Blindflug 65: Besser als Riesling?

Weiter geht es mit der Frage, ob Riesling die beste Rebsorte der Welt ist. Das zu ergründen benötigte es vieler Vergleiche. Doch genau diese Vergleiche gestalten sich regelmäßig problematisch, was auch am Riesling selbst liegt.

Nicht wenige unter unseren Hörern sind Mitglieder der ‚Riesling-über-Alles‘-Fraktion, weswegen wir uns nun schon eine zweite Stunde mit der Frage beschäftigen, welche Rebsorte – wenn überhaupt eine – es mit König Riesling aufnehmen könnte. Das ganze geht nur mit einem Augenzwinkern, denn schließlich ist Wein Geschmacksache.

Pecorino d’Abruzzo – so ein Käse?

Torre dei Beati Pecorino

Felix schenkt Sascha eine seiner Lieblingsrebsorten ein. Doch der Bianchi Grilli, Pecorino d’Abruzzo DOC 2018 von Torre dei Beati kann Sascha nicht Recht begeistern. Zwei Gläser immerhin mag Sascha davon trinken. Dann wird es ihm zu ‚struppig‘, wie Felix diese leicht bittere Phenolik nennt. Gleich mehrere italienische Weißweinsorten zeigen diese dezent schmirgelnden Grapefruit-Noten, aber die trinkt Felix dann zukünftig wohl besser in anderer Runde.

Triebaumer aus dem Halbjenseits

Eigentlich hätte es ein Volltreffer sein müssen. Sascha zückt den Ruster Blaufränkisch ‚Ried Mariental‘ 2007 von Ernst Tribaumer aus dem Österreichischen Burgenland. Das ist ein Wein, von dem Felix immer in den höchsten Tönen schwärmt. Doch leider hat der Wein seinen Zenit wohl überschritten – oder die Flasche war extrem schlecht gelagert. Die Säure dominiert den Wein bis in den Abgang hinein und das Tannin wirkt eher rustikal, bei schwächelnder Frucht. So hatten wir zwar viel Spaß, aber keine vinophilen Erweckungserlebnisse.

Viel Spaß bei einer neuen Episode unseres Podcasts.

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13 Gedanken zu „Blindflug 65: Besser als Riesling?“

  1. Lieber Felix, vielen Dank, wieder eine sehr interessante und kurzweilige Folge. Es macht einerseits den Reiz aus, dass die Informationen und das Wissen so locker einfließen, aber es ist anderseits schon klar, dass man das nicht mal eben aus dem Handgelenk schüttelt. Da ihr Lust auf eine Probe mit Albariño gemacht habt, ist der Sketch heute schon aus Madrid eingetroffen und den Rest konnte man auch einfach organisieren. Jetzt sind die meisten Weine aber aus 2019. Soll man da schon ran? Außerdem habe ich euch so verstanden, dass es eher keinen Sinn macht, Riesling und Albariño gemeinsam zu verkosten, oder? Viele Grüße Tobias

    1. Einkauf in Madrid macht die Sache schon etwas einfacher, nicht wahr? Und danke für den Hinweis, Sketch 2019 ist draußen. Ich hoffe, dass das nicht der neue Standard-Preis ist. Ich interpretiere das zumindest so, dass Du bei GH einkaufen warst?
      Also zumindest die Seleccion von Quinta de Couselo und die beiden Pazos sollten deutlich älter als 2019 sein. Warum nicht Riesling gegen Albariño. Was ich im Podcast zu sagen versuchte war: es ist vermutlich die einzige Rebsorte, die man in einer Parallelprobe verkosten könnte. Wäre spannend, wie viele Rieslinge für Spanier gehalten werden und vice versa. Die einfachen Zárate und Forjas del Salnés gegen Guts- und Ortsweine gleichen Jahrgangs. Dann deren Lagenweine gegen junge Erste Lagen und am Schluss ein paar reifere gegen GGs, Fefiñanes sollte ja 2017 sein, La Comtesse 2016, Couselo 2015 und Señorans 2011 – lustig wäre natürlich sowas wie vier Mal Hermannshöhle Magnus von Schneider aus den entsprechenden Jahren (oder wie das Ding heißt), sonst Diel (wegen des längeren Hefelagers).

