Ridge Gutzler

Blindflug 87: G-Max bis der Doctor kommt

Wir versüßen uns das Herbstwetter im Februar mit Rotwein und reden über unsere letzte Rieslingprobe.

Wir hatten das große Vergnügen 32 Rieslinge aus 2019 zu probieren. Einen Probenbericht dazu findet Ihr hier im Blog. Doch der kann natürlich nur einen Teil der Eindrücke schildern. Also nutzen wir diese Podcastepisode um weitere Eindrücke zu ergänzen. Zugegeben, das ist eine Folge ausschließlich für Riesling-Nerds. Nächstes Mal werden wir dann wieder generischer.

Ridge Lytton Springs – Zinfandel gereift

Ridge Lytton Springs 2002

Sascha macht den Anfang und serviert Felix dazu einen Primitivo – fast! Der 2002er Ridge Lytton Springs aus Kalifornien besteht zu 75 Prozent aus der Rebsorte Zinfandel, die identisch mit der italienischen Primitivo (und der kroatischen Crljenak) ist. Im Ridge wird sie noch von Petite Syrah und Carignan begleitet. Der Wein versteckt seine 20 Jahre Reife nicht, kann Felix aber noch sehr gefallen. Das ist ein Wohlfühlwein mit Anspruch, der seinen Höhepunkt erreicht hat und jetzt ausgetrunken werden sollte, aber genau das haben wir nach der Produktion auch gemacht.

Blauer Arbst – Historisches von Gutzler

Gutzler Blauer Arbst

Felix hat gerade erst eine Folge für die Webweinschule produziert, in der es um historische Rebsorten geht. Einer der dort verkosteten Weine ist der Blaue Arbst 2019 vom Weingut Gutzler aus Rheinhessen. Während er im Video noch mit etwas heftigem Tannin auftritt, schmeckt er aus der vier Tage geöffneten Flasche enorm elegant. Die kräftige Säure in Kombination mit einer sehr intensiven Kirschfrucht macht Sascha viel Freude. Das ist ein weiterer Wein, der uns zu großen Schlucken verführt. Da die Flasche aber schon zu mehr als der Hälfte geleert war, werden es nicht mehr viele große Schlucke.

Viel Spaß bei einer neuen Episode unseres Podcasts.

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32 Gedanken zu „Blindflug 87: G-Max bis der Doctor kommt“

  1. Hallo Felix,

    ich wende mich mal an dich mit einer Frage, die mich momentan umtreibt. Aber erstmal ein dickes Lob für die tolle Arbeit im Blindflug. Macht immer wieder Spass. Weiter so! Als Hörer der ersten Stunde habe ich zwar schon eingies über reduktive Noten im Wein gehört aber die Reduktion treibt mich momentan doch um. Wir hatten vor ein paar Wochen Freunde zu Gast und es gab Boeuf Bourguignon. Dazu servierte ich Fürsts Klingenberger 2019, welcher ordentlich reduktive Noten aufwies. Mich stört das nun nicht sonderlich, aber die Freunde am Tisch waren doch etwas irritiert ob der Nase. Beim Verkostungsvideo von Sam Hofschuster hat er diese Noten nicht angesprochen. Andere Fürsts die ich im Glas hatte waren auch nicht so reduktiv in der Nase. Nun kenne ich diese Nase von Weinen von bspw. Betram Baltes und da weiss ich das auch durchaus zu schätzen. Bei Fürst kannte ich das so nicht. Bei Zeters Sauvignon Fume hatte ich die Noten vor einiger Zeit auch recht dominant. In einer anderen Flasche Zeter waren sie für mich nicht riechbar. Jetzt einfach meine Frage: Sind die Weine einfach zu jung geöffnet? Sind die Noten bspw. bei der Verkostung von Sam verflogen weil die Flasche schon länger geöffnet war? Ich bin ein wenig ratlos und hoffe du kannst mir helfen. Beste Grüße, Philipp

    1. Hallo Philip, ja, das kann sich wegbelüften. Wie lange das dauert, kann man vorher kaum sagen. Und wegreifen kann es auch. Flaschenvarianzen sind entsprechend möglich, je älter der Wein ist (wärmer gelagerte reifen evtl. schneller und dann verschwindet das eher). Bei manchen Winzern ist das gewollt und Teil des Stils, manche Winzer vermeiden es und dann passiert es trotzdem bei einem einzelnen Wein mal aus versehen. Vielleicht war das hier der Fall und der Winzer hat es gelassen, weil er darauf vertraut, dass das rechtzeitig wegreift. Den Wein hast Du ja wirklich ziemlich jung geöffnet.

