TBA und Tannat

Blindflug 22: Meinungsvielfalt und Tannat aus Tirol

Wie kann es sein, dass der gleiche Wein völlig verschiedene Kritiken von zwei vermeintlichen Profis erhält? Und warum mag Sascha keinen Naturwein, könnte aber Eimerweise PetNat schlürfen?

Felix schenkt einen Wein ein, der gerade erst von einem Kritiker 100 Punkte bekommen hat. Er selbst hat den Wein letztes Jahr auch sehr gut, allerdings etwas weniger euphorisch bewertet. Kann das sein? Und wer liegt richtig? Bei der Bockenauer Felseneck Riesling Trockenbeerenauslese Goldkapsel Versteigerungswein aus 2017 von Schäfer-Fröhlich wird das erst die Zeit zeigen. Viel wichtiger im Kontext dieses Podcasts ist aber, dass dieser wunderbare Wein gar keine Punkte braucht, um Sascha glücklich zu machen.

Beim Tannat aus Tirol, Alois Lageders Casón Hirschprunn 2014, der zugegeben nicht ganz reinsortig ist, denkt Felix sofort an Italien, allerdings nicht eine Sekunde an Tannat. Es ist die schöne, kirschige Nase, die die Fährte legt. Beim Aufdecken muss Felix dann erkennen, dass er Tannat noch nie so zugänglich im Glas hatte. Sascha ist voreingenommen, verbindet er mit Lageder doch traumhafte Urlaubserinnerung. Auch ohne solche gilt: Dieser harmonische Wein ist eine wahre Bereicherung der Weinwelt.

Viel Spaß bei der neuen Episode unseres Wein-Podcasts.

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8 Gedanken zu „Blindflug 22: Meinungsvielfalt und Tannat aus Tirol“

  1. Danke euch allen für die Tipps! Da sind einige dabei, die ich noch nicht kannte. Champagne Characters war der kleine Laden aus dem Glockenbach, den ich erwähnt hatte. Ich werde mich mal durcharbeiten und dann berichten.. 🙋🏼‍♂️

  2. Bin ja schon ein bisschen stolz, dass ich es in den Blindflug geschafft habe (wenn auch anonym und erst in Folge 22 😁) Das Internet hat halt viel Auswahl, wie in allen Bereichen. Aber bei Anja in Berlin war der Einkauf deutlich informativer und netter, das stimmt. Berlin scheint nach euren Aussagen ja wirklich viele und gute Händler zu haben. Hier in München ist das leider nicht so. Die Regale sind voll mit rot in allen Variationen: Italien, Spanien, Übersee. Weiß gibt es dann in der Ecke und höchstens aus Frankreich. Es gab im Glockenbachviertel mal einen kleinen Champagnerladen, der beratend wirklich sehr gut war. Allerdings ist der nach einem Jahr wieder verschwunden. Kompetent in deutsch und weiß ist schwierig. Falls also jemand einen Tipp für mich hat..

    1. 225 Liter; LES AMIS DU VIN für französische Weine; Bergwein für Südtiroler; Vintage Selection für deutsche Weine; Origin für Naturwein (!); einfachweinkaufen und Geißels für alles mögliche. In München gibt es schon ein paar Anlaufstellen =)

  3. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich jetzt in die Nesseln setze:

    Mal ganz ehrlich ob ein Wein nun 89 oder 94 Punkte hat macht für mich keinen großen Unterschied, zumal ich die Sinnhaftigkeit dieser 100-Punkte-Skalen ohnehin anzweifle, da ich mich immer wieder frage welchen Sinn es macht eine 100-Punkte-Skala zu haben, wenn diese eigentlich nie (vielleicht bekomme ich das auch nicht mit) ausgeschöpft wird und man eigentlich nichts von Weinen unter 70 Punkten zu lesen bekommt, bzw. auch eine solche Bewertung schon ein vernichtendes Urteil darstellt, obwohl nach unten ja eben noch 70 Punkte Luft sind. Wäre ich ein Weinkritiker und könnte mir meine Skala frei wählen glaube ich würden mir 10 Punkte in 0,5er-Schritten abgestuft ausreichen. Ich würde wirklich einmal wissen wollen wie mir jemand erklären will warum er oder sie dem einen Wein wegen mir 93 und dem anderen 95 Punkte gegeben hat ohne das die geforderte Erklärung weitgehend an den Haaren herbeigezogen wäre.

    Ansonsten kann ich über Kritikerurteile nur sagen, dass so große Differenzen ja nichts Neues sind und auch die Bekanntesten schon weit auseinander lagen. Die Bewertung von Chateau Pavie 2003 durch Parker (96/100) und Robinson (12/20) ist nur ein Beispiel und ich meine gelesen zu haben, dass ein österreichischer Kritiker einem Wein mal 100 Punkte gab und später in einer Blindverkostung nur noch 80 Punkte für den selben Wein übrig hatte. Alles persönlicher Geschmack oder wie in letzterem Fall auch Tagesform. Ist mir übrigens selbst schon so gegangen. Für meine wenig vinophile Verwandtschaft hatte ich zu meinem letzten Runden Geburtstag unter anderem ein paar Flaschen Dornfelder gekauft, da ich nicht die größten Schätze aus meinem Keller für Leute die “mal nen Wein trinken” ausgraben wollte. Nun kam es so, dass vom eingekauften Dornfelder ein paar Flaschen übrig blieben, die auch irgendwann getrunken werden mussten (glaube eine ist sogar noch da) und die ich dann entsprechend nach und nach selbst ihrer Bestimmung zugeführt habe. Nun bin ich aber weit davon entfernt ein Dornfelderfan zu sein, grottig fand ich die Flaschen zwar nicht aber eben auch nichts besonderes. Eines Abends habe ich jedoch eine Flasche davon geöffnet (alle Flaschen waren der selbe Wein) und ich dachte mir ich könnte an diesem Abend keinen besseren Wein trinken als diesen Dornfelder. Die Flasche hat mir warum auch immer so extrem gut geschmeckt und ich kann mir das absolut nicht erklären, schön war es dennoch.

    Ansonsten muss ich einfach noch sagen: Wie immer eine Freude Euch beiden zuzuhören!

    1. Danke für die Blumen. Das 100er System ist dem amerikanischen Schulsystem entliehen und beginnt, warum auch immer, mit 50 Punkten als Äquivalent unserer 6. Ab 76 Punkten beginnen die trinkbaren Weine, insofern nicht so weit entfernt von Deiner persönlichen Präferenz. Es gibt dann noch Unterschiede zwischen verschiedenen Publikationen, die irgendwann mal Thema im Podcast werden. Das mit den 100 und 80 vom selben Kritiker wird auch mal Thema sein, es waren aber glaube ich 100 und 88 und der Kritiker ist absolut freizusprechen 😉
      Das mit dem Dornfelder könnte ich ja verstehen, wenn es sich nicht um Dornfelder handelte^^. Dass einem manchmal Weine gigantisch schmecken, die nach Papierform gewöhnlich sind, kenne ich sehr gut.

      1. Hehe, ich bin in jedem Fall gespannt, ob sich das Wein-Wow-Erlebnis mit der letzten verbliebenen Flasche Dornfelder nochmal wiederholen lässt, oder ob der dann wieder so belanglos ist, wie alle davor. Man kann nur sagen: Es bleibt spannend…

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