      1. Achso, ich vergaß: Den Sketch würde ich als Absacker aus der Karaffe offen servieren. Der Vergleich ist schließlich der Tod der Liebe und irgendwann ist dann mal gut 😉

        1. Vielen Dank für die Antworten. Das wird ein Spaß werden. Den Sketch habe ich nicht über GH bezogen, sondern über die Plattform D&C bei einem kleineren Händler in Madrid geringfügig günstiger. Das ist wirklich eine tolle Möglichkeit. Vielen Dank auch noch für die Aufklärung zum Porto aus Frankreich. Ich bin schon daran verzweifelt, warum dort alle Händler aberwitzige Versandkosten verlangen. Teilweise sind die Albarinos auch aus 2015 und danach, so dass es insgesamt passen sollte. Von dem Anada 2011 habe ich abgesehen, da ich den schon zweimal hatte. Stattdessen ist es der Tras los Muros 2017 geworden. Jakob Schneider Magnus habe ich als Fan reichlich. Den empfinde ich als ziemliches Schwergewicht und bin sehr auf einen Vergleich gespannt.

  2. Zum Thema Podcast vs. Clubhouse: Ich fand es wirklich gut, dass in der Folge erwähnt wurde, dass ihr auch einiges an Arbeit, vor allem in Form von gründlicher Recherche, in die Produktion des Blindflug Podcasts steckt. Das hört man! und das macht den Podcast meines Erachtens auch hörenswert. Bei den wenigen Sessions mit Schwerpunkt Wein die ich mir bisher bei Clubhouse gegeben habe, ist mir das Zuhörern meistens nach kurzer Zeit schwer gefallen. Vielen Leuten dort, so erschien es mir jedenfalls, fehlte die Erfahrung ihr ohne jeden Zweifel vorhandenes Wissen zuhörerfreundlich zu präsentieren bzw. waren nicht richtig Vorbereitung und/oder hatten keine Agenda für die jeweilige Session. Ich will hier auch garnicht über Clubhouse lästern, sondern vielmehr euren Podcast loben bei dem mir vor allem die Mischung aus gut recherchierten und gut vorgetragenen Themen aus der weiten Welt des Weins in Verbindung mit der von euch anscheinend niemals versiegenden Neugier und Euphorie bei Weinverkostungen so gut gefällt. Beste Grüße aus einer der größten RAF Keimzellen Deutschlands 😉

  3. Wiedermal eine tolle Folge! Ich finde es gut, dass bei euch auch mal ehrlich erwähnt wird, wenn etwas nicht schmeckt!

    Kurze Frage: Wird es hier beim Schnutentunker in Zukunft noch Blog-Beiträge geben, abseits vom Blindflug? Oder wurde der Blog ansonsten eingestellt? Dann kann ich Ihn aus meinem Feed de-abonnieren 🙂

    Lieber Gruß aus Castrop-Rauxel

  4. Zum Thema Sexismus, Rassismus und Wein:

    Die Macht der alten weißen Männer ist leider keine Fiktion. Diskriminierungen sind in der Weinszene salonfähig. Besonders nach dem zweiten gläschen Wein!

    Ich arbeite zum Glück nicht in der Branche. Trotzdem habe ich viel Erfahrung in den Veranstaltungen, auf der ProWein oder beim einfachen Weinshopping gesammelt.

    Manchmal fällt es mir als Konsumentin schwer…

    Auf der letzten ProWein habe ich diesen Satz gehört: ‘Aber ich wollte keinen Frauenwein!’

    Ok. Ich mag auch keinen Mädchen-Blumenkohl.

    Ein Winzer erzählte mir, während eines wärmen und gemütlichen Sommerabends an der Mosel, auf seinem Winzerhof, wie er seine ‘farbige Ehefrau’ online bestellt hatte. Wortwörtlich ‘online’.

    Mir kann man ja solche Sachen erzählen, ganz ohne schlechte Gewissen. Da ich eine Frau und offensichtlich keine bio-deutsche bin.

