesling Fellbach und Untertürkheimer Gips sind grandios. Der 17er ersten Lagen Lemberger Hanweiler Berg und 17er Pinot Untertürkheimer Gips sind ein Kauf.
    Die 17er roten GG von Graf Neipperg (Lemberger Schlossberg und Ruthe) sowie der 16er Lemberger Ortswein Schwaigern top.
    Schnaitmann: die 17er Riesling GG Götzenberg und Lämmler top, der Götzenberg noch stärker. Der Lemberger GG Lämmler 17 auch 1a.

    Baden:

    Hier war ich nur kurz, Ben. Baltes was leider nicht da. Bernhard Huber nur Guts und Ortsweine. Netter Plausch mit Joh Heger und der Pinot GG Vorderer Winklerberg 17 ist schön.

    Es hat Spaß gemacht!

    1. Zu Deiner Überlegung bezüglich dicker Ortsweine und wie der Morstein dann wohl schmecken mag: viele Winzer haben 2018 die Lese mit dem GG begonnen und erst danach die einfachen Qualitäten geholt. Man kann tatsächlich nicht vom einen auf das andere schließen.
      Witzig, dass Du den Roseneck erwähnst. Ich habe den von Ulrich Allendorf am Samstag im Rheingau extrem schwach gesehen, zwei Tage später in Wiesbaden ganz stark (aber auf keinen Fall Weltklasse) Leitz fand ich sehr ordentlich, aber definitiv nicht plump.
      Was 2013 angeht: man, habe ich mich anpupen lassen müssen, dass ich den Jahrgang von Anfang an nicht verdammen mochte. Einzige Großtat meiner Weinschreiberkarriere, dass ich bei dem Jahrgang gar nichts zurückzunehmen habe^^
      Und dann einige ganz lieb gemeinte Anmerkung, bitte nicht böse sein: Ich denke, Du bist mit viel Begeisterung dabei und aller Anfang ist schwer. Es geht viel einfacher, wenn man sich ein bisschen zurück nimmt. Zwei konkrete Beispiele:
      ‚(für mich überraschend) wirklich überragend: Weil mit GG Gräfenberg und vor allem mit erster Lage Turmberg!‘
      Okay, Weil ist eines der drei wichtigsten Weingüter Deutschlands. Dass dich die Qualität überrascht sagt weniger über Weil als über Dich aus. In mir keimt dann die Frage auf: Wie viele Arrivage-Proben mit enttäuschenden Weil-GGs hast Du denn schon bestritten? Ist so ein bisschen als kämst Du von der IAA zurück und schriebest: Für mich überraschend: Porsche baut schnelle Autos.
      ‚Den Hype um Othegraven mit GG Altenberg und Bockstein kann ich nicht nachvollziehen.‘ Hype hat ja immer was von ‚Hysterie‘, ‚unberechtigt‘ oder ‚nicht substantiiert‘ und damit klingt das so, als wären die Anderen auf dem Irrweg und Du hättest es geblickt (was Du bestimmt nicht meinst). Aber in öffentlichen Äußerungen ist es vielleicht geschickter irgendwas zu schreiben wie: Die vielerorts geäußerte Begeisterung für das Altenberg GG hat mich in der Kurzprobe nicht befallen’ oder so. Da fühlen sich die, die das toll fanden halt nicht angegriffen. Die Weinwelt ist da sehr empfindlich.
      Ich hoffe, Du siehst in der Ausführlichkeit meiner Antwort das Interesse, das ich habe unterstützend zu wirken und fühlst Dich nicht gemaßregelt.
      cheers
      Felix

      1. Alles gut, bin ja lernfähig. Ich bin bisher einfach nicht so ein Weil Fan gewesen und fand die spitze. Und habe tatsächlich schon ein paar Gräfenberg getrunken, die mir nicht zusagten, was mich angesichts des Renommees immer wunderte. Umso positiver das jüngste Erlebnis. Hype hat für mich eher die Bedeutung von gefeiert und in aller Munde. Das kann zu recht oder unrecht sein. So long, Jeroen

      2. Ich denke was Othegraven angeht kann man schon ein wenig von Hype sprechen, auch im Sinne von ‚unberechtigt‘. Bevor mich nun aber jemand falsch versteht eine kurze Erklärung: Ich habe selbst ein paar von deren GGs im Keller und möchte nun hiermit nicht sagen, dass das Weingut keinen sehr guten Wein produziert. Was das ganze aber meiner Ansicht nach auch ein wenig zum Hype macht ist Jauchs-Promibonus. Soll also heißen, dass Maß an Begeisterung, was dem Weingut nicht wegen der Qualität seiner Weine zufällt sondern wegen der Prominenz seines Besitzers ist mit Blick auf den Wein unberechtigt; denn der Wein schmeckt nicht besser nur weil der Gutsbesitzer prominent ist.

