Weingut Hoflößnitz

Ausflugstipp: Hoflößnitz

Ich war im Urlaub, im Elbsandsteingebirge. Und da es ganz ohne Wein nicht geht, musste ein Ausflug nach Radebeul ins Programm. Kaum angekommen brachte meine fünfjährige Tochter das Zitat des Tages: ‚Papa, warum sind wir denn an die Mosel gefahren?‘ Da erkennt jemand eine Steillage, wenn sie sie sieht!

Hoflössnitz Hauptgebäude
Das beeindruckende Arrangement an Gutsgebäuden beherbergt einen Shop, Gastronomie und das Weinbaumuseum.

46 Grad, also über 100% Steigung gibt es in den Weinbergen Radebeuls an den steilsten Stellen zu bestaunen, Terrassen von der Größe einer Badewanne mit drei Rebstöcken drauf – man bekommt eine Ahnung, warum sächsischer Wein vielfach so hochpreisig ist. Radebeul lädt zum Flanieren durch die tollen Villenviertel ein und Radebeul hat das Karl-May-Museum zu bieten. Das sollte jeder, der als Kind mit Kara Ben Nemsi unterwegs war, dem Wein voranstellen. Doch dann bleibt immer noch Zeit für ein wundervolles Mittagessen auf der Terrasse von Hoflößnitz, dem städtischen Weingut, das ich unbedingt empfehlen muss.

Weingut Hoflößnitz – Eine Erlebniswelt

Terrasse Hoflößnitz
Die Terrasse ist von alten Bäumen beschattet am offenen Rand des Hofes gelegen und bietet einen tollen Blick über Radebeul und einen Rebgarten mit historischen Rebsorten

Die von Bäumen überschattete Terrasse, das unfassbar gute Rebstock-Brot zur Winzervesper, solide bis sehr gute Weine, ein Weinbaumuseum auf dem Hof und ein Weingarten mit vor dem Aussterben zu rettender Rebgenetik – auf Hoflößnitz gibt es etwas zu entdecken. Das Bio-Weingut hat einige PiWis im Programm. Wer also noch nie einen Johanniter getrunken hat (die meiner bescheidenen Meinung nach beste pilzwiderstandsfähige Neuzüchtung, die so viel von ihrem Elternteil Riesling mitbekommen hat, dass man manchmal denkt, man hätte einen solchen im Glas), oder wissen will, wie der noch in der Versuchsphase befindliche Cabernet Blanc schmeckt – hier kann er es erkunden und dabei Aussicht und Atmosphäre genießen. Und wer richtig Durst hat, der trinkt die Alltagscuvée von Hoflößnitz.

Hoflößnitz Weinstube
Bei schlechtem Wetter lockt die Weinstube mit einem Dach über dem Kopf

Weinhaus Hoflössnitz (Abf.), Cuvée H (weiß, trocken), 2014, Sachsen. Eine Cuvée aus Weißburgunder und Müller-Thurgau, ist dieser Bio-Wein und wenn das nach ‚Easy Drinking‘ klingt: Jip, genau so isses. Schöne Nase mit leichtem Muskatton, schönes Mundgefühl mit etwas mehr Gewicht als es ein reinsortiger Zech-Müller hat, alles am richtigen Platz, nicht zu viel Zucker, keine weitere Diskussion nötig. Das will man zur Vesper/Jause/Ihrdialekthier auf der Terrasse trinken.

4 Gedanken zu „Ausflugstipp: Hoflößnitz“

  1. Ich fahre nächste Woche in die Gegend und hätte mich über mehr Kritiken aus dem Gebiet gefreut. Was ist mit Drei Herren oder den anderen exzellenten Lagen? Ich dokumentiere. Ich jedenfalls reichlich vor der Reise. Bin gespannt!

    1. Es ist ja nur ein Ausflugstip, wegen der schönen Terrasse. Drei Herren liegt ziemlich in der Stadt, ich weiß nicht, ob die einen Gutsausschank haben. Ich war ja nicht auf Weinreise in Sachsen, sondern zum Entspannen im Elbsandsteingebirge 🙂

  2. Schön, dass Sie es doch noch geschafft haben dort vorbeizuschauen. Eigentlich eine ganz hübsche Ecke. Wir fanden den Souvignier Gris 2014 (neuzugelassene PiWi-Sorte!?, herber mit Birne-Aromen) und den Cabernet Rose 2014 (Cabernet Carbon & Carbernet Cortis, dezente Aromatik) noch sehr angenehm zu trinken.
    Zudem konnte man, wenn man nett fragt, auch vor Ort ein bisschen durchprobieren – das ist leider nicht bei allen Weingütern der Fall.

    schöne Grüße

    1. Ja, Souvignier Gris, wie kommt man auf so einen Namen? Bin gespannt, ob diese ganzen Freiburger Cabernet-Experimente irgendwann die Welt erobern.

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