    Zudem können neue Platformen (Podcasts, Clubhouse usw…) “Safe-Space” für uns werden. Oder sehr wahrscheinlich nicht. Wir werden es sehen…

    1. Ist Frauenwein/Männerwein automatisch Sexismus? Anja und ich verwenden das ja auch gelegentlich in der Webweinschule. Es gibt halt (einige) Weine/Weinarten, die ein signifikant geschlechtsspezifisches Anhängerprofil haben. Wobei wir ‚Frauenwein‘ noch nie benutzt haben, wohl aber ‚Männerwein‘ für sehr gerbstoffbetonte Rotweine (zu denen man ja auch gerne riesige Fleischlappen serviert, die ebenfalls eine hinsichtlich des Geschlechts sehr einseitig geprägte Anhängerschaar haben). Wir haben das bei der Einführung des Begriffs in Anführung gesetzt und darauf hingewiesen, dass es auch (aber eben erheblich weniger) Frauen gibt, die sowas mögen. Mittlerweile verwende ich das jedoch ohne irgendwelche Relativierungen.
      Aber ich nehme an, der Mensch auf der ProWein hat Frauenwein abfällig gemeint?

      1. Gute Frage. Wozu führen denn diese Zuschreibungen? Brauche ich solche Adjektiven?

        ‘Frauenwein’, ‘Frauenbier’ oder ‘Frauenlikör’, sie sind halt null ‘ernsthafte Drinks’ und ich halte es für ein Problem.

        Es gibt natürlich nicht nur sexistische Aussagen über Frauen sondern auch über Männer. Ich denke, dass die Vermeidung von Geschlechterstereotypen für alle von Vorteil ist.

        Ihr Beispiel war doch ein Volltreffer. Carol Adams Werk ‘Sexual Politics of Meat’ verbindet Fleischessen mit männlicher Dominanz durch Gewalt. Adams Arbeit finde ich persönlich nicht ganzheitlich. Es lohnt sich jedoch darüber nachzudenken.

        Der Mann war halt wütend, weil während der Weinprobe auch einen Rose ins Glas eingeschenkt wurde.

        1. Die Kombination Rosé -> Frauenwein war also eindeutig abwertend gemeint, und zwar für beides. Klarer Fail. Aber Männerwein. Braucht man das? Weinsprache ist ein Code einer Interessengemeinschaft (Weinfans). Codes haben verschiedene Elemente: Verdeutlichen (‚Sponti-Stinker’ statt Schwefelwasserstoffböchser), Abkürzen (‚Malo‘ statt Malolaktische Gärung/Biologischer Säureabbau), Definieren (Terroir, Mineralik) oder einfach Benamen (Agraffe, Hebamme). Außer den spezifischen Definitionen wie Terroir oder Mineralik braucht man das alles nicht. Führt aber auch alles zu den gleichen Vorteilen: schnelle(re), eindeutige(re) und präzise(re) Kommunikation. Im Falle der Männerweine ohne Wertung. Ich glaube man dient der Sache eher, das dann so stehen zu lassen. Sonst verharmlost man am Ende den ProWein-Vorfall. Und wenn im Zusammenhang mit dem Wort Mann am Ende schon wieder das Wort Gewalt steht, obwohl wir eben noch bei Rosé waren, sagt der alte weiße Mann in mir, schau, dass Du irgendwie den Ausgang findest…

  5. Wie immer ebenso interessant wie unterhaltsam. Ihr habt ja unter Anderem über FX Pichler gesprochen. Darauf aufsetzend würde mich interessieren, ob es Eurer Beobachtung nach einen typischen „Weinguts-Lebenszyklus“ gibt und falls ja, wie es die Betriebe, die dauerhaft Weltklasse abliefern, schaffen, diesen zu durchbrechen.

    1. Ich glaube nicht an Gesetzmäßigkeiten bei der Qualität von Weingütern und habe diese auch nicht ansatzweise je beobachten können. Obwohl, ein Gesetz gibt es: je höher die Qualität, desto schwerer ist es, sie dauerhaft zu halten. Ist aber eine Binse. Ich denke, dass es eine Gefahr gibt: Familie. Wenn die Eigentümerfamilie glaubt, die Verantwortung in Keller und Weinberg werde per Erbfolge geregelt, nicht per Kompetenznachweis. Wenn der Nachwuchs kein Talent hat, muss halt ein Externer ran. Insofern: dauerhafte Qualität erzielt man am besten, indem man auch Familienweingüter wie klassische Wirtschaftsunternehmen führt, bei denen die wichtigste Erfolgsvoraussetzung talentierte Mitarbeiter sind. Aber auch das ist eine Binsenweisheit.

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