Blindflug 12: Osteuropäische Bückware vor dem Richter

Veräppelt Euch doch mal mit Osteuropaweinen, schrieb Markus und meinte vermutlich die Bückware. Auch Christian wartet seit Folge 1 auf einen Wein aus der Unter-5-Euro-Kategorie. Wird Felix sich in den Dienst der Sache stellen?

Marof Beli KrizNein, wird er nicht. Aber, lieber Markus und Christian, wir schulden Euch eine Erklärung. Die gibt Felix in seinem Slot, während er Sascha einen ziemlich wilden Wein aus Osteuropa einschenkt, den Beli Kriz 2016 von Marof aus Slovenien. Diese Welschriesling-dominierte Cuvée stellt Sascha auf die Probe, hat er es doch nicht so sehr mit traubeneigenen Phenolen.

Kongsgaard The Judge ChardonnayEr steht mehr auf die Sorte Gerbstoff, die einem Weißwein durch neues Holz hinzugefügt werden und so schenkt er einen internationalen Kultwein aus der Chardonnay-Traube ein. The Judge 2007 von Kongsgaard aus Kalifornien leidet in Felix Glas ein wenig unter dem kleinen Schluck, den Sascha in das große Glas gefüllt hat. Er wird schnell warm und schmeckt erst nach Portwein und dann nach einem nicht sehr dichten Roten. Nach der Auflösung lässt die Frage: Lohnen sich 300 Euro für so ein Geschoss? unsere beiden Verkoster etwas ratlos zurück.

Viel Spaß bei der neuen Episode unseres Wein-Podcasts.

Hier geht es zur Episodenübersicht.

21 Gedanken zu „Blindflug 12: Osteuropäische Bückware vor dem Richter“

  1. Da dies mein erster Kommentar ist, möchte ich mich bei Euch erstmal für dieses tolle Format bedanken. Höre mir die Podcasts wirklich sehr gerne an 🙂
    Hochpreisige Weine sind natürlich so eine Sache für sich. Einerseits gibt es auch für deutlich weniger Geld etwas in gleicher Qualität, andererseits kann man sich auch die Frage stellen, ob ein Wein der mehr kostet denn auch besser sein muss…
    Auf Instagram postest du doch ab und an Weine deren Preise deutlich über 140 € liegen. Machst du da, z.B. in Restaurants, Ausnahmen?

  2. Mich interessiert ob Ihr Schuldgefühle habt wenn einer von Euch, wie in dieser Folge der Sascha, Weine einschenkt die ein vielfaches mehr kosten als die selbst mitgebrachten. Nicht dass man sich schuldig fühlen sollte, der andere macht das ja gerne und man freut sich wenn es dem anderen auch schmeckt. Dennoch hätte ich persönlich ein unangenehmes Gefühl wenn ich es nicht in der nächsten oder übernächsten Folge wieder wett mach würde. Eine ähnliche Situation kann ja auch bei anderen Events vorkommen. Ist es vielleicht sogar ein Fauxpas wenn man einen Wein mitbringt der viel mehr kostet als alle anderen. Man will ja nicht protzen? Andererseits wenn ich wüsste das Person X reich ist oder einfach gerne teure Tropfen trinkt würde ich auch von ausgehen dass er auch solche mitbringt und sehe das schlicht als normal und ebenbürtig an. Wäre ja sonst diskriminierend.

    Wie seht Ihr das?

