Prinz von Preußen Michelmark Netto

Erste Lage Netto

Netto kooperiert mit der Familie Lergenmüller und stellt sich einen Riesling ins Regal, der die richtigen Google-Suchwörter auf dem Etikett trägt. Trinken kann man ihn auch.

Muster von Netto gehören zu den Dingen, die man sich eher nicht wünscht, wenn der DHL-Bote mal wieder Wein anschleppt, obwohl doch gerade gar keine offenen Bestellungen ausstehen. Zwei Flaschen kamen letzte Woche, dazu ein fröhliches Anschreiben von ‚Stefanie vom Team von Netto Marken-Discount‘: Ab dem 20. März führe Netto online und in ausgesuchten Filialen ‚einen neuen Lieblingstropfen, den Administration Prinz von Preussen Erbacher Michelmark Riesling Erste Lage 2016 – und das zu einem spektakulären Verkaufspreis von 6,99 Euro.‘ Dazu gab es noch ein paar Begleitinformationen über die ‚Weinmanufaktur Administration Prinz von Preußen‘ die angeblich seit 1855 ‚Trauben aus ca. 16 ha Weinbergen des mittleren Rheingaus keltert‘.

Wein im Discounter – Schnappatmung

Eigentlich dachte ich, das sei keine Meldung, weil der Nachrichtenwert schlicht nicht ausreicht. Doch schon am nächsten Tag fand ich Diskussionen auf Facebook, die den Schluss nahelegen, dass sich Wein für viele immer noch sofort in Essig verwandelt, wenn er mit gutem Marketing in Berührung kommt. Und von Marketing handelt diese Geschichte. Die Administration Prinz von Preußen ist vermutlich das vinophile Äquivalent einer Briefkastenfirma, was überhaupt nicht despektierlich gemeint ist. Sie firmiert als Kellerei und kann entsprechend Weine füllen, zur Qualitätsweinprüfung anstellen etc., ohne dass sie im engeren Sinne ein Weingut darstellt oder eigene Produktionsanlagen benötigt. Der Firmensitz ist denn auch die Hauptstraße 41 in Erbach, wo sich das Weingut und Hotel Schloss Reinhartshausen befindet. Beide Wein-Unternehmungen gehören der Familie Lergenmüller, die auch das gleichnamige Weingut in der Pfalz betreiben (das Hotel hat einen anderen Besitzer). Diese Dopplung, einerseits Weingut, andererseits Kellerei gibt es bei hunderten anderer Deutscher Weingüter, häufig aber mit viel größeren Ähnlichkeiten, die vermutlich auch die Verwechslung fördern sollen. So gibt es beispielsweise am Sitz des Weingutes Markus Molitor auch die Weinmanufaktur Markus Molitor, die sich sogar Kapsel und Vorderetikett mit dem Weingut teilt, obwohl letztere auch eher belanglose Müller-Thurgau-Cuvées im Programm hat. Insofern finde ich das Konstrukt Weingut Schloss Reinhartshausen/Kellerei Prinz von Preußen vorbildlich transparent.

Etiketten-SEO

Allerdings haben sich die Pfälzer Preußen aus dem hessischen Rheingau einen kleinen Kniff ausgedacht, um doch noch ein bisschen Rufausbeute betreiben zu können. Das Vorderetikett des Michelmark ziert der Hinweis ‚Aus unserer Ersten Lage‘. Wer nicht weiß, was das heißt, der googelt heutzutage. Und egal ob der ratlose Konsument nun Erste Lage pur oder mit dem Namen Michelmark googelt, er erhält eine gut strukturierte Lehrstunde online, was für einen bedeutenden Wein er da in Händen hält. Die stammt freilich vom VDP. Zur Sicherheit trägt die Flasche noch einen Anhänger, der das Prinzip ganz einfach erklärt: ‚Je enger die Herkunft eines Weines gefasst ist, desto höher seine Qualität‘ – kommt Ihnen bekannt vor? Die Angabe ‚aus unseren ersten Lage‘ ist übrigens erlaubt: markenrechtlich geschützt ist nur die Bezeichnung ‚VDP.Erste Lage‘, weinrechtlich die Bezeichnung ‚Erstes Gewächs‘. Zugutehalten sollte man Netto und seinem Lieferanten, dass die Michelmark tatsächlich beides ist, eine VDP.Erste Lage und für die Produktion von ersten Gewächsen zugelassen.