  2. Ich warte schon sehnlichst auf die nächste Folge 🙂 Hoffe, dass es eucht gut geht und nichts schlimmes passiert ist? Danke für euren Podcast und liebe Grüße aus dem Sauerland <3

  3. Kann es sein, dass bei den Bordeaux-Jahrgängen 2013 und 2014 durcheinander gegangen sind? Die Off-Vintages der jüngeren Zeit sind, ziemlich unumstritten, 2013 (Pomerol 84PP) und 2007 (86PP). 2014 dagegen hat immerhin 94PP (https://www.robertparker.com/resources/vintage-chart). Der 2014er Petrus soll laut RP en primeur ungewöhnlich verschlossen aber schön gewesen sein und Flaschenreife verdienen. Dass er laut RP trinkreif auf den Markt käme, konnte ich nicht nachvollziehen, vielleicht habe ich die entsprechende Notiz aber auch einfach nicht gefunden. Mich hat deine Einordnung auf jeden Fall etwas gewundert, da mir mir die Jahrgangsbewertung so nicht bekannt war und ich selbst 2014 sehr schätze, wobei 2016 ganz klar sehr viel besser ist (allgemein, nicht bezogen auf Petrus ;-).

    1. Trinkreif bezog sich auf den 2007er. Ich dachte, das hatte ich auch so gesagt. Muss ich nochmal nachhören. 2014 hat meines Wissens 93 PP. Off-Vintage bezog sich ausschließlich auf Petrus mit der von mir angeführten Einschränkung, dass 2007 der richtige Off-Vintage sei. Aber Du hast recht, 13 hat sogar nur 90 Punkte, der hätte da unbedingt mit reingehört ist mir durchgerutscht. BDX allgemein war nicht Thema.

    2. Ich habe es mir noch mal angehört. Ich sage wörtlich: ‚Als der 2007er auf den Markt kam, hat Parker geschrieben, das war er noch selber..‘ Wie Du da den Eindruck gewinnst, ich redete über den 2014er, ist mir ein bisschen rätselhaft. Da gab es nix zu verhören. Er schrieb tatsächlich ‚The delicious 2007 is the first Petrus in a number of years that can be drunk immediately.‘ Also nicht der erste jemals, sondern der erste seit langer Zeit – geschenkt.

      1. Danke, dass du nochmal nachgehört hast 🙂
        Ich habe den Blindflug zugegebenermaßen beim Kochen gehört und das 2007 wohl überhört. Gleichwohl war das ja eher ein Nebenschauplatz. Mein eigentliches Anliegen war es, die Einordnung des Bordeaux-Jahrgangs 2014 zu korrigieren, da der keineswegs so schlecht ist wie behauptet, was aus dem Parker-Zitat für den 14er Petrus ja trotzdem hervorgeht.

        1. Okay, aber auch das hast Du dann falsch gehört. Ich behaupte gar nicht, dass 2014 schlecht ist. Ich stelle in der gesamten Folge mit keinem einzigen Wort irgendeine Behauptung über irgendeinen Jahrgang aus Bordeaux auf. Ich rede kurz über die Jahrgänge von Petrus, die weniger als 95 PP haben. Das ist nicht mal in der Nähe von dem, was Du gehört hast.

          1. Ich hab es mir nun auch nochmal komplett angehört. Zum 92er sagst Du explizit, dass es ein off-Jahr war und der Wein auch nicht gut. Hier ist es eindeutig. Beim Petrus sprecht ihr halt auch vom Wetter und der Traubenqualität, von daher kann man meines Erachtens durchaus auf die Idee kommen, dass ihr über den Jahrgang allgemein sprecht. Auch „du bekommst vermittelt was die wollen und was die können…dass der Jahrgang jetzt nicht mitgespielt hat…“ deutete in meinen Ohren auf eine Einordnung des gesamten Jahrgangs hin. Das Wetter auf den 11ha von Petrus ist ja nicht anders als bei Gazin neben. Wenn das alles nicht so gemeint war, habe ich euch eben falsch verstanden. Aber egal, ob man nur von Petrus, vom Pomerol oder dem gesamten Bordelais spricht, die schlechten Jahrgänge der letzten zwei Dekaden sind 07 und 13, oder es sind beim Petrus eben drei off-Jahrgänge, wenn man so will:
            Petrus 2007 91-93PP (Lobenberg)
            Petrus 2013 90-93PP (Lobenberg)
            Petrus 2014 93-95PP (klwines)

            1. Kleiner Tipp: wenn die Spanne mehr als zwei Punkte beträgt, handelt es sich bei Parker idR um die Primeur-Note, also eine Einschätzung der Fassmuster aus dem Frühjahr. Händler sind nicht verpflichtet, die tatsächliche (Arrivage)-Note anzugeben, wenn Sie es aber nach 13 Jahren immer noch nicht tun, dann eigentlich nur, weil der Wein abgewertet wurde. Die tatsächlichen Parker-Punkte für die drei Jahrgänge sind wohl 91, 90 und 93 Punkte.