          1. Was? Wird etwa Wein oder das Weingut das ihn herstellt besser, weil es einem Prominenten gehört? Ist Château de Tigné besser weil es Gérard Depardieu‎ gehört? Armand de Brignac wegen Jay-Z oder Ciccone wegen Madonna? Ganz sicher nicht! Gibt es auch bei sowas einen Promibonus? Ganz sicher ja!

          2. Die Berichterstattung über und das Interesse an den Weinen des Weingutes von Othegraven nahm sprunghaft zu, nachdem Frau Dr. Kegel das abgewirtschaftete Gut übernahm und den Quereinsteiger Andreas Barth als Kellermeister verpflichtete, der damals mit seinem kleinen Garagenweingut Lubentiushof erste Achtungserfolge erzielt hatte. Der Jahrgang 2004 knüpfte dann sofort an gute, alte Zeiten an, was Frau Dr. Kegel durch die parallele Veröffentlichung von sehr alten Schatzkammerweinen klug orchestrierte. Sie konnte den zunhemenden Erfolg leider kaum genießen, da eine lebenszeitverkürzende Krankheit in fortgeschrittenem Stadium bei ihr diagnostiziert wurde, was sie dann auf Günter Jauch zurückgreifen ließ, die Geschichte ist ja kein Geheimnis. Jauch spielt in der professionellen Berichterstattung über die GGs kaum eine Rolle, sicher bei der Berichterstattung in Tageszeitungen oder bei den bunten Blättern, die reden aber eher über Basisweine. Was mich so ärgert ist, dass mit einem Klick in die Weinliste jede Menge Berichte über diese Vor-Jauch-Jahrgänge zugänglich sind, inklusive Schatzkammerwein, dann gibt es ein Video in der WWS mit Andreas Barth und es gibt eine Podcastfolge zum Thema. Das ist hier ein Blog und ich gehe davon aus, dass sich Kommentare zumindest rudimentär auf den Inhalt beziehen. Du darfst gerne vO-Weine schlecht finden, hier aber zu unterstellen, es gäbe Promi-Bonus und dabei einfach mal alles zu ignorieren, was hier publiziert wird, finde ich unfreundlich. Und ich habe keine Lust auf die späteren Relativierungen mehr: Weder dass in 30 Minuten viel geredet wird, noch, dass man sich ja nicht alles merken kann, ist eine Rechtfertigung dafür hier so einen Quatsch rumzutrompeten. Auch das nachträgliche Ausweiten auf andere Weingüter mit prominenten Besitzern ändert nichts.

      3. Lieber Felix, ich habe noch einmal über Deinen IAA Vergleich nachgedacht. Für mich sind die trockenen Weine von Weil eher eine Mercedes E Klasse. Da weiß man, was man bekommt und das ist immer solide, aber emotional spricht mich das nicht so an. Daimler stellt auch eine Menge Mercedes E Klassen her. Und Daimler ist bestimmt ein sehr wichtiges Unternehmen. Womit ich zum Punkt „ Wichtigkeit“ komme. Was sind denn Deine Kriterien für „Wichtigkeit“? Das fände ich spannend. Spielt Volumen im Sinne von Menge eine Rolle? Für mich gehört Weil definitiv nicht zu den 10 wichtigsten Weingütern Deutschlands, weil ich das an Qualität im trockenen Weißweinbereich fest mache. Und da wäre meine Top 3 Keller, Dönnhoff und Bürklin-Wolf. Und dann kämen da ziemlich viele andere wie Breuer, Schäfer-Fröhlich, die Doppelnamen aus Rheinhessen, etc.
        Sunny Saturday!

        1. Als Billy Wagner noch im Rutz war, erzählte er mal, wenn hier Amerikaner oder Asiaten mit Interesse an Deutschem Wein reinkommen, dann kennen die vier Güter: Egon Müller, J.J. Prüm, Robert Weil und Gunderloch. Das meinte ich.

        2. Also jetzt noch mal mit etwas mehr Zeit. Du meinst ja wohl eher nicht wichtig, sondern Deine Lieblingsweingüter. Geschenkt, da hat jeder seine eigenen. Was macht ein Weingut wichtig? Also bei den Newcomern kann man das sicher an Keller gut festmachen: internationales Renommée mit den Königshausweinen, der G-Max als Wein, der Preise erzielt, mit denen man im Kanon der internationalen Sammlerweine Einzug halten könnte (noch ist es nicht so weit) und so weiter, auf jeden Fall ein Weg.
          In dieser Newcomer-Liga spielt auchl Gunderloch. Als erstes Weingut überhaupt mit drei aufeinanderfolgenden Jahrgängen des gleichen Weines 100 Punkte im Wine Spectator, was seitdem auch nur noch ein einziges anderes Gut geschafft hat (Petrus). Das galt in der angelsächsischen und asiatischen Weinszene dadurch lange als eines der besten Weingüter der Welt und hat noch heute Bedeutung. Bei Weil ist es zum einen die Tatsache, dass er eine ganz schön lange Zeit die Herkunft des teuersten Weines der Welt war (20.000 D-Mark für eine Auslese in den 90ern), zum anderen die Tradition und Herkunft. Wusstest Du das Wilhelm Weil und Raimund Prüm verwandt sind? Die Entstehung im Zuge der Prümschen Erbteilung (bei der übrigens auch das Weingut Dr. Loosen entstanden ist), hatte viel damit zu tun, dass diese Güter im ersten Viertel des letzten Jahrhunderts zu den wichtigsten der Welt zählten. Auch heute noch spielt das teilweise mit da rein, wie Weils Zugehörigkeit zu einem japanischen Getränkekonzern und Loosens Beteiligung an Mt Saint Michelle, sowie seine Auszeichnung als Decanter Man of the Year (als einziger Deutscher in der Geschichte der Zeitschrift) und und und. Ernie Loosen hat mehr für den Deutschen Riesling getan als alle Doppelnamen zusammen. Ich mag deren trockene Weine auch lieber, aber das hat gar nichts zu bedeuten.