Ich hatte den Wein gerade gekühlt, da kam Kollege Paul und brachte mir ein Exemplar der Schluck vorbei. Er musste natürlich gleich blind probieren. Schöner Zechwein war sein Kurzurteil. Ich hatte mehr Zeit.

Erste Lage NeckhangerAdministration Prinz von Preußen (Abfüller), Erbacher Michelmark Riesling trocken, 2016, Rheingau. In der Nase noch sehr jung, leicht dropsige Apfel-, Aprikosen- und Gummibärchenaromen, sortentypisch und angenehm. Am Gaumen zeigt der Wein eine spürbare Säure, der eine süße Frucht und dienende Restsüße gegenüber stehen. Das ist noch nicht perfekt integriert, ein bisschen süß-sauer aber durchaus lecker. Strukturell eher mittelgewichtig, ginge der Wein bei berühmteren Erzeugern wohl als Guts- oder Ortswein durch. 12% Alkohol wirken abrundend. Im langen Abgang zeigt sich eine leichte grünlich-bittere Note, die das Vergnügen etwas eintrübt, aber insgesamt ist das ein sehr ordentlicher Wein, der Menschen, für die 6,99 Euro viel Geld für eine Flasche Wein ist, nicht enttäuschen wird.

Die Trauben für den Wein stammen übrigens mit ziemlicher Sicherheit aus eigener Ernte, da Schloss Reinhartshausen in der Michelmark begütert ist, neben Heinz Nikolai und den VDP-Weingütern Jung, Oetinger und Knyphausen. Und auch hier hilft Google bei der – zugegeben spekulativen – Frage, wie diese denn in früheren Jahren verwendet wurden. Es gibt noch Restbestände eines 2015er Riesling Erste Lage Erbacher Michelmark – Edition Eckart Witzigmann  von Schloss Reinhartshausen bei Amazon für schlanke 15 Euro.

Das Gerücht, die Gletscherkrone-Produkte von Aldi seien in Wirklichkeit gleichwertige Überproduktion von Schneekoppe, ist nicht totzukriegen – obwohl Schneekoppe nur noch 14 Mitarbeiter hat. Zeit für eine neue Urban Legend: der Netto-Prinz von Preußen ist in Wirklichkeit Eckart Witzigmann.

18 Gedanken zu „Erste Lage Netto“

  1. Endlich ist es heute so weit, auch für Normalsterbliche nichtbloggende (Was habe ich da für qualitative Unterschiede zwischen den Weinblogs entdeckt, als ich der Spur dieses Rieslings im Netz gefolgt bin!) Weinfreunde ist er nun für 6,99 Euro erhältlich, der „Administration Prinz von Preussen Erbacher Michelmark Riesling erste Lage“. Im aktuellen Nettoprospekt erhält der Wein eine ganze Seite, auf der gegenüberliegenden Seite ist dann alles Käse. Auf einem kleinen Foto sind „Master-Sommelier Frank Kämmer und unser Einkäufer Markus Walker bei der Verkostung“ zu sehen. Sie stehen vor dekorativen Holzfässern und vertiefen sich in ihre Gläser. Beachtenswert der abgespreizte kleine Finger des offenbar linkshändigen Netto-Wein-Einkäufers. Und der „Master-Sommelier“ vergibt für diesen Wein 89 Kämmer-Punkte und vier Trauben auf goldenem Grund für „herausragende Qualitäten für den gehobenen Anspruch“. „Adel verpflichtet“ nämlich. Das man Preussen mit „ss“ statt „ß“ schreibt mag daran liegen, dass andernfalls der echte Adel protestieren würde.
    Die Netto-Filiale, die ich am Mittag kurz aufsuchen konnte, hat 12 Flaschen geliefert bekommen. Sollte das für sämtliche gut 4000 Filialen gelten, dann sind fast 50.000 Flaschen dieses Rieslings „aus dieser erstklassigen Lage“ , die „zu den besten Lagen Deutschlands, vor allem für den Riesling“ zählt, unterwegs. Dass diese Lage 53 ha groß ist, dort allein also fast fünfmal mehr Fläche unter Reben steht als beim aktuellen Gault-Millau Winzer des Jahres, mag die Dimensionen etwas verdeutlichen: Dieser Riesling ist keine Rarität aus einer kleinen Spitzenlage. Drei Flaschen waren um 12.00 Uhr schon verkauft, vielleicht an die Anzugträger der nahe liegenden Sparkassenfiliale, die ihrer Liebsten eine Freude machen wollen?

