Wiesbaden GG

GG-Vorpremiere Wiesbaden 2026, Tag 2

Montags geht es traditionell mit Riesling los. Die Mosel ruft. Ich bin gespannt.

Ich habe gestern Abend noch ein paar fehlende Pfälzer Spätburgunder nachgetragen. Hier geht es zu Tag 1. Die aus Baden und Württemberg werde ich dann heute hier noch beschreiben, wie auch die Lemberger, doch jetzt erst mal

Riesling

Mosel

2025, wenn nicht anders angegeben

Leicht blumige Nase und dann Kreide zum Frühstück! Hell, Zitrus und grüner Apfel, feine Säure und viel feine, kreidig schmirgelnde Phenolik. Straff, macht wacher als der Kaffee vorhin. So will ich die Verkostung beginnen. Danke schön, Forstmeister Geltz-Zilliken für diesen schönen Rausch. Alles drin und dran – auf unspektakuläre Art wunderbar ist der Geisberg von Van Volxem. Vollfruchtige, minimal malzige Nase, satte, leicht rauchige Aromatik: Der Saarfeilser von Peter Lauer ist ein eher dunkler Vertreter, der ganz viel Tiefe zeigt.

Leicht würzige Nase mit mürber Frucht, am Gaumen saftiger Apfel und etwas Kräuterwürze, saftig-schmelzige Textur, die dann von reifer Säure und feiner Phenolik aufgefressen wird. Wird immer steiniger. Van Volxems Scharzhofberger ist genau mein Beuteschema. Klassische Rieslingnase beim Domherr von Reichsgraf von Kesselstadt. Sehr saftiger Antrunk und dann wird es zackig, speicheltreibend, kräüterwürzig und bleibt dabei immer leicht schmeichelnd. Wunderbar.

Die leicht rauchig-malzige Anmutung in der Nase und am Gaumen des Niederberg Helden von Schloss Lieser finde ich angenehm, weil der Wein sehr trocken wirkt. Zugegeben, das lässt ihn schwer erscheinen, aber schwer ist ja nicht immer schlecht. Die Säure stimmt, Tiefe deutet sich an. Sehr gut. Dr. Loosens Johannisbrünnchen finde ich heller in der Nase, regelrecht blumig (wäre da nicht die kleine Reduktion), am Gaumen hell und straff, in diesem Flight ein schöner Kontrast. Auch sehr gut. Dr. Hermanns Treppchen ist von der Hefe geprägt, Wolldecke im Mund, darunter liegt Grapefruit, sehr viel helle, feine Phenolik, bissige Säure, wahnsinnig schöne Anlagen. Geben wir ihm drei Jahre, dann probieren wir noch mal ausführlich und überlegen, ob er nur fünf oder vielleicht doch zehn JAhre Reife braucht. Supervielversprechend.

Der Marienburg Rothenpfad von Clemens Busch hütet ein kleines dunkelwürziges Geheimnis, das man ihm entlocken möchte, weswegen man vermutlich aus Versehen die ganze Flasche austrinkt. Hinter das Geheimnis ist man danach zwar nicht gekommen, aber man ist sehr glücklich. Ein Kleinod. Der Stolzenberg von Heymann-Löwenstein ist dunkelwürzig, fast schon torfig, die Frucht ist üppig, die Süße verführerisch. Und weil da so viel feinste Phenolik und eine sehr reif anmutende Säure alles im Zaum hält, ohne den dunklen, monolithischen Charakter zu zerstören, rufe ich laut Halleluja! Jetzt gucken mich 140 Kollegen irritiert an, aber manchmal muss ein Mann tun, was ein Mann tun muss.

Klassisch fruchtiger Start bei Knebels Röttgen und dann übernimmt der dunkle Stein. Das ist nicht ganz Halleluja aber mindestens ein kleines ‚Danke lieber Gott, dass Du Weine manchmal so schmecken lässt‘. Die Länge ist atemberaubend. Beim 24er Layet von Nik Weis (St. Urbans Hof) ist alles drin und dran (ad&d) auf eine enorm harmonische Art.