          Der Porsche-Vergleich zielte nicht darauf ab, dass Weil wie Porsche ist, sondern darauf, dass die Tatsache, dass Weil guten Wein macht, so geheim ist wie die Tatsache, dass Porsche schnelle Autos baut oder der Papst katholisch ist. Ob Du ein paar Weil GGs mochtest oder nicht ist in diesem Kontext tatsächlich total egal.

          Hier gibt es noch ein bisschen was zu lesen.
          https://www.schnutentunker.de/weil-graefenberg-altweinprobe/

          1. Spannend, danke für Deine Antwort und den link. Apropos Liebe (Teil einer Überschrift aus dem Altweinprobe Artikel). Ich war gestern Abend bei einer Edel&Faul Pinot Probe und hatte einen Pinot Moment der besonders schönen entrückten Art; es mögen manche befremdlich finden, sich in einen Wein zu verlieben, ich kann es gut verstehen.

  2. @Felix:
    Immerhin hat Christoph Raffelt in seinem Bericht von der Präsentation vor einigen Tagen dem Beurer’schen Pulvermächer GG Berge 94 P gegeben und das bestätigt meinen – deutlich weniger professionellen – Eindruck grade von diesem Weingut, wie professionell und top da gearbeitet wird. Mich würde wirklich interessieren, ob das nach Deinem Gaumen eine Chance hat, sich mit Nahe, Mosel oder Rheingau oder den von Dir genannten Riesling-Benchmarks zu messen (Du liest einen kleinen Wunsch, oder vielleicht auch nur eine Anregung, hieraus …:-) )

    1. Aber darum ging es ja am Anfang, dass ich schrieb: “Und kaufen Sie Württemberg! Es wäre eine schreiende Ungerechtigkeit, wenn deren herausragende Performance schon wieder unbelohnt bliebe.” Beurer, Schnaitmann, Wachtstetter. Punkte vergebe ich bei solchen Kurzproben nicht. Ob das jetzt einem Gräfenberg das Wasser reicht, muss man abwarten. Ausschließen würde ich das aber nicht.

  3. Hallo Markxs, hallo Felix!

    Nochmal kurz zu Württemberg.

    Da ich leider nicht mehr direkt unter die Kommentare antworten kann (gibts da eine maximale Kommentaranzahl?) hier noch ein paar Anmerkungen zu meinem Kommentar über Württemberg:

    Stimmt, war ein wenig am Thema vorbei, aber Felix sprach von Mentalität und eine regionale Mentalität haben ja nicht nur VDP-Mitglieder sondern alle mehr oder minder ausgeprägt alle Menschen in einer Region. Weinblogger schreiben zudem eben auch über nicht-VDP-Winzer und auch von diesen hört man (aus gutem Grund wenig). Zudem habe ich in meinem Beitrag teilweise Weinbauern und WInzer gemeinsam genannt, teilweise aber auch bewusst getrennt, weil ich manches davon auch von Winzern die selbst vinifizieren gehört hatte. Und die Esslinger Neckarhalde ist natürlich kein Kartoffelacker aber eben auch keine Flachlage und es gibt in Württemberg definitiv einige Lagen die Kartoffeläcker sind was ich aus eigener Erfahrung weiß (man wollte mir mal so ein Stück andrehen, konnte mir aber nicht mal sagen welche Rebsorte da wächst).

    “Franken und Rheingau hatten/haben mit Paul Fürst und Wilhelm Weil zwei Köpfe mit internationalem Wirkungskreis, die wohl einfach das Standing hatten, um ihre eher landwirtschaftlich geprägten Kollegen mitzureißen und auch mal ein Ansage zu machen, aber da verfüge ich über keinerlei Insiderwissen.” (Felix)

    Ich weiß nicht ob ich Felix hier richtig verstanden habe aber wenn wir vom VDP oder sagen wir vielleicht mal allgemein von Spitzenwinzern die andere mitreißen können reden, so finde ich kann man die Mosel hier aber nicht in den selben Topf werfen wie Württemberg. An der Mosel gibt es doch einige renommierte Spitzenbetriebe wohingegen mir bei Württemberg außer Grad Neipperg und Graf Adelmann wenigstens spontan keine einfallen. Mit Felix Adelmann habe ich mich anbei mal kurz ausgetauscht und ihn dabei als recht bodenständigen Mann kennengelernt der im Gegensatz zu den genannten Weinbauern oder Kleinwinzern auf dem Teppich geblieben ist.