    Ja, ich konnte mir nicht verkneifen, die vierte Flasche mitzunehmen. So funktioniert also virales Marketing. Ich habe mich anstecken lassen! (Kann ich den Kassenbon zur Erstattung einreichen, da ich doch auch so viel über diesen Wein geschrieben habe?) Jedenfalls helfe auch ich mit, 40.000 Liter Rheingauer-Riesling aus der Erbacher Michelmark zu verbrauchen. Ob der Riesling tatsächlich im Holzfass ausgebaut wurde, wie hier suggeriert aber nicht behauptet wird, ob er tatsächlich „mit der nötigen Reifezeit versehen“ ist, ob es sich tatsächlich um einen „Spitzen-Riesling“ handelt, dieses und noch viel mehr werde ich demnächst vielleicht herausschmecken können.

    1. Ausgewählte Filialen hieß es, was vermutlich heißt, dass er in Marzahn eher nicht angeboten wird. 53 Hektar ist doch keine Größe, das Piesporter Goldtröpfchen hat 66 und ist eine Große Lage, nicht bloß eine erste. Der Ihringer Winklerberg hat sogar 117 Hektar.

  2. Bei Netto in Marzahn ist der Wein auch zu bekommen. Auf Netto-Online kann man die Angebote / Prospekte für jede einzelne Filiale aufrufen.

    Dass es noch größere Lagen gibt macht es ja nicht besser sondern dokumentiert ja nur die Fehlentwicklung der deutschen Weingesetzgebung in den 1970iger Jahren.

    1. Na, das ist polemisch, denn erstens sind nicht alle Lagen vor ’71 winzig gewesen und zweitens gibt es auf der Welt etliche ‚Lagen‘ die noch größer sind. Lafite sind auch mal eben 100 Hektar und 30-40 davon wandern in den Erstwein. Und dann gibt es berühmte Lagen viel kleinerer Dimension, die in sich mehrere ganz verschiedene Bodentypen etc. beherbergen und keinen Menschen stört’s.

      1. Für mich sind die Bordeauxs viel eher Marken- als Einzellagenweine. Zudem handelt es sich in der Regel um Rebsortencuvees. So sind sie mit einem deutschen Einzellagenriesling nur schwer zu vergleichen. Bei dem Erbacher Michelmark Riesling, um den es auf Facebook bereits jetzt total still geworden ist, nennt man die Lage doch nur deshalb, weil sie ein Marketinginstrument ist („je kleiner die Herkunft desto besser“) und nicht, weil man die Eigenschaften der Michelmark gegenüber anderen Herkünften auf die Flasche bringen wollte. Als Ortswein wäre er doch okay gewesen, nur dann hätte man vielleicht nicht 6,99 Euro nehmen können. Warum eigentlich nicht?

        In der Tat gibt es deutlich kleinere Lagen, die in sich verschiedene Bodentypen, Himmelsrichtungen etc. beherbergen. Und nicht wenige Winzer sind dabei, gerade diese Eigenschaften auf die Flasche zu bringen. Zur Identifikation benutzen sie dann alte Flurnamen oder die alten Einzellagennamen, die in den 1970iger Jahren in den großen Einzellagen untergegangen sind.
        Das ist dann ein anderes Konzept und man kann damit nicht die Fläche eine Discounters bedienen. Mich stört an dem Netto-Wein, dass hier aus Marketinggründen versucht wird, beide Konzepte (Einzellagenwein aus individueller Spitzenherkunft und große Menge) zu vermischen und dem Verbraucher das eben nicht mitzuteilen. Damit macht man genau das, was das Weingesetz der 70iger Jahre intendiert hat. Dass dabei kein schlechter Wein herauskommen muss, davon kann ich mich ja demnächst noch überzeugen lassen.