Den Abschluss an der Mosel bildet ein schöner Flight mit fünf 2024ern von Geheimrat J. Wegeler. Alle interessant, nicht alle jetzt voll zu greifen, aber der Doctor! Oh, das hat Substanz, flüssiges Potenzial, kompakt am Gaumen, wunderbare Säure, leicht verschlossen, Hammer. Und der Graben: Gleiches Bild eine Nummer kleiner, immer noch stark, ist ein kleiner Doctor. Und die Wehlener Sonnenuhr klingt auf so einem hellen Frucht-Phenolik-Spiel aus, das ich mir an der Mosel viel häufiger wünschen würde. Halle…(Schluss mit dem Geblödel, das mit dem Aufschrei war geflunkert. Aber manchmal danke ich, was wohl passieren würde, wenn ich diesen lang gehegten Traum in die Tat umsetzte). Ein anderer Traum wäre etwas mehr Konstanz an der Mosel oder vielleicht sogar eine einheitliche Idee, was ein trockenes Mosel-GG darstellen soll. Dann würde ich vermutlich tatsächlich Halleluja rufen.

Rheingau

Zunächst die 25er.

Recht typische Nase mit einer Spur Malz beim Berg Roseneck von Kesseler. Auch am Gaumen etwas dunkler, tief, dann sehr griffig. Gute Länge. Ein Strukturwein. Spannend. Leicht würzige Nase bei der Jungfer von Prinz, aber ohne jede Schwere. Der Gaumen ist von süßer Frucht dominiert, wirkt aber nicht zuckrig. Dann wird’s ein bisschen rauchig. Schön. Beim Gräfenberg von Weil ist noch (etwas zu viel) bunte Frucht und darunter strahlt die Säure und die kreidige Phenolik, die jetzt schon im sehr langen Abgang zubeißt. Großes Potenzial und toller Wein. Elegante Rieslingnase beim Kirchenstück von Domdechant Werner. Auch am Gaumen schon viel Eleganz, weil die Frucht zwar süß und reif ist, aber nicht dick aufträgt. Eher leise, tänzelnd, aber noch nicht voll da. Ebenfalls viel Potenzial und toller Wein.

Blind würde ich ja sagen, der letzte 24er ist ein Marcobrunn, aber weder Ö noch Künstler sind hier. Spannend, dunkelwürzig, von schmerzhafter Konzentration, steiniger Tiefe und ewiger Länge. Ein großer Wurf. Es ist der Nonnberg Vier Morgen von Flick.

Dann die 24er

Mir ist nach Wetten zumute. Ich wette: Vor einem Jahr war beim Berg Rottland von Wegeler mehr Babyspeck und der ist jetzt fast ganz abgeschmolzen. Die Frucht ist immer noch sehr präsent, aber nur ein ganz bisschen propper. Die Säure ist gut integriert, aber dominant, was sehr schön wirkt, weil die Phenolik eher verhalten daher kommt. Fein, hell, auf dem Weg zur Tanzfläche und ich wette, da bekommen wir dann richtig was zu sehen. Etwas kürzer darf ich mich beim Morschberg aus gleichem Hause fassen: Frucht plus Ecken plus Kanten plus schmirgelnde Länge ist gleich Bodmanns Beuteschema.

Aromatisch leicht verschlossen, strukturell enorm spannend (weil spannungsreich). Müsste man mal länger verkosten (mmm), weil ich glaube, dass mein Urteil dann sehr positiv ausfiele: Schloss Johannisberg. Etwas Kräuterwürze und gerade eben reife Aprikose in der Nase des Doosberg von Kühn. Kühle Anmutung am Gaumen, viel Zug und Länge. I love it. Diefenhardts Langenberg ist dann wieder ein optimistisches ‚mmm‘: Wild, unruhig, unterm Hefeschleier, viel Substanz anzeigend, reichlich Säure.

Ich fand die Ausbeute im Rheingau sehr ordentlich. Und jetzt Mittagspause.