    Nun gut, hoffe jedenfalls mal nicht zu Off-Topic gewesen zu sein und hier nicht zu viel Chaos produziert zu haben.

    1. Zu Fürst und Weil hätte ich anmerken sollen, dass sie VDP-Regionalvorsitzende waren/sind und als solche in ihren Verbänden eine professionelle Kommunikation installiert haben.

        1. Das ist eine hochinteressante Frage, die mich als Stuttgarter auch umtreibt. Hier gibt es so gute Sachen (Beurer! Haidle! Schnaitmann!) und gefühlt keiner außerhalb des Sprengels kennt es…danke für Eure hochinteressanten Denkanstöße. Eigentlich sollte man das mal den Damen und Herren Winzern zu lesen geben…andererseits: nachdem das hiesige Weindorf grad vorbei ist, ist man auch wieder ernüchtert, wenn man sieht, was der Durchschnittsbesucher dort so trinkt. Man denkt, da werden die Orts- und Lagenweine oder gar GGs ausgeschenkt – von wegen.
          Kein Wunder ist man hier dann vielleicht doch eher qualitativ genügsam – ein Pferd springt nur so hoch, wie es muss, und der Holm liegt hier dann doch niedrig.

          1. Also ich habe auch mal gelesen (Und wenn man sich in der Region umsieht stimmt es wohl auch), dass Württemberg die einzige Region Deutschlands ist, wo Wein unter den alkoholischen Getränken die klare Nummer 1 ist und Trollinger eben das Nationalgetränk. Und wenn ich eben davon schon jede Menge in der Region absetzen kann, an Leute denen das als der tägliche Schoppen genügt, dann kommt nur schwer etwas besseres dabei heraus weil, man muss ja nicht. So gesehen ist dein Vergleich mit dem Pferd doch recht treffend, wie ich finde.

          2. Also Beurers und Haidles Trollinger kenne ich nicht, aber die Latte liegt für die viel höher, weil sie sich im kollegialen Wettstreit mit Weil, Keller und Friedrich Becker befinden. Unsere Ursprungsdiskussion bezog sich ja schon auf die Gebietsbesten. Und dann gibt es noch Talente wie Klopfer, die auch mächtig Gas geben, aber sich mit der Außendarstellung schwer tun. Das ist wirklich eine zweigeteilte Region.

  4. Erst mal ein paar vorab Lorbeeren an Felix: ich habe so ziemlich alles über Wein in meinen Anfängen aus dem Blog und der Webweinschule gelernt…vor allem weil mich das Getue im Bekanntenkreis früher immer aufgeregt hat und ich fachkundig kontern wollte…hat ganz gut geklappt.
    Jetzt aber zum Text oben:
    Ich hab mich vor allem über die Äußerungen bezüglich Württemberg ziemlich gefreut, nicht nur als Bewohner des Bundeslandes. Ich fand schon immer, dass in allen Blogs etc. die Weine extrem zu kurz kommen. An was liegt das eigentlich? Understatement, keine entsprechende Qualität, zu starke Konkurrenz? Jetzt entnehme ich deinen Äußerungen ja eine nicht unerhebliches Lob für die Sachen…und trotzdem tauchen auf deinem Blog und auch im Blindflug solche Weine fast nie auf… Schade.
    Vor allem die Spitze bei den Rieslingen fand ich schon immer echt lohnend und vor allem der Preis….!!! Habe hier in den letzten Jahren fast nur extrem gutes Zeug getrunken, das sich nicht verstecken muss. Aktuell begeistert mich das GG von Markus HEID aus 2017. Wäre vielleicht auch mal was für den Blindflug um die Unterrepräsentation zu beheben.
    Viele Grüße aus BW

