Weingut Markus Hüls, Kröv (Mosel)

Ausflug an die Mosel (5): Markus Hüls

Den fünften Winzer auf der Agenda meines diesjährigen Moseltrips traf ich nicht in seinem Weingut, sondern in Berlin. Während ich am Fluss urlaubte, war Markus Hüls in meiner Heimat um seine Weine bei einem kommentierten Winzerdinner vorzustellen. Da er noch ein paar Tage in der Hauptstadt weilte, konnten wir uns bei meiner Rückkehr in Anja Schröders Weinhandlung ‚Planet Wein‘ – Drehort der Webweinschule – treffen und seine Kollektion verkosten. Es war eine spannende Begegnung.

Markus Hüls entstammt einer Winzerfamilie, hatte aber zunächst andere Pläne als die Übernahme des elterlichen Gutes. Er lernte einen kaufmännischen Beruf bei einem Industrieunternehmen, bevor er es sich anders überlegte und die Winzerlehre nachschob. Mit Markus Molitor fand er einen Top-Ausbilder. Trotzdem gründete er nach der Lehre erst einen Bewirtschaftungsbetrieb, den er bis heute führt. Mit zehn Mitarbeitern bewirtschaftet er als Lohnunternehmer Weinbergsflächen für diverse Güter an der Mittelmosel. Das elterliche Weingut übernahm er dann eher teilweise, gründete sein eigenes nach ihm benanntes Gut, dass aber Flächen und Produktionsanlagen aus dem elterlichen Betrieb nutzt. Hüls sitzt in Kröv und ist  mit 2,8 Hektar in Letterlay und Steffensberg begütert, wo er Weiß- und Spätburgunder sowie in der Hauptsache Riesling anbaut.

Die Philosophie seines Weingutes ist schnell erklärt. Im Weinberg profitiert er davon, dass er die Truppe aus dem eigenen Lohnunternehmen einsetzen kann, wann immer im Auftragsbuch eine Lücke klafft. Auch hat er im Notfall sehr schnellen Zugriff auf Gerätschaften und Personal. Also versucht er den Aufwand hoch zu halten, auch wenn seine derzeitigen Weinpreise das noch nicht vollständig wieder einspielen können. Im Keller setzt er auf längere Maischestandzeit und langes Hefelager. Das macht er mit jedem Wein, denn er will eine Markus-Hüls-Stilistik, die sich durch die ganze Kollektion zieht. Mein Eindruck war, dass ein wenig Flexibilität hilfreich wäre, denn während er trotz dieser eher auf vollen Körper abzielenden Weinbereitung einen faszinierend typischen, stahligen fruchtsüßen Moselkabinett vorlegt, empfand ich den Weißburgunder ob der Fülle etwas schwierig – er wirkte wie ein leptosomer Body-Builder, der die Statur nicht hat um alle Muskeln harmonisch anzuordnen. Der Weißburgunder war aber der einzige Wein, der mich nicht glücklich machen konnte.

Hüls Riesling – mit Zuckerampel und Qualitätssymbolen

Hüls SchieferspielAuch wenn Hüls postuliert, er wolle den Wein in den Mittelpunkt seines Tuns stellen und nicht das Marketing, ist die Darstellung von Weingut und Produkt ausgesprochen durchdacht. Er arbeitet mit einer neunteiligen Süßeskala und dreistufigen Qualitätsangabe (Guts-, Terroir- und Lagenwein) auf den Etiketten, das Design ist sehr modern, die Texte auf seiner Homepage folgen dem aktuellen Trend und singen vor allem das Lied von der Geduld und dem kontrollierten Nichtstun. Doch er füllt die Philosophie mit Leben: im schwierigen Jahr 2013 füllte er keine Lagenweine, weil das Material seinen Ansprüchen für diesen Weintypus nicht genügte. In der Verkostung kam er sehr authentisch rüber.

Hüls ist selbstbewusst. Er hat eine klare Vorstellung, wie seine Weine sein sollen und wo er mit seinem Gut hin will: an die Spitze mindestens seiner Ecke der Mosel. Ich wage die Prognose, dass er für seinen selbstbewussten Vortrag noch einiges an Anfeindungen ertragen müssen wird. Menschen, die mit offenem Visier kämpfen, gelten hierzulande häufig als arrogant. Es ist auch leicht, den mit Blick auf die Zukunft formulierten Anspruch mit süffisanten Bemerkungen über den Ist-Zustand ins Lächerliche zu ziehen. Ich mag da nicht mitmachen, denn erstens erinnerte mich meine Begegnung mit Hüls an meinen ersten Besuch auf dem Weingut Van Volxem vor bald zehn Jahren. Da stand auch ein Winzer vor mir, der gerade seinen zweiten oder dritten Jahrgang gefüllt hatte, der schon sehr gut aber meilenweit vom eigenen Anspruch entfernt war. Auch Roman Niewodniczanski machte sich mit seiner Herangehensweise nicht nur Freunde. Und dann gibt es da noch den schon erwähnten Markus Molitor. Hüls’ Lehrherr gehört auch nicht gerade zu den kleinen Egos der Mittelmosel. Sich dessen Attitüde zu eigen zu machen, ist vermutlich nicht die schlechteste Strategie, wenn man ein erstklassiges Weingut aufbauen will.

Und um es deutlich zu sagen: ich empfand den Winzer als angenehmen Verkostungspartner. Er tut nicht so, als wäre er schon angekommen. Er weiß um die Probleme, die er zu überwinden hat und spricht sie offen an. Letterlay und Steffensberg sind keine berühmten Lagen, sie sind sogar eigentlich eine Gemarkung, beides Devon-Schiefer mit sehr ähnlicher Ausrichtung. Da ist kaum unterscheidbare Charakteristik herauszuarbeiten. Sollten ihm keine Zukäufe ein Stück flussaufwärts gelingen, wird Markus Hüls kaum der nächste Markus Molitor. Ihn, sein Weingut und seine Weine über die nächsten Jahre zu begleiten wird aber sicherlich sehr viel Spaß machen.

Riesling Schieferspiel, Markus HülsMarkus Hüls, Riesling Schieferspiel, 2013, Mosel. (Maischestandzeit, Hefelager und der Jahrgang: Ich öffnete den Wein, probierte und stellte ihn sofort wieder in den Kühlschrank, denn er braucht Luft, viel Luft. Am fünften Tag machte er den größten Spaß und auf diesen Tag beziehen sich meine Notizen.) Frische Nase, duftig blumig, wie man es eher aus anderen Ecken als der Mittelmosel kennt, dazu etwas Aprikose und Aloe Vera. Am Gaumen siegt der Jahrgang derzeit über die Herkunft: 2013 ist für mich das Grapefruit-Jahr – egal woher die Weine kommen, im Moment zeigen unendlich viele Rieslineg Grapefruit-Aromen. Aber der Schieferspiel ist vielschichtig-fruchtig: Orange, Apfel und etwas Aprikose tauchen auch noch auf. Im Mund viel Schmelz trotz kräftiger Säure, schöne Mineralik/Phenolik, feine Süße, die mit der Säure und der Phenolik ein sehr schönes Spiel bietet. Trotzdem ist das alles noch sehr jung und vermittelt den Eindruck, in drei Jahren geht’s mit diesem Wein erst richtig los. Etwas wärmer als kühlschrankkalt ist er auch jetzt ein großes Vergnügen aber alles andere als ein Schmeichler, dazu hat er im Abgang zu viel Gerbstoff. Schöne Länge, die sehr von Mineralik/Phenolik und Hefe getragen wird.

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