Weingut Rings Rotwein

Rote von Rings

Lange habe ich mich nicht mehr so auf eine Weinprobe gefreut, wie jene, zu der ich letzte Woche geladen war: Rote von Rings. Andreas Rings war zu Gast in Berlin und lud am Abend zu einer kommentierten Verkostung mit zünftiger Brotzeit in Anja Schröders Weingeschäft Planet Wein. Ich war dem Winzer vorher noch nicht begegnet, kannte aber einige seiner Weine. Es gibt hier im Blog sogar noch einen uralten Bericht zu einem Merlot ‚Silberkapsel‘ aus dem Jahrgang 2005 – einem Wein, den der grundsympathische Andreas Rings heute wohl gequält lächelnd als Lehrlingswerk oder Jugendsünde bezeichnen würde.

Rings und sein älterer Bruder haben das elterliche Gut vor gut zehn Jahren übernommen, sind aber die erste Generation, die Wein in Flaschen füllt; der Vater produzierte überwiegend Trauben und gelegentlich Fasswein. Erstes Aufsehen erregte ihr Rotwein ‚Das Kreuz‘ – eine an die Weine aus Bordeaux angelehnte Cuvée zu der es mit dem ‚Das kleine Kreuz‘ noch einen Zweitwein gibt. In den vergangenen Jahren mauserte sich das Weingut erst zu einem Geheimtipp und schließlich zu einem der bekanntesten Rotweinerzeuger der Pfalz, wenngleich Riesling und Co. auch zum Repertoir gehören.  Auf Podiumsplätze beim Deutschen Rotweinpreis haben die Brüder in den letzten Jahren ein Abonnement.

Andreas Rings bei einer Weinpräsentation zu erleben ist ein erfrischendes Vergnügen. Viele Winzer haben zumindest in der offiziellen Außenpräsentation von all ihren Weinen eine gleich hohe Meinung, reagieren auf Fragen nach Vorlieben wie eine Mutter auf die Frage, welches ihrer Kinder sie denn lieber habe. Nicht so Rings: beim Verkosten seiner Spätburgunder vergisst er die Menschen um sich herum und konzentriert sich ganz auf den Inhalt seines Glases, spuckt nicht aus und schenkt sich lieber nochmal nach, bei anderen Weinen ist er diszipliniert und ganz der professionelle Winzer bei der Weinpräsentation. Aber dann sagt er Sätze wie ‚Das Kreuz werden wir immer im Programm haben und besondere Sorgfalt darauf verwenden, denn dieser Wein hat unglaublich viel für uns getan‘ – und alle am Tisch verstehen auch ohne Lehrgang im Dechiffrieren diplomatischer Depeschen: ‚Ja, Kreuz ist fein, aber lasst uns doch über Spätburgunder reden‘.

Das bedeutet nicht, dass das Kreuz nicht ein famoser Wein wäre, aber Spätburgunder ist die große Liebe der Brüder. Er habe direkt nach der Schulzeit damit angefangen sein gesamtes nicht zum unmittelbaren Lebensunterhalt benötigtes Geld in Weine zu stecken, bevorzugt solche aus dem Burgund, erzählte Rings. Bei den betrieblichen Mitteln verfahren er und sein Bruder ähnlich. In den letzten Jahren haben sie diverse Spitzenlagen für Spätburgunder zugekauft, darunter eine Parzelle im Kallstadter Saumagen. Huber nennt Andreas Rings sein großes Vorbild was deutschen Weinstil angeht, die Knipsers bewundert er für ihre betrieblichen Abläufe.

Spätburgunder von Rings – reif ist nicht gleich reif

Die Spätburgunder zeigen eine einheitliche Handschrift. Im Mittelpunkt der Weinbergsarbeit steht die optimale Reife – das klingt trivial, meint aber eben nicht das Einfahren möglichst reifer Trauben, sondern die Vermeidung von Überreife. Einige der Spätburgunder hatten beim Alkohol eine 12 vor dem Komma, waren von sehr kräftiger Säure wunderbar strukturiert, wirkten aber durch und durch reif. Der Gutsspätburgunder bietet für 10 Euro ein tolles Preis-Leistungsverhältnis, der erwähnte Saumagen bezeugt, dass in der Lage nicht nur Riesling gedeiht. Allen Weinen gemein ist der moderate Holzeinsatz, überall sind neue und gebrauchte Fässer in vernünftigem Verhältnis im Einsatz.

Und dann war da noch eine Premiere. Rings hatte eine Fassprobe mitgebracht. Die Lage Berntal haben die Rings vor drei Jahren neu mit Spätburgunder bestockt. Der erste Ertrag liegt noch in zwei Fässern (einem neuen und einem gebrauchten), wird in einem Jahr gefüllt und kommt in 18 Monaten in den Verkehr. 300 Flaschen will Rings für den Eigenbedarf behalten, also stehen wohl 250 Flaschen für Kunden zur Verfügung. Und eines war allen klar: um diese Flaschen wird es Hauen und Stechen geben. Was für ein Stoff. Das werde ein Benchmark für deutschen Spätburgunder, fasste Kollege Zwick seine Begeisterung in Worte. Das ist vielleicht etwas hoch gegriffen aber nur etwas. Der Berntal ist ein Spätburgunder, der seine Herkunft zeigt. ‚Ich wachse auf Stein, nicht auf Blumenerde‘ lautet seine Botschaft. Und er übertreibt nicht, die Reben wurden mit Presslufthammer und Spitzhacke gesetzt, nicht mit Schaufel und Spaten. Das ergibt einen Wein mit großartiger Struktur, zurückhaltend in Holzeinsatz und Alkohol, skelettartig und gleichzeitig fruchtig, unendlich tief und lang. An der sofort aufkeimenden Diskussion wie burgundisch der Wein sei, mochte ich mich nicht beteiligen, schließlich gibt es auch im Burgund reichlich Blumenerde. Der Wein ist traumhaft – das reicht doch.

Am Ende des Abend schnappte ich mir eine der wenigen Flaschen, die noch halbvoll waren und machte mich auf gen Heim, wo ich diesen Wein in den nächsten drei Tagen in Ruhe weiterverkostete. Er stand den bereits erwähnten in nichts nach (außer dem singulären Berntal).

Rings SpätburgunderRings, Kallstadter Steinacker, Spätburgunder unfiltriert, 2012, Pfalz. In der Nase Kaffee, etwas Holz, feine Frucht (Himbeere und Kirsche). Am Gaumen mittlerer Körper, spürbare aber sehr feine Säure, wieder etwas Kaffee, Himbeere, nur sehr dezentes Holz, enorm seidiges Tannin und ein wunderbar mineralischer Eindruck. Der Wein zeigt optimale Reife: nichts grünes aber auch keine marmeladige Frucht, dafür große Frische gepaart mit feinsten Gerbstoffen. Der Spätburgunder wirkt tief, hat Länge, ist aber auch einfach zu trinken und macht richtig Spaß. Dabei entsteht der Eindruck, dass der Wein noch erhebliches Lagerpotential hat, denn er zeigt so viel Frucht, dass vermutlich auch in einigen Jahren, wenn Flaschenreife würzige Aromen produziert noch genug Frucht da ist, um dem Wein Balance zu geben. Das Holz ist aber schon jetzt so integriert, dass er mit Belüftung trinkbar ist.

Einen herzlichen Dank an Anja Schröder und Andreas Rings für die Einladung.

Am Nachmittag vor der Probe hatte ich die Möglichkeit, Andreas Rings für die Webweinschule zu interviewen:

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