Nahe

2025, wenn nicht anders angegeben

Das este Frühlingsplätzchen ist auch blind als Schäfer-Fröhlich (S-F) erkennbar 😉 Aber die Reduktion ist nicht dramatisch. Süße Frucht, Aprikose und reifer Apfel, packende Säure, eher körperreich, aber das passt zum kräftigen Zug. Im Moment fehlt mir Komplexität, aber die Substanz reicht für längere Reife und dann wird das besonders schön. Gleiche Lage von Emrich-Schönleber (E-S): Helle, fruchtige Nase, gelbfruchtiger Gaumen, der schon jetzt eine feine Kräuterwürze zeigt, wirkt auch ein bisschen warm, die Säure reif, etwas kompakter und eleganter, aber das ist eine Momentaufnahme. Zwei schöne Frühlingsplätzchen. Beim Halenberg sehe ich es eher andersherum. Bei E-S leicht rauchige Nase, am Gaumen ist die Frucht straffer, nicht so ausladend, die Säure minimal grüner, aber das wirkt einfach etwas klarer, ist nicht anstrengend. Mittellang, etwas belegt im Abgang, das gibt Abzüge in der B-Note für einen sehr guten Wein. S-F finde ich etwas typischer, rauchiger, leicht malzig, aber nicht überreif, fantastische Säure, fächert aromatisch würzig nach hinten auf. Extrem lang, großer Wein. Klassisch straffer Riesling mit enormer Substanz, viel feine Phenolik, in der Länge fantastische, reife Säure. Kein Leichtgewicht, aber ein besonders guter Wein: Felseneck von S-F. Und dann der Stromberg aus gleichem Hause: Die Frucht geht in Richtung Grapefruit und das Gerüst ist dunkel. Das spielt noch ein bisschen mehr mit den Kontrasten als der Halenberg. Schlusspunkt eines tollen Flights

Sehr blumige Nase (mit Minihauch flüchtiger Säure?), der Gaumen ist direkt und strahlend. Ich mag diese Betonung der Klarheit im Stil des Weingutes Dr. Crusius und ich finde den Felsenberg auch ausreichend trocken, um mir mächtig Spaß zu machen. Im Abgang passiert eine Menge. Auch die Kupfergrube aus gleichem Hause finde ich stark. Wieder blumige Nase, saftiger Antrunk, viel feine Säure, die die süße Frucht gut umspielt. Leicht kräutrige Nase mit reifer Aprikose beim Rotenberg von Gut Hermannsberg. Der Gaumen ist eher vollmundig und dabei trotzdem leicht, die Aromatik warm und doch nicht mollig, die Säure passt perfekt, die Länge ist top und der Wein ein Juwel.

Riesling ist die fruchtigste Rebsorte der Welt und 2025 ein besonders fruchtiger Jahrgang. Da wird man beim Verkosten dann irgendwann allergisch gegen das kleinste Zuckerschwänzchen (teils schmecken auch furztrockene Weine aktuell ziemlich süß). Die Nahe hat dieses Jahr viel feine Frucht zu bieten und ich bin mir sicher, dass ich dem einen oder anderen Wein hier heute Unrecht tue, deswegen ist die Ausbeute nur mittelgroß. Die würzige Nase und leicht mürbe Frucht bei Joh. Bapt. Schäfers Goldloch ist eine willkommene Abwechslung, auch weil der Wein sehr trocken wirkt. Allerdings sind wir auch ein bisschen malzig und üppig unterwegs. Mag ich trotzdem sehr.

Zum Schluss kommen drei grandiose Weine von Diel aus 2024, die sehr gut illustrieren, wo der Unterschied im Jahrgang liegt. Typische, harmonische Nase beim Pittermännchen, mittlerer Körper, mittlerer Fruchtdruck, sehr gut eingebundene Säure, verschlankt sich nach hinten auf sehr attraktive Art und bietet tolle Länge mit feiner heller Würze. Das Goldloch ist Riesling vom Stoppelfeld! Love it. Und weil das nur Podcasthörer verstehen: Der Wein wirkt trocken und karg wie ein Spaziergang über ein frisch abgeerntetes Weizenfeld im Hochsommer, spannend, kräutrig, verhalten fruchtig und enorm intensiv. Schließlich noch der Burgberg: Viel Säurebiss und etwas Kreide, die Frucht vom Plüsch befreit, viel verhaltener als bei den 25ern und wieder Länge und Zug und große Begeisterung.

Franken

2025, wenn nicht anders angegeben

Wenig Frucht in der Nase des Stein-Berg vom Bürgerspital, aber schöne getrocknete Kräuter, am Gaumen zitrusfrisch, viel Säurespiel und dann kommt heller Grip. Gute Länge. Klassische Schönheit mit Potenzial. Aprikose und Kräuter in der Nase von Luckerts Maustal, am Gaumen saftig-ölige Textur mit mittlerem Körper, die Säure trägt enorm lang. Tolles Spiel. Max Müller I Am Lumpen ist unruhig, hefegeprägt, Wolldecke im Mund, aber auch bissig und andeutend, dass mit künftiger Klarheit auch tänzelnde Vibration kommen sollte. Das ist zwar nicht garantiert, aber ich setze drauf. Nach einem eher klassischen Start mit schönem Spiel kommt beim 23er Stettener Stein von Knoll/Am Stein eine dunkelwürzige Phenolik dazu, die aber nichts Malzig-Molliges mitbringt, sondern genau die Art von Geheimnis trägt, die die Hand zum Glas gehen lässt.