  4. Hallo Felix & Sascha,

    vielen Dank für die spannenden Schilderungen Eurer Verkostung! Die wiederholt positive Schilderung des „Nussberg Weißer Marmor“ von Mayer am Pfarrplatz hat mich nun auch motiviert, mir zwei Flaschen davon zu kaufen (2020er allerdings). Ich fand das Statement zu der Thematik der Auswahl österreichischer Rieslinge für solche Proben sehr spannend und wichtig, ich hatte nämlich auch schon des Öfteren den Eindruck, dass diese häufig uninspiriert und eher unkreativ ist, bzw. von Maßstäben von vor vielen Jahren geprägt. Aber bei uns in Österreich ist es umgekehrt häufig auch nicht so viel besser, meine ich…

    Eine Anmerkung noch (weil das jetzt schon zum zweiten Mal im Podcast Thema war): Wie kommt Ihr auf die 120 Euro als Preis für Molitors *** Riesling-Auslesen (Besprochen bei 27:00 ca.)? Tatsächlich kosten die nicht annähernd 120 Euro. Die Preise ab-Hof sind, je nach Lage, 76, bzw. größtenteils 78 €. Ausnahmen sind Zeltinger Sonnenuhr mit aktuell 89 (letzte Jahre: 85) und eben Erdener Prälat und BK Doctor, die ja dann sehr viel teurer sind. 120 kostet kostet der *** Pinot aus dem Graacher Himmelreich.
    Vielleicht habe ich Euch ja auch missverstanden 😉 Sorry für die lange Ausführung, aber ich dachte, ich merke das hier an, da es ja in der Folge auch Teil einer Argumentation war.

    Viele Grüße,
    Alex

  5. cooler Podcast – das Kommentierte ergänzt das Geschriebene zur Probe sehr gut!

    Aus deiner „Nahe“ Erfahrung – ist es üblich, dass Felseneck jetzt schon zugänglich ist? Ich interpretiere aus deinem Blogbeitrag, dass es jetzt schon gut zu trinken sei. Wenn ich SF höre, höre ich immer „vor 10 Jahre brauchst du das nicht anfassen“. War/Ist ’19 da jetzt ein Ausreißer oder würdest du das das auch auf andere Jahrgänge übertragen?

    Merci und Cheers
    Jan

    1. Ich bin auch so aufgewachsen, dass man S-F lange weglegt und habe mich immer dran gehalten. Das war vielleicht der erste, den ich im dritten Jahr nach der Ernte im Glas hatte. Ich habe in den vergangenen Jahren den Eindruck gewonnen, dass die Weine etwas süßer schmecken, vielleicht macht sie das auch zugänglicher, aber wisen tue ich das nicht.

      1. Das macht Sinn.
        Ich hatte es auch so verstanden, dass kein GG aus dem letzten Loch pfeift. Daraus würde ich mal folgern, dass die meisten das Niveau halten werden und ggf. noch ein paar Punkte draufpacken. Ob aus 90-91 Punkten in 5-10 Jahren 95-96 Punkten werden, wage ich allerdings zu bezweifeln. (Kann natürlich sein, dass ihr keine optimale Flasche hattet). Tagesform kann man ja hier als Faktor ausschließen.

        Ich hab vorgestern auch das Helden GG von Lieser aufgemacht. Gehe mit deinen Notes sehr gut mit. Für mich hatte er tatsächlich einen Touch zu viel Zucker (siehe auch deine Notes), das sollte sich mit Reife aber ausgehen. Ansonsten war die Säure schon sehr stark am Drücker. Fand es etwas disharmonisch- mit Luft wurde es besser.

        Grundsätzlich bin ich mir in letzter Zeit immer unsicherer, ob mir dieses Säure-Süße Spektrum noch so wirklich viel Freude macht.