    1. Freut mich, dass ich helfen konnte.
      Die Unterrepräsentation und das geringe Interesse liegt vor allem daran, dass der Württemberger VDP quasi nicht existiert. Also Mitglieder gibt es, aber kein gemeinsames Auftreten. Die vielen Blindflug-Weine aus Franken und dem Rheingau und die entsprechenden Geschichten in der Schluck oder im Blog, von Achim von Oetingers Qualitätsverständnis über Daniel Sauers ersten Natural bis hin zu Rudi Mays neuen Holzfässern entstehen vor allem aus dem Dialog. Den pflegen die Franken und Rheingauer sehr unkompliziert. Da geht es auch nicht darum, dass ich (oder andere Weinschreiber) hofiert und eingeladen werden wollen. Meine Fahrten nach Franken und in den Rheingau zahle ich schon noch selbst (die Übernachtung ist meist frei), aber es gibt einen gemeinsamen Auftritt, eine gemeinsame Kommunikation, die mir das Gebiet erklärt, den Kontext herstellt, den ich dann wunderbar in Geschichten umsetzen kann.
      Ich habe auch früher schon Württemberger Weine gelobt – null Feedback. Ich habe auch ein paar gekaufte GGs im Keller, aber ich habe halt keine Geschichte dazu und deswegen kommen die nicht in den Blindflug. Und wenn ich auf einer Verkostung an die Württemberger Stände komme, dann interessieren die sich alle nicht für den Menschen, der da steht (da werden Namensschilder getragen). Eines meiner liebsten Württemberger GGs habe ich mir mal nach einer Verkostung zu besorgen versucht, weil ich was damit machen wollte. Die E-Mail ist nicht beantwortet worden (Weingut behalte ich mal für mich) Das musst Du Dir mal reinfegen… Wer nicht will, der hat schon und dann bin ich halt raus. (Matthias Aldinger ausgenommen, mit dem habe ich letztes Jahr die Sektgeschichte gemacht, um die es auch in der aktuellen Podcast-Episode geht)

      1. Oh je, so was in der Art hatte ich befürchtet. Schade drum. Immer wenn ich in den Weingütern einkaufe, mache ich andere Erfahrungen. Es wird ausführlich erzählt in man bekommt viele Infos. Geht deine Vermutung in die Richtung, dass die es nicht nötig haben? So wie berichtet wird verkaufen die ja auch größtenteils ihre kompletten Jahrgänge so und sehen vielleicht keine Notwendigkeit eines Marketings im überregionalen Bereich…nur mal so vermutet. Wir trinken unser Zeug selber und der Rest ist egal….
        Na ja, dann kann ich ja ewig warten bis das mehr bekannt und geschätzt wird.

        1. Na, wenn Sie es nicht nötig hätten, würden sie den Veranstaltungen komplett fern bleiben. Ich denke, das ist eine Mentalitätsfrage und die Badener und Moselaner sind kaum anders. Franken und Rheingau hatten/haben mit Paul Fürst und Wilhelm Weil zwei Köpfe mit internationalem Wirkungskreis, die wohl einfach das Standing hatten, um ihre eher landwirtschaftlich geprägten Kollegen mitzureißen und auch mal ein Ansage zu machen, aber da verfüge ich über keinerlei Insiderwissen.