        1. Sorry, nicht alles glauben, was die Winzer so an Marketinggedöns von sich geben und dann gleichzeitig das Marketinggedöns von Netto verteufeln. Erstens: 50.000 Flaschen ist eine winzige Menge, keine Riesenmenge. Zweitens, dass mit den alten Parzellen ist ein einziges Marketingblabla, denn die alten Parzellen hatten überhaupt nichts mit der Geologie der Weinberge zu tun, auch 1971 hat sich niemand um Geologie gekümmert. Das ist ein Phänomen der letzten Jahre. Auch heute ist es noch völlig unklar, was mehr Einfluss hat: wenn innerhalb einer Quarzit-Lage auf einmal in einer Flur ein bisschen Ton auftaucht oder der Boden gleich bleibt, aber eine Wasserader die Bedingungen verändert. Der Forster Pechstein war schon immer nach einem Grabenbruch benannt, an dem vulkanisches Gestein zu Tage tritt und er war schon immer 5 Hektar größer als der ganze Grabenbruch und schon immer nicht Deckungsgleich und die alten Parzellen hatten nichts mit dem Grabenbruch zu tun. Der Piesporter Domherr ist die Parzelle im Goldtröpfchen, die der Kirche gehörten (und mitnichten ‚das Filetstück‘) und wo wir gerade an der Mosel sind, mehr als die Hälfte der alten Parzellen ist durch Flurbereinigung im wahrsten Sinne des Wortes dem Erdboden (und dem Rest der Lage) gleich gemacht. Das erzählen einem die Winzer lieber nicht, weil dann die ganze Story als das implodiert, was sie ist: Marketinggedöns.
          P.S: Du wirfst Netto vor: ’nennt man die Lage doch nur deshalb, weil sie ein Marketinginstrument ist‘ – was meinst Du denn, warum die Winzer die Lage auf ihr Etikett schreiben?

  3. Clemens Busch produziert mehrere GGs aus der Pündericher Marienburg, Heymann-Löwenstein mehrere aus dem Winninger Uhlen. Alles nur Marketing? Ich schmecke Unterschiede. Wäre jeweils ein Wein, der die Weine aus den Teillagen zusammenfasst, der bessere weil komplettere Wein? Martin Korrell geht an der Nahe diesen Weg mit seinem Riesling von den grossen (!) Lagen. „Aus unseren vier Spitzenlagen wird ein Riesling.“ Kann man so machen, ich als hoffnungsloser Romantiker freue mich aber, wenn ich am Fuße der Weinlage stehe, aus der „mein“ Riesling kommt. Dort erkenne ich dann manchmal in trockenen Sommern auch unterschiedliche Wasserführung im Hang. Und das soll keinen Einfluss auf Trauben und Wein haben, dass die Wasserversorgung eine unterschiedliche ist? Und die Trauben aus dem oberen kühleren Teil der Lage schmecken gleich wie die Trauben vom Hangfuß? Und es ist gleichgültig, ob die Trauben aus dem südwärts gerichteten Teil der Marienburg stammen oder aus dem ostwärts gerichteten Teil? Vom dem flachen Teil auf der anderen Moselseite ganz zu schweigen. Den mit ins Fass zu packen bedeutet sicher mehr Masse ebenso sicher aber nicht mehr Klasse.
    Nein, dass unterschiedliche Parzellen innerhalb einer Lage stets „Marketinggedöns“ sein soll, das sich im Glas nicht nachvollziehen lässt, das kann ich nicht nachvollziehen.