        1. Also dass die Süße mit der Zeit schwindet, halte ich für nicht mehr haltbar. Das war früher vielleicht so, als es immer nur um Zucker ging. Mittlerweile spielt bei den warmen Jahren aber ja auch das Glycerin und andere Alkohole eine Rolle. Das wird nach meinem Empfinden mit der Zeit eher noch süßer. Und doch, aus 90 Punkten können sogar 100 werden: Wittmann Morstein 2004 😉

          1. Das bestärkt mich noch mehr in meiner Annahme, dass ich dem Riesling GG nicht mehr so positiv gegenüber stehen sollte.

            Gefühlt ist jedes 2. ziemlich weit weg von Groß (deckt sich auch mit deinen Punkten, wenn ich das mal so überschlage) und dann in die Lotterie mit der Reife zu gehen, find ich für den Preis irgendwie nicht so attraktiv.

            Das Helden GG war ja jetzt schon von der Frucht so reif, das wird ja vermutlich dann noch breiter wenn die Säure integriert ist und der Zucker so stehen bleibt. 🙁

            1. Also zwischen 30 und 50 Euro hätte ich jetzt nicht den Anspruch, dass das unbedingt immer 95 Punkte erreichen muss. Welche Region der Welt bietet schon so ein PLV? Mir fällt spontan keine ein.

          2. Ist natürlich Geschmackssache. Ich finde aktuell an der Loire, im Jura oder Chablis eher mein Glück. In Österreich gibt’s auch sehr gute GV oder Rieslinge (Daumen hoch für den weißen Marmor in der Probe).

            Also in der Breite gebe ich dir Recht das DE ein gutes PLV hat. Nur bei den GGs habe ich das Gefühl, dass da das erste G oft nicht passt 😉 kann aber auch daran liegen, dass mich Riesling nicht mehr so packt.

          3. Mmm muss ich demnächst nochmal ran hatte ihn mit 94 in Richtung 95 abgespeichert. Find das für 40€ fair-günstig bepreist (Burgund + Biodyn hin oder her)

            1. Na, wenn das mal kein Schönlügen bei offener Verkostung ist^^
              Im Ernst, 94 ist nicht groß und Du rückst von Deiner ursprünglichen Einstellung ab, denn jetzt misst Du ein PLV gegen das Gebiet. Nennt sich Kontextualisieren…

        2. Da hast du (leider) Recht. Habe es mir schon kurz nach Abschicken des Kommentars gedacht 😛

          Also Ja Deutschland hat generell ein exzellentes PLV. Und das nicht nur bei Rieslingen.

          Das Label GG sollte aus meiner Sicht aber nicht noch weiter verwässert werden. Alleine schon die Tatsache, dass manche Winzer noch ein ‚Super GG‘ machen finde ich komisch. Nach meinem Verständnis soll das GG ja die Spitze des Betriebs darstellen.

    2. Ach was ich noch fragen wollte:
      Sind deine Punkte eine Momentaufnahme oder schlägst du manchmal bisschen was drauf, wenn du das Potential erahnen kannst? (Ist ja bei deiner Erfahrung imo durchaus legitim)

      Cheers
      Jan

      1. Also ich bewerte jetzt nicht das augenblickliche Vergnügen, sondern schon das Gesamtpaket. Wenn ein Wein wenig zeigt, aber ganz deutlich Potential hat und ein dem Reifestadium entsprechendes Bild abgibt, kann man das in der Regel der Notiz entnehmen. Ich bin da nicht besonders kreativ, meist steht dann da ‚Potential pur‘ oder ‚alle Anlagen für eine großartige Entwicklung‘ (ich könnte den Besteckkasten an der Stelle mal erweitern^^).

        1. Merci – Ja man liest das natürlich bei denen VKN immer mal wieder. Wenn du das systematisch so machst, umso besser ✌🏼

  6. Ich fürchte, ich hab den Sinn des Kontextualisieren in einer (eigentlich Blind-) Probe nicht recht verstanden. Geht es darum, vermeintliche Ausreißer zu identifizieren, die nur verschlossen sind und nicht abstinken? Wie verhindert man dann nachträgliches unterbewusstes Schönlügen (no offence) der eigenen Favoriten? Irgendwann früher ging es glaube ich mal um offen nachprobieren und korrigieren bei Weinplus, da musste ich dran denken.

    1. Das Schönlügen kannst Du sowieso nicht verhindern, zur Not schiebt man es in einer Blindprobe dann auf eine ‚schlechte Flasche‘ weil neulich, da hat man den ja viel besser getrunken. Es gibt auch Verkoster, die in so einer Probe allen abweisenden Weinen großes Potential bescheinigen, aus Angst einen großen Wein abzuwatschen (das gibt ja meist ein sozialmediales Echo). Das ist dann auch kontraproduktiv.

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