        2. Ich bin so frei hier mal meine eigenen Erfahrungen beizusteuern:

          Ich hatte in den letzten Jahren viel mit Württemberger Winzern oder in vielen Fällen eher Weinbauern zu tun und ich muss sagen, meine Erfahrungen sind alles andere als positiv. (Natürlich werde ich nun stark verallgemeinern aber leider traf genau dass, was ich gleich erzählen werde leider meist zu)
          Der Württemberger Winzer/Weinbauer ist jemand, der es sich gerne leicht macht, sich dann aber beschwert, dass der Großhandel die Preise diktiere, man nicht viel für seinen Wein bekomme und sich der Weinbau ja überhaupt nicht mehr lohne.
          Ich habe diese Leute als Menschen kennengelernt, die Ihre Weine gerne auf einen Kartoffelacker stellen, weil man da ja so bequem und effizient mit dem Vollernter durchfahren und große Mengen ernten kann, die man dann (man ist ja natürlich Mitglied) bei der Winzergenossenschaft abliefern kann, weil man so nicht selbst vinifizieren muss, was natürlich Kosten und Arbeit spart.
          Angesprochen auf Steillagenweinbau hört man dann nur, dass sich das ja nicht lohne, da die Menschen ja nicht bereit seien, dass ordentlich monetär zu würdigen. Als ich einen Winzer darauf ansprach, was er wohl glaube, wie seine Kollegen an der Mosel (man denke vor allem an die Untermosel und den Bremmer Calmont) das machen würden bekam ich zu Antwort: „Das wisse er auch nicht.“
          Kurz man baut auf dem Kartoffelacker an, oftmals unkompliziert große Massen, die werden dann in der Genossenschaft zu einem Einheitsbrei zusammengemischt (ja nicht immer), freut sich weil man viel Geld spart und der Aufwand eher gering ist, beschwert sich aber danach, weil die Ersparnis nichts bringt da man für 2,99 bei Aldi landet, kommt aber nicht auf die Idee, dass für die langweilige Einzelhandelsplörre niemand mehr bezahlen will und das eben Aldi und Co seinen Lieferanten auch nicht viel zahlen wolle, wo die ja auch ohnehin bekannt dafür sind hier besonders großzügig zu sein…
          Diese Leute haben sich selbst in einen Teufelskreis begeben und merken es nicht mal. Wenn ich ein Restaurant habe und es kommen keine Gäste, dann kann ich Geld sparen indem ich bei der Deko spare und Papier- statt Stoffservietten verwende. Ich kann aber auch investieren, bessere Zutaten für meine Gerichte kaufen oder aber den Koch rauswerfen und jemanden anstellen, der weiß, was er tut. Beides sind Wege mit dem Problem umzugehen aber nur einer ist der Richtige und man braucht kein Genie sein um zu erkennen welcher.
          Auf all diese Dinge angesprochen (durchaus freundlicher als ich die Probleme hier gerade schildere) bekam ich jedoch nur zu hören, dass ich ja keine Ahnung hätte und derlei Dinge lieber jenen überlassen solle, die das seit Generationen machen. Als ich dann noch entgegnete, dass das nicht nur meine Ansichten seien, sondern man das auch in der Fachliteratur bei Hugh Johnson und Jancis Robinson lesen könne, fragte man mich ernsthaft, wer denn dieser Herr Johnson eigentlich sei.
          Mal ehrlich beratungsresistenter und dabei noch arroganter kann man kaum sein und vom Blick über den Tellerrand hat von jenen auch noch keiner was gehört.
          Ich frage mich wie weit hinterm Mond diese Menschen eigentlich leben können? Man muss wirklich nicht sonderlich aufmerksam sein um mitbekommen zu haben, dass die Menschen schon seit einigen Jahren nicht mehr so viel Alkohol trinken wie früher aber bereit sind mehr Geld für ihn bzw. für bessere Qualitäten auszugeben. Die Craftbeer-Welle, der Whisky- und Gin-Boom sind Paradebeispiele, Rum ist auch gerade im kommen und für hochwertig produzierten Wein, geben auch mehr und mehr Leute gerne ihr Geld aus und das nicht wenig. Wenn man aber glaubt, dass Trollinger das Nonplusultra sei kommt man vermutlich erst gar nicht auf die Idee etwas ändern zu müssen.
          Bevor nun hier aber der Shitstorm losgeht sei noch angemerkt: Auch ich habe Württemberger Wein im Keller (Lemberger kein Trollinger) und habe in der Gegend schon tolle Winzer wie auch tolle Menschen kennengelernt. Aber was ich hier geschrieben habe, sind definitiv keine Übertreibungen, sondern Reaktionen, die ich tatsächlich so bekommen habe und wenn sich da nichts ändert, prognostiziere ich dem Weinbaugebiet, von einzelnen Weingütern einmal abgesehen jedenfalls keine rosige Zukunft und es ist gewiss auch kein Zufall, dass Württemberg trotz seiner Größe im Ausland nahezu unbekannt ist und man allgemein so wenig über die dortigen Weine hört.

          1. Wobei wir ja eigentlich hier über VDP-Betriebe sprachen, die nur sehr wenig Trollinger anbauen und durchaus Qualitätsweinbau betreiben. Und zur Ehrenrettung der anderen: die Zahl der Biobetriebe ist in Württemberg definitiv höher als an Nahe und Mosel. Genossenschftstraubenerzeuger sind ja nicht wirklich Winzer, sondern eben Traubenbauern 😉

          2. Hallo Spirit Alex,
            wie Felix schon sagt verwechselt du da was in der Argumentation. Es ging nicht um den Genossenschaftswinzer der seine Trauben abgibt und nur Trollinger trinkt…sondern um die Wirkung der VDP Betriebe und der Handvoll Winzer die qualitativ in der selben Liga spielen. Hier handelt es sich bei Top Weinen um mangelnde Vermarktung Nation und international. Damit hat der Genossenschaftswinzer nichts zu tun und der trinkt dieses Zeig aus dem eigenen Bundesland auch nicht. Meine Frage ging ja in die Richtung , warum in der Bloggerszene die Weine aus Württemberg so unterbelichtet sind und darauf hat Felix nicht wenige Antworten gegeben.
            Nebenaspekt: ohne die Genossenschaftswinzer würden große Teile der Steillagen und Terrassen weiter verfallen, was sie auch aktuell tun aufgrund eines Generationenwechsels. Ich habe selber von einem 80 -ig jährigen Hobbywinzer fast 10 Ar Riesling Steillage geschenkt bekommen…du könntest hier Flächen ohne Ende bekommen. Viele dieser Lagen haben Topqualität und bewegen sich in der VDP Klassifikation im oberen Bereich. Z. B. In Esslingen die Neckarhalde. Da die aber fast ausschließlich von Genossenschaftswinzern bewirtschaftet wird, kommen eben die entsprechenden Weine dabei heraus. Das schmälert aber nicht die Leistung der „Bauern“ wie du sie nennst und das sind bei weitem keine Kartoffeläcker….
            Gruß