    1. Das habe ich aber gar nicht geschrieben, dass die Temperatur im Hang keinen Einfluss auf den Wein hat etc.
      Dass die geschmacklichen Unterschiede der Weine den historischen Parzellen zuzuschreiben sind, genauer den geographischen Eigenschaften der Parzellen, und dass der Grund für die Parzellierung genau diese waren – das ist in der Regel reines Marketing Bla Bla. Die Parzellen entstammen meist Besitzverhältnissen. Die meisten Winzer, die ich kenne, machen ihre besten Weine aus den Rebanlagen, die die besten Trauben liefern und das hat ganz oft mit dem Rebalter zu tun. Außerdem werden diese Rebanlagen das ganze Jahr mit erhöhtem Aufwand bearbeitet.
      Echt, Du siehst die Wasserführung? Ich glaube ja eher, Du siehst das Rebalter, die Unterstockbearbeitung und die Laubarbeit. Und was die Unterschiede angeht: keine zwei Tanks des gleichen Ausgangsmaterial schmecken gleich. So groß ist der Einfluss des Gärverlaufs. Löwenstein holt seine drei GGs aus drei sehr unterschiedlichen Rebanlagen, die aber auch mit unterschiedlich alten Reben bepflanzt sind und zu unterschiedlichen Zeitpunkten gelesen werden, dann in unterschiedlich großen Gebinden vergoren und unterschiedlich lang auf der Feinhefe liegen. Er könnte die Weine auch 80 N.N. 120 N.N. und 160 N.N. nennen, davon ausgehend, dass es vielleicht die Höhe der Terrassen ist, die Tatsächlich die Geschmacksunterschiede ausmachen oder 30, 60, 90 für das Alter der Reben oder erster, zweiter, dritter für die Reihenfolge der Lese. Aber er nennt sie R, L und B und sagt, das ist der Boden und das seien die historischen Lagen-Namen, wobei bei letzterem gerne mal ein paar Grenzen verschoben werden, kann ja kaum jemand kontrollieren. Und dann sind diese Lagennamen eben vor allem ein Marketing-Instrument. Anders als Du finde ich gutes Marketing allerdings wunderbar, wie meiner Geschichte hoffentlich zu entnehmen ist, wie hoffentlich jeder Geschichte in diesem Blog zu entnehmen ist.

      Zur weiteren Lektüre empfehle ich diese beiden Geschichten:
      http://www.schnutentunker.de/traubensammler/
      http://www.schnutentunker.de/wurzelwerk/
      Da sind nun also einige der besten und bekanntesten Winzer am Zweifeln und Suchen und geben ganz offen zu, dass eigentlich niemand nichts weiß. Da gestatte ich mir dann einfach mal mir deren Position zu eigen zu machen 😉

  4. Zu guter Letzt habe ich den Wein nun im Glas:

    In der Nase Eisbonbon, das mit Belüftung verfliegt, darunter gelbe Früchte, etwas Orange, recht schöne Nase, passt zur Farbe des Etiketts, ein Schwung Kohlensäure, zunächst zurückhaltende später zu deutliche Süße, Säure etwas ungeschliffen, ihr fehlt auch die Spitze (ja, ich trinke gerne Rieslinge mit hoher Säure und weniger Restzucker), alles etwas nebeneinander, dazu am Gaumen und im Abgang herb-bittere grüne Noten.
    Ein mittelgewichtiger Basisriesling, ein kürzlich getrunkener Aldi-Mosel-Riesling aus dem Friedrich-Wilhelm-Gymnasium war deutlich flacher und einen Euro billiger. Da bevorzuge ich den Netto-Riesling.
    Ich würde dem Wein zutrauen, sich auf der Flasche zu harmonisieren, habe nur Bedenken, dass das Bittere zu aufdringlich werden könnte. Ich werde das aber nicht mitverfolgen können, da ich mir keine zweite Flasche in den Keller legen werde.

    Ich bleibe bei meiner grundsätzlichen auf Facebook geäußerten Einschätzung, dass ich für denselben Preis bei zahlreichen Winzern gleiche oder bessere Qualität erhalten kann. Da bleibt dann ein erheblicher Teil des Geldes beim Winzer direkt und landet nicht im Discounthandel und bei Marketingexperten etc..

    Wer als Winzer aber größere Mengen im Keller hat, die nicht ganz ins sonstige Portfolio passen kann ja mal mit Netto Kontakt aufnehmen. 40.000 Liter bringen die in ihren Filialen unter!

    1. Er ist immerhin günstiger als der günstigste VDP-Wein. Um vergleichbare Qualität für weniger Geld zu bekommen, muss man sich auskennen, sehr gut auskennen sogar. Und man muss eine erhebliche Menge kaufen und dann lagern, damit das Porto den Flaschenpreis nicht doch über 7 Euro hebt. Für Otto Normal ist das ganz schön schwer, mehr Riesling ins Glas für weniger Geld zu bekommen. Da meine Lieferanten mittlerweile auch alle bei 6,5 Euro (plus Porto) angekommen sind, freue ich mich über Tipps.

