Blindflug 83: Riesling dekantieren?

Kleine Premiere in dieser Episode: in der Mitte, ab Minute 26, haben wir ml eine Kamera eingeschaltet und ein bisschen gefilmt. Zu sehen gibt es das im Blog und auf YouTube.

Wie hältst Du es mit dem Dekantieren, werde ich immer wieder gefragt Und natürlich gibt es keine zweifelnde oder kritische Veröffentlichung zu einem populären Wein, die nicht binnen Minuten kommentiert wird, der Wein hätte sich bestimmt besser präsentiert, wenn man ihn belüftet hätte. War er belüftet, folgt todsicher der Hinweis, man hätte ihn auf gar keinen Fall belüften dürfen.

Karaffen und Werkzeug – ein paar Tipps

Belüftung ist Ausrede, Hoffnung, ganz viel Belehrung und noch mehr Meinung, also kommt hier mal meine Meinung. und dazu ein kleiner Blick auf meine Ausrüstung. Sascha hat zwischendurch die Videokamera auf meine Karaffen und weiteres Werkzeug gehalten. Das wichtigste Werkzeug bleibt dabei mein Dekantiertrichter mit Siebeinsatz und seitlichen Auslässen. Den gibt es zum Beispiel hier*. Karaffen sind je generell Geschmacksache, da mag ich keine Empfehlungen aussprechen.Yout

Riesling mit viel Luft – Rottland

Balthasar Ress Rottland 2011

Wein trinken wir auch. Felix hat sein Exemplat zehn Stunden belüftet, denn es ist einer jener Rieslinge die auch mit zehn Jahren auf dem Buckel noch zehn Stunden Luft mögen. Der Rüdesheimer Berg Rottland 2011 Riesling trocken vom Weingut Balthasar Ress war dereinst durch die Anerkennungsprobe gefallen und durfte entsprechend nicht als GG auf den Markt kommen. Das macht aber gar nichts. Er ist trotzdem großartig – wenn er denn belüftet wird.

Breuers Bubbles – Barrique und Burgunder

Georg Breuer brut 2008

Sascha bringt Bubbles. Der 2008er Brut vom Weingut Georg Breuer präsentiert sich erst mit ganz viel Sauerkraut in der Nase, was Schlimmes erwarten lässt. Doch erstens schwenkt sich das ein bisschen weg und zweitens ist er am Gaumen edel und zahm. Ein kleiner Gerbstoffhaken lässt Felix an Cava denken, doch der ist wohl dem Grauburgunderanteil geschuldet und vielleicht auch dem Einsatz von ein wenig neuem Holz.

Viel Spaß bei einer neuen Episode unseres Podcasts.

*Affialate Link

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10 Gedanken zu „Blindflug 83: Riesling dekantieren?“

    1. Danke Dir. ‚ich würde niemals eine Flasche kaufen, von der ich weiss, dass sie – auch nur für wenige Tage – im ungeschützten Schaufenster stand‘ oder ‚Die perfekte Kellertemperatur liegt um 12°C’ – echt? wenige Tage? auf gar keinen Fall 11°C? Darf ich das albern finden? Die wichtigste Aussage fehlt sowieso: dass wir immer noch nicht einmal ansatzweise vorausberechnen können, wie sich ein Wein entwickeln wird. Ob sich das Tannin harmonisiert beispielsweise ist schwer zu sagen, weil ‚harmonisieren‘ halt ein sehr unwissenschaftlicher Ausdruck ist. Wie schon im Podcast erklärt: Weinreifung ist der Prozess der Harmonisierung und geschmacklichen Verbesserung. Dekantieren ist das Umfüllen in eine Karaffe. Chemiker sehen beides anders. Die Definitionshoheit liegt hier aber nun mal bei den Weintrinkern und nicht bei den Chemikern. Es sind Leute, die solche Texte mit Begeisterung lesen (und/oder verfassen), die mir dann hinterher erklären ‚Reichsrat von Buhl ist in Forst‘ (Du erinnerst Dich?). Nicht alle, aber leider ziemlich viele.

    2. …ich hab’s nur mal kurz überflogen, aber da steht schon einiges an Quatsch drin, manches sogar hanebüchen offensichtlich wie
      „Bei einer Erwärmung um 10°C steigt der Druck in einer Weinflasche durch die Wärmeausdehnung der Flüssigkeit um einige bar an.“
      Mit ein klein bißchen Kenntnis in Physik erkennt man schnell, daß hier anscheinend nicht gerechnet, sondern einfach eine schmissige Schätzung eingebaut wurde; mit Rechnen kommt man überschlägig auf 0,2 bis 0,3 bar bei 10 Kelvin (Einheit!) Temperaturdifferenz, abhängig vom Gasvolumen unter dem Korken (Flüssigkeitsausdehnung bei einer Eintel ca. 1,1 cm³ [Fehler durch Vernachlässigung des Alkoholanteils etwa 1,3 %], Gasvolumen 4 bis 5 cm³ bei 19 mm lichtem Halsdurchmesser). Wenn’s schon so anfängt, ist der Rest, der m.E. streckenweise auf Mythen bzw. anscheinend selbstgedrehten Axiomen (wo kommen z.B. die ominösen 12 °C optimale Lagertemperatur her, ist das wissenschaftlich belastbar oder auch nur ein kolportierter Wert von irgendwo her?) und weniger auf Fakten beruht, auch nicht viel wert. Just my 2 Euronen…

      1. ja, die bösen Reinzuchthefen, deren Weine früh zerfallen…
        Das mit dem Druck ist besonders ärgerlich, weil der Autor sich ganz offensichtlich nicht einmal selber überprüft. Ab 3 bar Druck braucht’s eine Agraffe, damit der Korken nicht unkontrolliert aus der Flasche flutscht. Ein bar herrscht sowieso, wenn sich der Druck also um ‚mehrere bar‘ ändert, sind das mindestens zwei und der Druck erreichte mindestens drei. Da wäre nach einem Jahr unter geschilderten Bedingungen der Korken aus sämtlichen Flaschen geflutscht. Zehn Grad unterschied hat’s in jedem Tankstellenshop, Kiosk oder Späti. mannmannmann…

    1. Ja, stimmt, der Rottland ist auch nicht durch die GG-, sondern die EG-Probe gefallen. Das aber jetzt auch noch zu erklären, erschien mir zu lang. GG war erst ab 2012 im Rheingau.

      1. …der 11er Schlossberg ist nun auch Geschichte, er zeigte sich ebenfalls mit sehr viel Luft deutlich attraktiver als direkt aus der Flasche. Das war in 2017 und Anfang 2020 noch anders, da ging bereits direkt aus der Flasche die Post ab. Insgesamt geht’s aber seit 2017 mit dem Wein langsam bergab, wenn auch der Gradient aktuell noch recht flach ist…

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