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Wie gut ist der Jahrgang 2017? Das Wiesbadener Fazit

Die Wiesbadener GG-Vorpremiere ist gelaufen. Was bleibt als Fazit? Was kann 2017 und wie ist 2016 bei den Roten? Ein paar Antworten.

Die Große-Gewächs-Premiere 2018 in Wiesbaden, die aus irgendeinem Grunde ‚Vorpremiere‘ heißt, spülte mir 400 Weine ins Glas und natürlich kann auch ich in so kurzer Folge nicht alle Nuancen erschmecken und jedem Wein gerecht werden. Ein Bild ergibt sich für mich trotzdem, hier also ein paar zusammenfassende Empfehlungen. Die meisten Weine habe ich übrigens blind probiert, die Liste im Computer einfach ausgeblendet und direkt in der Textverarbeitung gearbeitet.

2016 weiß – slow wine

Seriös beurteilen kann man einen Jahrgang generell erst im zweiten Herbst nach der Ernte. Wobei es auch Jahrgänge gibt, die sich frühzeitig outen. Einige Winzer stellen ihre weißen GGs mittlerweile um ein Jahr zeitverzögert an. Das konnte man in der Vergangenheit bei allen Weinen sofort erkennen. Die eher warmen Jahre gehen schnell in die Opulenz und selbst vermeintlich straffe Jahre wie 2012 und 2014 waren nach einem Jahr als eher barock enttarnt. Lediglich 2013 zeigte eine langsamere Entwicklung. 2016 ist ein Jahrgang, der sich ganz langsam und wunderbar entwickelt. Bei einzelnen Weinen gab erst der Blick in die Liste die Information des zusätzlichen Jahres Reife preis. Ich glaube 2016 ist großflächig ein besonders gutes Jahr für Weißwein in Deutschland.

2017 weiß – die nie endende Diskussion

2017 ist – bis auf zwei Ausnahmen – fürchterlich inhomogen. Um die Frage, die Ihnen jetzt auf den Nägeln brennt, gleich zu beantworten: Rheinfront (Bingen und roter Hang), also das halbe Rheinhessen sowie die gesamte Nahe haben eine so einheitlich gute Leistung abgeliefert, dass ich sagen möchte, hier ist der Jahrgang spitze! In allen anderen Anbaugebieten, entsteht kein einheitliches Bild. An der Mosel bin ich es gewohnt, dass die Highlights rund um Brauneberg und an der Saar stattfinden. Dieses Jahr hat nur Brauneberg geliefert, die Saar wird allein von Van Volxem getragen. Der Rheingau mit deutlich mehr Licht als Schatten, Überraschungen (Prinz von Hessen!), aber auch einigen bummeligen Zuckerschwänzchen. Im Wonnegau sind die Weine auch sehr mächtig und nicht immer so trocken, dass ich sie mir kaufen würde. In der Pfalz ist die Zahl der Leckerlis extrem hoch und auch Namen in der Verlosung, die ich mir nicht hätte träumen lassen. In Franken ist Silvaner besser als Riesling und letzterer auch oft eher spannungsarm. Württemberg ist nach den vielen tollen Jahren der Vergangenheit beim Riesling unter die Räder gekommen.

Und warum nie endende Diskussion? Ich wage die Prognose, dass in den nächsten Tagen noch diverse eher verhaltene Einschätzungen des Jahrgangs kommen werden. Und dann werden in den nächsten 15 Jahren immer wieder irgendwo Fotos von 2017er GGs in den sozialen Medien auftauchen mit der Bildunterschrift ‚All diese selbsternannten Kritiker, die 2017 so früh abgeschrieben haben, haben keine Ahnung. Dies hier ist soooo gut (diverse Ausrufezeichen)‘. Es ist das Wesen dieser etwas süßeren Weine, dass sie in ihrem Reifeverlauf immer mal wieder frische Phasen haben. Insofern: wenn Sie Lieblinge haben, kaufen Sie die und beobachten das halt sehr genau. Auf Plattformen wie Cellartracker kann man sich ja mittlerweile gut informieren, wie die jeweiligen Weine sich gerade präsentieren.

2016 rot – von groß bis glanzlos

Die Weine der Ahr habe ich nicht probiert, da ich sie fast alle schon bis zu vier Mal im Glas hatte, für den Gault&Millau Weinguide. Das Jahr ist dort herausragend, aber kein Jahrhundertjahrgang. Die Weine sind intensiv, mit relativ hohem Alkohol, aber vielfach trotzdem geschliffen. Auf einzelne Weine gehe ich nicht ein, da ich im Blog nur Wiesbadener Verkostungsergebnisse verwende. In allen anderen Gebieten, hat mir 2016 oft gefallen, aber nie Freudentränen in die Augen getrieben. Die ausgesprochen gekonnten Weine von Fürst und Huber zeigen deutlich die Grenzen des Jahrgangs auf, wenngleich das eine sehr vorläufige Einschätzung ist.

Die kleine Empfehlungsliste

Rieslinge, die sie probieren müssen:

  1. Weil, Gräfenberg
  2. Schloss Johannisberg
  3. Ress, Nussbrunnen und Rottland, allein schon, weil die letzten Schöpfungen des scheidenden Gutsverwalters Dirk Würtz in wenigen Jahren Sammlerwert haben (aber auch, weil sie wirklich gelungen sind)
  4. Rebholz, Ganzhorn
  5. Aldinger, Gips Marienglas
  6. Schloss Lieser, Goldtröpfchen
  7. Haag, Juffer Sonnenuhr
  8. Van Volxem, alle sechse, wobei ein Fehlen des Scharzhofbergers am ehesten verschmerzbar wäre
  9. Bürgerspital, Stein-Hagemann
  10. Juliusspital, Stein (2016) (und ein ganz tief gezogener Hut vor Horst Kolesch und seinem Team: 180 Hektar unter Waffen und dann eine so unfassbar gute Kollektion, herausragend!)

An der Nahe gebe ich ihnen keine Tipps, die lesen Sie dann später im Gault&Millau Weinguide. Bis dahin sollten Sie aber versuchen, alles zu probieren, wessen Sie von der Nahe habhaft werden können.

Zum Ende der Veranstaltung habe ich noch die Weißburgunder verkostet, die Notizen aber nur noch in meine Tabelle gehämmert. Die ausführlichere Beschreibung (Rebholz!!) kommt ganz bald.

Und hier der Überblick, wenn Sie es genau wissen wollen

Silvaner, Grauburgunder, Chardonnay, Pinot (Teil 1)

Riesling (Nahe, Mittelrhein, Franken, Württemberg, Baden, Rheinhessen), Pinot (Teil 2), Lemberger

Riesling (Rheingau, Pfalz, Mosel)

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