  5. Weingut Carl Koch in Oppenheim – Riesling »Weg und Wiese« 2015, PARKER / Stephan Reinhardt: 90 PP, für 6,20 ab Hof (dort leider ausverkauft).

    Bio-Riesling aus einer Fläche die deutlich kleiner ist als die Erbacher Mittelmark, Punkte für die, die diese brauchen, ..

    Der Mittelrhein hält sogar Lagenrieslinge in dieser Qualität und Preisklasse bereit, man muss halt suchen. Da das aber mein Hobby ist, ist das Spaß und keine Last.

    1. Also eine Cuvée aus den verschiedenen Lagen des Weinguts, die zwischen 28 und 90 Hektar groß sind, mithin von halb bis doppelt so groß wie die Michelmark. Die Fläche für den Netto-Prinz ist übrigens auch deutlich kleiner als die Michelmark, das hat aber nichts mit der Güte der Lage oder des Weines zu tun, wie überhaupt Deine Fixierung auf Hektarzahlen noch nicht von Argumenten untermauert ist. Und dann ein Preis, der inklusive Porto erst auf 7 Euro kommt, wenn ich mindestens 12 Flaschen bestelle. Das ist genau KEIN Beispiel für das, was Du anführen wolltest, und das, obwohl es doch Dein Hobby ist, solche Weine aufzuspüren. Du verstehst schon, warum ich das ein bisschen enttäuschend finde, oder?

      1. Mir geht es um Individualität der Herkunft. Und diese ist bei dem oben genannten Wein sicher weit mehr gegeben als bei dem Netto-Riesling. Ich denke nicht, dass ich begründen muss, weshalb ich den Netto-Riesling nicht kaufe, ich suche nach wie vor den Grund, diesen zu kaufen. Die Werbung macht es nicht, eine 53ha große Einzellage macht es auch nicht, 89 Kämmer-Punkte auch nicht.
        Und die Qualität ist nicht schlecht, aber sie gibt mir keinen Kaufanreiz für eine weitere Flasche.

        Die Flächen für den Weg&Wiese aus dem Weingut Carl Koch sind übrigens auch deutlich kleiner als die Michelmark. Mir geht es auch nicht um die Fläche der Lage insgesamt (bestockte oder auch die unbestockte Fläche?) sondern um die Fläche, aus der der Wein dieser konkreten Flasche kommen kann. Die Michelmark ist keine homogene Fläche mit qualitativ identischen Parzellen. Und der Netto-Prinz kann, weil keine Erzeugerabfüllung, auch eine Erzeuger-Cuvee aus ganz unterschiedlichen Parzellen aus diesen 53 ha sein.

        Mal abgesehen davon, dass ich für Weine gerne auch mehr ausgebe:

        Im Weingut Carl Koch aus 2015: Oppenheimer Gutleuthaus „Unser Hausgarten“ Riesling halbtrocken für 6,50 Euro. Oder Dienheimer Tafelstein Silvaner Spätlese trocken für 6,50 Euro.

        Kleiner als Gutleuthaus geht in Oppenheim nicht, beide Weine schmecken mir besser als der Netto-Prinz. (Für wenig mehr gibt es dort auch noch bessere Qualität.)

        Und wo bitte ist das Problem, dass bei Bestellung von 12 Flaschen der Preis bei 6,70 oder 7 Euro liegt?
        Wer nur eine Flasche Wein im Jahr trinkt, der soll gerne beim Discounter kaufen, wenn es auf den Cent ankommt. Wer aber Verwendung für 12 Flaschen im Jahr hat, der ist mit dem 12er Karton vom Winzer besser beraten.

        Eine feinherbe Riesling Spätlese aus dem Steeger St. Jost am Mittelrhein ist für 6,03 Euro im 12er Versandkarton zu erwerben. Und nein, die Quelle poste ich hier nicht, denn die ist im Internet schneller zu finden als die nächste Netto-Filiale.

        Ich gönne wirklich jedem seinen Discounter-Wein, aber dass man, wenn man „nur“ 6,99 Euro je Flasche ausgeben kann, aus qualitativen Gründen bei deutschem Wein zum Discounter laufen muss, das halte ich für ein Märchen. Und der Netto-Prinz ist alles aber kein Märchenprinz.