  5. Na ja eigentlich war das Ganze ja mit einem kleinen Augenzwinkern gemeint, was der Smiley ja auch zeigen sollte…

    Was ich mir in den Keller lege, weiß ich auch noch nicht, aber das eine oder andere hast du ja scheinbar doch nicht so schlecht gefunden. Bei Riesling wirds sicher einer vom Karthäuserhof sein, weil die haben mich zuletzt überzeugt, wobei ich auf den 18er noch eine ganze Zeit warten muss, da die ja jetzt erst den 15er verkaufen und bei Pinot muss ich mal sehen.
    Anbei frage ich mich manchmal ohnehin wie du das machst. Ich habe 300 Flaschen im Keller (die von meinen eigenen Flächen mal nicht mitgerechnet), habe aber eben doch “aus jedem Dorf en Köter” wie du mal sagtest, weil ich vielem was abgewinnen kann. Dennoch ist das meiste Port/Madeira und Riesling. Habe aber bei weitem keine durchgängigen Jahrgänge, vor allem nicht von mehrern Erzeugern. Wenn man mal ein paar wenige ältere von Anfang der 2000er Jahre weglässt, sind das ein paar Flaschen 2014er GGs, 2015er GGs und 2017 GGs. Und bei dir bekomme ich immer den Eindruck, entweder hat der Felix bedeutend mehr als 300 Flaschen (und mich hält der Normlo schon für irre wegen 300 Flaschen Wein) im Keller, oder aber 90% davon sind Riesling GGs? Ich hoffe die Frage ist nun nicht irgendwie indiskret aber das würde mich echt mal interessieren (geht natürlich nur um die, die aus privater Liebhaberei vorhanden sind, das vom Gault Millau kann man ja nicht mitrechnen, zudem sagtest du ja auch mal, dass du die meist spendest).

    Was den 19er angeht deckt sich deine Einschätzung ja mit meiner. Man darf gespannt sein. Denke ich fahre die Tage nochmal an die Mosel und schaue nach wie es aktuell aussieht.

    Bis bald!

    Der Alex

    1. Also ich hatte irgendwann mal 1200 Flaschen im Keller und habe mir dann eine große Kaufzurückhaltung auferlegt, bis das auf jetzt vielleicht 600 geschrumpft ist, plus Konterflaschen vom G&M. Das war auch eine Zeit lang sehr rieslinglastig. Ich hatte vom 2007er beispielsweise fast jedes Riesling GG, das damals gefüllt wurde, was mehr als hundert waren. Bei Siegrist oder Müller waren das Einzelflaschen, bei Dönnhoff und Co meistens drei, insgesamt wohl mehr als 200. Ich habe dann festgestellt, dass man das nur ausgetrunken bekommt, wenn man sich einfach mal auf ‘nen Dienstag Abend ein gereiftes GG aufmacht. Das ist aber wie jeden Tag Filet-Steak, entwertet die Weine unnötig. Deswegen habe ich mein Einkaufsverhalten komplett verändert, zudem bin ich geschmacklich im Moment sehr viel trockener unterwegs, was mir die Mosel ein bisschen verleidet hat.

      1. Das ist bei mir ähnlich. Ich habe mir vorgenommen es nicht deutlich über 400 kommen zu lassen. Weil genau das von dir angesprochene Problem habe ich auch. Es stellt sich die Frage: Wann will man das alles trinken. Zudem habe ich keinen wirklich vinophilen Freundeskreis, weshalb ich das den leckeren Stoff primär alleine vernichten muss und man muss ja auch, wie du schon sagtest, echt aufpassen, dass man sich nicht auf ein Level hoch trinkt, ab dem man einen leckeren Schoppen nicht mehr zu schätzen weiß (Das Durchschnittliche gibt der Welt ihren Bestand, das Außergewöhnliche ihren Wert – Oscar Wilde).
        Das mit den Einzelflaschen bis Dreiergruppe erklärt mir auch wie es zu so vielen verschiedenen kommen kann, Habe zwar auch ein paar Einzelflaschen aber eben meist Dreier- oder Sechsergruppen, was automatisch dafür sorgt, dass es nicht so viele Verschiedene Weingüter oder Jahrgänge sein können unabhängig davon, dass es eben auch in der Gesamtzahl weniger Flaschen sind.

        In jedem Fall vielen Dank für die ausführliche Antwort!

  6. Also ob Du und ich, lieber Felix uns nun den Keller doch nicht voll machen, dass weiß ich noch nicht. Denn ich gestehe an der Stelle einfach einmal, dass ich außer von meinem eigenen Weinberg (Weißburgunder) und denen bei denen ich mich anteilsweise beteiligt habe (Riesling), noch keinen 2018er getrunken habe (abgesehen von einem eher unkomplizierten Spätburgunder Rosé, der lecker war aber sicher keinesfalls repräsentativ).
    Habe aber vor einiger Zeit ein Interview gehört, dass dein Kollege Wolfgang Staudt auf einer Messe mit diversen auch zum Teil sehr namhaften deutschen Winzern geführt hat und das deckt sich mit deiner Beschreibung. Einhellig gab man zu Protokoll, dass der Jahrgang 2018 einer der besten überhaupt gewesen sei und man aus den Fehlern des noch heißeren Jahres 2003 gelernt habe.
    Ähnliches habe ich rund um Pünderich, Reil und Traben-Trarbach von mehreren Moselwinzern persönlich gehört, es sei das beste Jahr seit dem Jahrhundertjahrgang 1976 und zudem ein typisches Burgunderjahr.
    Das Winzer nun einmal selbst den eigenen Wein nicht schlecht reden und der Jahrgang 2018 auch nach all den positiven Medienberichten so sehr gelobt wird, muss auch nicht wirklich verwundern.
    Ich bin allerdings ein wenig verwirrt:

