Fettnäpfchenwetthüpfen

Eigentlich wollte ich diese Geschichte verheimlichen, aber die jüngsten Presseberichte zur Freixenet-Übernahme ließen mich umdenken, denn ich verfüge über Insiderwissen, auch wenn ich eher zufällig daran geraten bin… Fettnäpfchenwetthüpfen weiterlesen

Abenteuer in Legoland

Ob ich Interesse an einer Reise ins Ribera del Duero hätte, fragte die PR-Agentur. Pingus sei auch als Reisestation angefragt. Bei allem Interesse an spanischen Weinen, ausgerechnet Ribera del Duero? Also schrieb ich zurück: grundsätzlich ja, ob denn auch das Gegenteil von Pingus im Angebot wäre? Junge Wilde vielleicht? Abenteuer in Legoland weiterlesen

Gut aussehende Verkoster

Immer wieder dreht es sich in diesem Blog um die Frage, was denn nun ein Weinkritiker, Weinkenner oder selbsternannter Weinexperte alles können muss und können kann. Und weil ich einen Artikel gelesen habe, der mir Denkanstöße bot, müssen meine Leser an einer weiteren Etappe meines ewigen Grübelns teilhaben (Sie können diesen Artikel auch überspringen, noch haben Sie die Chance zur Flucht). Glücklicherweise tauchte in dem Artikel auch ein Wein auf, der mich daran erinnerte, dass ich hier dringend noch kürzlich getrunkene Weine besprechen muss. Wer bis zum Ende durchhält, wird deshalb mit zwei semifreakigen Weinempfehlungen belohnt. 
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Jerez & El misterio del Palo Cortado (Weinrallye #83)

Wein in Film und Fernsehen ist das Thema der Weinrallye im Februar und der Zufall wollte es, dass ich letzte Woche im Rahmen des kulinarischen Kinos auf der Berlinale zur Premiere einer Dokumentation über Sherry eingeladen war. Damit kann ich zum Thema beitragen, was ich hiermit tun will. Jerez & El misterio del Palo Cortado (Weinrallye #83) weiterlesen

Schammes für dreifuffzich

Ich war im Urlaub. Deswegen gab es eine Weile keinen neuen Artikel. Ich wollte einmal Pause machen vom Bloggen und den täglichen Social Media Diskussionen. Keine künstliche Askese, ich habe gelegentlich bei Facebook hineingeschaut, die Frequenz war nur sehr bescheiden. Eine Diskussion in meiner Lieblingsfacebookgruppe ,Hauptsache Wein‘ habe ich am Rande mitbekommen: die handelte davon, dass Spaniens Weinwirtschaft in der Krise (vorsichtig ausgedrückt) steckt. Daran musste ich denken, als ich mir Wein kaufte, denn Spanien war mein Aufenthaltsort in diesem Urlaub.

Spaniens Weinwirtschaft wurde Opfer einer kollabierenden Inlandsnachfrage. Das zu diagnostizieren, bedarf es keines Sachverstandes. Man muss nur hinfahren. In diesem Land gibt es viel zu sehen, nur eines nicht: Wein trinkende Einheimische. In den Tapas-Bars von Sevilla oder den Cervecerias von Malaga, der Spanier trinkt mit einer Regelmäßigkeit Bier, dass man meint, sie wollen die im Fußball drohende Entthronung durch die Deutschen damit kontern, uns beim Bierkonsum von der Weltspitze zu verdrängen.

Viel hört man von den Vorteilen, die der Verbraucher aus dieser Krise ziehen kann: spanische Rotweine sind vergleichsweise günstig und oftmals ausgesprochen gut. Die Vielzahl mit branchenfremdem Kapital hochgezüchteter oder neu gegründeter Spitzenweingüter soll zu einem derartigen Überangebot an Klasseweinen geführt haben, dass Schnäppchen an jeder Ecke lauern. Das nützt mir als passioniertem Weißweintrinker sehr wenig. Bei den Weißen ist die Inlandsnachfrage nach Spitzenweinen auf Null gesunken. Trotz mehrfacher Besuche in lokalen Weinhandlungen bin ich einem spanischen Spitzenweißen nicht einmal nahe gekommen. Im Millionärsquartier Sotogrande gibt es einen Supermarkt, der Vega Sicilia Unico in mehreren Jahrgängen führt, dazu seltenste Gran Reserva aus berühmten Häusern – spanischer Weißwein hört dort bei 15€ auf, teureres gibt‘s nur aus dem Burgund. Die gehobenen Weißen zwischen zehn und fünfzehn Euro, die ich in drei Wochen Spanien probierte, konnten mich allesamt nicht begeistern.

Mein UrlaubspricklerEin weißes Schnäppchen ist mir aber noch begegnet: im Supermarkt lachte mich ein Cava an: Champagner-Verfahren, Jahrgang und ohne Dosage. Produzent Jaume Serra ist im absoluten Billigsegment aktiv, seine Jahrgangscavas erreichen aber immerhin gelegentlich zweistellige Regionen. Dieser hier kostete €3,45 – was vermutlich auch der Krise geschuldet ist.

Cabré & Sabaté (Jaume Serra), Brut Nature Vintage, 2009, Spanien. In der Nase typische Düfte von Brioche, Apfel und Zitrus, dazu etwas verbranntest Gummi. Am Gaumen ist der Cava furztrocken und sehr frisch. Zitrusnoten und Buttertoast sind die dominierenden Aromen, mittlere Perlage paart sich mit feinem Spiel. Der sehr lange Abgang ist fein und fruchtig. Das schmeckt nach erheblich mehr als es kostet und macht mir richtig Spass.