Spätburgunder (Forts.)

2024, wenn nicht anders angegeben

Baden

Sehr charmante Nase mit Holzwürze und feiner roter Frucht bei Franz Kellers Eichberg. Am Gaumen unglaublich harmonisch und wunderbar strukturiert: Fruchtiger Start, würziger Mittelbau, fleischiges Finish, konstant von Säure begleitet, nach hinten von Tannin abgebunden. Finde ich umwerfend. Und noch so eine schöne Nase und schöne Reise bei Kellers Schlossberg, die Frucht etwas heller, das Holz auch, die Textur etwas saftiger, das Tannin etwas griffiger und mehr Frucht als Fleisch, aber dabei so elegant und komplex. Gleiche Lage von Dr. Heger: Noch etwas heller (und sogar noch etwas besser, weil dieser zarten, hellen Frucht die Feinheit der ganzen Struktur so gut steht). Wenn der leiseste Wein im Feld sich auch an letzter Startposition durchzusetzen weiß, dann weil er besonders hell strahlt. Granatenflight.

In Dr. Hegers Winklerberg Winklen finde ich eine kleine, süße Marzipannote in der Nase und die mag ich. Am Gaumen finde ich besonders schöne Säure und (Sie erraten es) die mag ich auch. Die Aromatik ist leicht fleischig (sie wissen schon). Also: Ich mag diesen Wein. Beim Winklerberg Wanne aus gleichem Hause gibt es endlich was zu meckern. Die Textur ist eher cremig (aber nicht laktisch) und das harmoniert noch nicht so mit dem Tannin, aber wir sind immer noch in diesem Kosmos göttlicher Aromen und dieser wunderbaren Leichtigkeit unterwegs. Beim Vorderer Winklerberg sind wir wieder saftig und dieses mal packt das Holz etwas mehr zu. Zupackendes Holz hat mich noch nie gestört. Dieser Wein hat den fleischigsten Biss aller bisherigen Badener und ich glaube, ich mag den noch mehr als Hegers Schlossberg.

Holzwürzige Nase mit etwas Kirsche bei Salweys 23er Eichberg, am Gaumen ziemlich viel Schwarzkirsche, das Holz dunkelwürzig, aber nicht röstig, die Struktur von sehr feinem Tannin und reifer Säure geprägt. Das hat ebenfalls Klasse, auch wegen der phänomenalen Länge.

Württemberg

Neippergs Schlossberg ist alte Schule: Reife Frucht, aber nicht überreif, schöne Säure, dunkle Würze und recht viel Tannin. Wird gut. Ab jetzt 2023: Tolle süße Frucht, viel Tannin, dukelwürzig, Teer, feine Säure – Dautels Forstberg ist ambitioniert, aber auch gut. Sein Schupen ebenso: etwas heller, fleischiger Biss, Tannin etwas zarter (aber nur etwas). Ganz schön toll. Neippergs Ruthe ist speziell: Tomatengrün und Kuhstall in der Nase, am Gaumen dann viel Saft, klare Frucht, kräftiges, aber feinkörniges Tannin. Sehr interessant.

Lemberger

Typische Nase, saftige Frucht am Gaumen, strahlt und hat tollen Säurebiss und feines Tannin. Berge von Karl Haidle mag ich. Aldingers Lämmler: Animalische Nase, großes Strahlen am Gaumen. Polierte Kirsche, dann Tabak, dann viel feines Tannin. Großartig. Viel Tabak in der Nase bei Neippergs Schlossberg, viel Sauerkirsche am Gaumen, dazu tolle Säure, mittlerer Druck und Körper, wagt ein Tänzchen. Darf ich abklatschen? Weinsbergs Schemelsberg ist zwar eine harte Tanninattacke, aber ich glaube das passt, weil da so viel mühelose Substanz dahinter steht. Lasst uns ein bisschen warten. Wir werden belohnt. Der 23er Ruthe von Neipperg ist ein bisschen grün in der Nase, aber das passt, denn am Gaumen ist das schlank, elegant, pinot-esque (und das ist wahrscheinlich das Ziel der Übung). Interessant.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.