    „Das was wir (Sie und ich) in einem großen trockenen Weißwein suchen, ist in den Weinen des Jahrgangs 2018 eher unterrepräsentiert.“
    Denn, da ich dich, deine Podcasts, die WWS und auch deine Beiträge hier nun schon einige Zeit kenne und mich auch an eine hitzige Diskussion zwischen uns über Typizität (die Parker-Rolland-Geschichte) erinnere, fällt mir ein, dass Du mal sagtest, dass es doch eigentlich das Spannende sei die untypischen Vertreter zu suchen und zu finden und gemessen an dieser Aussage müsste der Jahrgang für dich doch großartig gewesen sein (oder du hast durch die Blume sagen wollen, dass man die meisten 18er GGs vergessen kann 😉)?
    Nun ja, überraschend in jedem Fall. Aber, dass du dich mal als der Kemal Atatürk der Weinszene hervortun würdest („Der Magerwahn und die Zuckerphobie gehören auf den Müllhaufen der Geschichte!“) hätte ich wirklich nicht gedacht. Deckt sich übrigens auch mit einer Aussage deines eben schon erwähnten Kollegen Staudt der einst (sinngemäß) schrieb: „Der Deutsche trinkt gerne restsüße Weine, aber trocken muss auf dem Etikett stehen.“ Beide Aussagen, kann ich jedenfalls nur unterschreiben: es ist nicht so als würde ich nicht auch gern gute Trockene trinken, aber gerade bei Riesling liebe ich die Restsüßen doch meist mehr und ich habe definitiv das Gefühl, dass es leider immer noch zum guten Ton zu gehören scheint, alles was trocken ist toll zu finden und alles andere eben nicht, eine Aussage, die wie ich den Eindruck habe oft von Pseudoweinkennern herumgetutet wird (die dann aber vermutlich halbtrockenen Primitivo trinken).
    Denke mir oft, im stillen Kämmerlein wird der Restsüße Wein getrunken und wenn man wen nach seinem Geschmack fragt wird natürlich nur zugegeben man möge trockenen und man muss sich fragen, wer all die anderen dann überhaupt kauft.
    Was übrigens die Frage ob 2018 eher heiß oder doch nur warm war angeht, so kann ich ganz objektiv sagen: 2018 war definitiv warm durchgängig warm aber regenärmer als dieses Jahr und hatte weniger Hitzespitzen. Woher ich das weiß? Dieses Jahr ist mein Weißburgunder (trotz fehlender Entlaubung um mehr Schatten auf die Trauben zu werfen) teilweise am Stock verbrannt, vergangenes Jahr nicht (Angabe gilt natürlich nur für die Mittelmosel).
    Ob nun bei meinen Rebflächen aber 2018 ein sehr gutes Jahr war (und 2019 eines wird), kann ich jedenfalls nicht sagen, denn der Wein meiner Flächen schmeckt mir zwar durchaus und ist wie du zu Recht sagtest auch schon jetzt gut trinkbar, aber ich bin natürlich ebenso befangen wie die Winzer und da ich noch nicht sooo lange Weinbergseigner bin, fehlen mir auf jeden Fall die Vergleichswerte über einen längeren Zeitraum. Ob das Gesöff, was auf meinen Flächen wächst 2018 eben typisch war oder doch irgendwie anders.
    (Irgendwie gerade viel Geschwätz ohne Ergebnis, aber gut, wir werden sehen. Werde mir vermutlich ein paar 18er in den Keller legen und mal schauen wie die so in ein paar Jahren sind)
    Cheerz!

    Alex

    1. Ich bin erstaunt, wie viel Du da hineininterpretierst. Eigentlich sage ich doch ganz deutlich und nicht durch die Blume, dass man die meisten GGs zwar nicht vergessen, aber doch zumindest aus dem Keller lassen kann. Ich werde den Jahrgang tatsächlich auslassen. Untypisch kann spannend sein, aber unspektakulär ist es nicht. Was Deinen Vergleich angeht: ich habe mir fest vorgenommen, weniger über Weinbau zu diskutieren, weil wir uns mehr den Weinen widmen und den Weinbau den Weinbauern überlassen sollten. Aber 2019 hatte Hitzespitzen im Juni, während der Wachstums/Beerenproduktionsphase, 2018 vor allem während der Reifephase im August, der heuer eher entspannt war, zumindest die erste Hälfte. Um das wieviel geht es sicher auch, um das wann aber vielleicht noch mehr.

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