Vorrundenwein

Der heutige WM-Spieltag brachte eine Reihe bitterer aber auch einen erfreulichen Moment für mich. Da das hier kein Fußballblog ist, spar ich mir mal die bitteren und komme direkt zu dem erfreulichen Moment.

Glen Carlou, Syrah 2004, Wine of Origin, Paarl, Südafrika. In der Nase eine kräftige Kuhstallnote, rote Beeren, Zigarrenkiste, Lavendel, Liebstöckel und einiges mehr – der Wein zeigt in der Nase die Komplexität eines großen Weines, allerdings ohne je ganz harmonisch zu riechen, denn der Stinker spielt immer mit. Am Gaumen ist der Wein alles auf einmal, fruchtig, mineralisch, erdig, mit Spiel, Struktur und Opulenz. Der Reihe nach: Johannisbeere und Pflaume begleiten eine deutliche Lakritznote auf einer von angenehmer Säure spielerisch gestalteten Reise über ein Bett aus Bleistiftspäne, nachdem alle von ein paar noch präsenten aber schon reifen Tanninen abgebremst werden, klingen sie in einem wahrhaft langen Abgang aus. Das ganze spielt alkoholbedingt in wärmeren Gefilden von 14,5%, die aber noch als Nestwärme durchgehen.

Großer Wein, großer Trost.

Herdentrieb

Man muss kein Hellseher sein, um vorherzusagen, dass in deutschen Weinblogs dieses Jahr eine hohe Zahl von südafrikanischen Weinen verkostet, beschrieben und rezensiert werden wird. Die Fußball-WM bringt das Land in aller Munde und Gläser. So könnte sich am Ende ein recht umfassendes Bild der besseren Weine Südafrikas ergeben. Ich werde wenig dazu beitragen können, habe ich doch ungefähr dreieinhalb Weine vom Kap im Keller. Aber meinen nominell ‚besten‘ wollte ich dieses Jahr sowieso antesten. Auch wenn zwei weitere Jahre Flaschenreife dem Wein gut tun werden, war dieser erste Test ein Vergnügen:

Vergelegen, Vergelegen rot, Rotweincuvée, 2001,WO Stellenbosch, Südafrika. Cabernet Sauvignon und Franc sowie Merlot in mir nicht bekannter Zusammensetzung. In der Nase hochkomplex: viel Johannisbeere, etwas Kuhstall, Thymian, Estragon, Holz, nobel und an einen Bordeaux erinnernd statt typisch ‚neue Welt‘ (keine Schokonoten, nichts marmeladiges). Am Gaumen ist der Wein mollig, noch zu jung mit viel Tannin, vollfruchtig mit reichlich Kirsche aber auch ziemlich mineralisch. Er glänzt mit guter Struktur und Länge. Der Alkohol ist erstaunlich gut eingebunden, aber es bleiben 15% und am Gaumen besteht kaum noch Verwechslungsgefahr mit einem Bordeaux. Ein vergleichsweise drahtiger Power-Wein, eher Klitschko als Tyson. 91+ Punkte