        1. Das ist eine Aneinanderreihung von Klischees: „der Netto-Prinz kann, weil keine Erzeugerabfüllung, auch eine Erzeuger-Cuvee aus ganz unterschiedlichen Parzellen aus diesen 53 ha sein“ Ja und? Die anderen begüterten stehen im Text, alles Spitzenwinzer. Wenn deren Trauben da mit rein gewandert wären, wäre das großartig, ist aber vollkommen unwahrscheinlich. Ich darf übrigens auch auf eine Erzeugerabfüllung „Abfüller“ schreiben, nur andersrum ist verboten. Und Weg&Wiese wird auch eine Parzellen-Cuvee sein, was denn sonst?
          Und noch mal: Je kleiner die Lage, desto besser ist der Wein, ist Dein Mantra – ohne ein einziges Argument. Das ist Winzerlatein. Zumal Du darauf bestehst, dass 50 Hektar riesig sind, weil Du das halt so findest. Eine Meinung, mehr nicht. Die Michelmark ist inhomogen. Eine Behauptung, mehr nicht. Keine Herkunft weil…warum noch mal? Der Discounter ist doch nur der Vertriebsweg, was ist denn bitte ein Discounter-Wein? Jeder Wein, der mal beim Discounter gehandelt wurde? d’Yquem bei Lidl – Discounterwein? Ich finde das großartig, dass Du mit so viel Engagement bei der Sache bist und dass Dir die Weine von Carl Koch gut gefallen. Die Tatsache, dass er noch nicht die Preise für seine Weine kriegt, die er gerne hätte, können aber kein Maßstab sein. Und ein paar Argumente täten der weiteren Diskussion ganz gut, denn Deine Gefühlslage habe ich jetzt verstanden.

          1. Kein Unterschied zwischen d’Yquem beim Discounter und einem ausschließlich für einen Discounter gemachtem Wein? Das willst Du wohl nicht sagen, oder?
            Das Argument, je kleiner die Lage, desto besser der Wein, stammt doch vom Netto-Prinzen selbst. Und da sage ich, dass ich 53 ha nicht klein finde und dass man so einen Wein ehrlicher als Ortswein vermarkten sollte, da ich einen irgendwie ausgeprägten Michelmark-Charakter nicht entdecken kann, wie auch.

          2. Ja wie auch? Wieviel Michelmark hast Du denn bisher getrunken? Und das Argument ist: je genauer/enger die Herkunft gefasst und bezeichnet ist, desto besser der Wein, nicht je weniger Hektar eine Lage hat, desto besser ist sie. Das ist Deine Interpretation und Behauptung. Und der Wein wird jedes Jahr anders vermarktet, letztes Jahr als Edition Witzigmann. Ich bezweifle, dass er auch jedes Jahr anders gemacht wird, zumal sie sich ja an den Hektarhöchstertrag des VDP gehalten haben. Insofern, nein, das will ich nicht sagen, ich habe Dich gefragt, ob Du das sagen willst, denn ich halte es bei beiden Weinen für ungerechtfertigt.

  6. Je kleiner die Lage, desto genauer ist die Herkunft gefasst. Scheint mir logisch. Genaueste aber unsinnige Herkunft: ein einzelner Rebstock.

    Wilhelm Weil hat recht, wenn er sagt, dass man bei größerer Fläche mehr Möglichkeiten zur Selektion hat. Betriebswirtschaftlich ist das sicher sinnvoll, und ich kenne Weine von sehr kleinen Weingütern, denen man leider abschmeckt, dass zu wenig selektiert wurde, da man sich Verlust an Menge kaum leisten kann.
    Weils Gutsriesling kostet allerdings keine 6,99 Euro sondern etwa das Doppelte und er trägt keinen Lagennamen.
    Wie bereits gesagt sehe ich den Netto-Prinz auf dem Niveau eines (nicht mehr als durchschnittlichen) Gutsrieslings, der keine Lagebezeichnung benötigt, weil die Lagenbezeichnung hier keinerlei Informationsgehalt hinsichtlich der Beschaffenheit (Qualität) des Weines liefert.
    Für seinen Preis finde ich zudem Weine genauer gefasster Herkünfte und mindestens ebenbürtiger Qualität.

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