    1. Das Aufrechnen bringt nix. Es macht wenig Spass, sehr hochwertige Weine alleine zu trinken. Also hat jeder Weinfreak, den ich kenne, irgendwann angefangen Leute um sich zu scharen, die diese beste Flasche zu würdigen wissen. Ganz selten sind mir solche begegnet, die dabei darauf geachtet haben, dass ihre Mittrinker es ihnen gleich tun können, in einer vergleichbaren finanziellen Liga spielen. Den meisten ist das wurscht.
      Bei Sascha und mir würde es besonders kompliziert mit dem Verrechnen. Viele Weine, die ich ihm einschenke, habe ich gar nicht bezahlt. Ist das dann nichts wert? Dafür kriegt er bei mir regelmäßig Weine zu verkosten, die sehr selten oder schwer zu kriegen sind. Wenn wir da anfangen uns einen Kopp zu machen, wie man das bewertet, hätten wir wohl beide schnell keinen Spaß mehr. Im übrigen waren die schönsten Weine, die wir bisher hatten, ja meist nicht die teuersten. Bürgerspital Chardonnay, Schmitts Kinder, und die Weine aus Folge 14 und 15 hat sich Sascha sofort nach er Aufnahme besorgt (beziehungsweise bei Schmitts Kinder blieb es beim erfolglosen Versuch). Percarlo kostet neu auch ‘nur’ 50 Euro.
      Wenn ich irgendwo eingeladen bin, würde ich keine Flasche jenseits der 30 Euro mitbringen, ohne mich vorher zu vergewissern, dass ich damit niemanden vor den Kopf stoße, könnte sonst protzig wirken.

      1. 100%-ige Zustimmung. Es muss auch nicht nur die “beste” Flasche sein, es reicht wenn es besondere Weine sind. Hab vor kurzem per Zufall (und sehr günstig) einen 57er Forster Pechstein Riesling ergattert. So etwas will man teilen, und bevorzugt mit Leuten die es zu schätzen wissen… An “Revanchieren” denkt man bei so was eigentlich gar nicht.

  3. Ich wollte mich noch kurz für die tolle Erklärung bedanken.
    Ich werde es zukünftig auch getreu dem Motto, das Leben ist zu kurz um schlechten Wein zu trinken halten.

    lg der “Christian” 🙂

    P.S. Es ist wahrscheinlich schon zu spät für dieses Jahr aber evtl. könnt ihr ja noch ein zwei Worte darüber verlieren wie ihr zum Thema Glühwein steht.

    1. Glühwein: weiß, nicht zu saurer Liter-Riesling mit der ‚weißen Glühwein Essenz‘ versetzt, die es zum Beispiel im Planet Wein zu kaufen gibt. Danach trinkt man nie wieder roten Glühwein.

  4. Eine schöne Episode ist das geworden. Slowenien finde ich spannend.
    Ich dachte beim veräppeln auch eher an lange Maischestandzeiten, Amphoren & Co. Bückware ist Zeitverschwendung, da bin ich ganz bei Euch.

    1. Gut, dann hat der Wein ja die Anforderungen erfüllt. Besonders viel Orange wird’s im Blindflug nicht geben. Ich mag es sehr und Sascha kaum. Er schenkt es mir nicht ein, weil er keinen hat, ich schenke es ihm nicht ein, weil es Perlen vor die Ähem wären. Aber einen habe ich auf der Liste, der ist aber auch so ein Überdrüberorange, der selbst Sasche packen könnte. Irgendwann im März dann…

      1. Tuneln bietet mir und anderen ‚Alexa‘ Nutzern ein einfaches Abrufen des Blindflug Podcasts :-). Bisher höre ich über iTunes fleißig. Ob es aufwendig ist, kann ich leider nicht beantworten.

  5. Ob das Preisleistungsverhältnis in Deutschland großartig ist oder nicht hängt natürlich immer vom Blickwinkel ab. Ich kenne einen Winzer von der Mosel der seine Weine ausschließlich nach Belgien und Frankreich verkauft, da er sagt, die Deutschen wissen nicht was ein guter Wein wert ist und die Gewinnspanne sei hier zu niedrig um gut davon leben zu können. In den entsprechenden Ländern könne er für die Flaschen deutlich mehr nehmen.
    Das ist nun natürlich sehr pauschal und trifft keinesfalls auf jeden Weintrinker zu. Ich kenne aber auch Leute die eben keine Weintrinker sind sondern ganz platt gelegentlich wegen des Rausches Alkohol trinken und die dann im Gegenzug auch gerne argumentieren, wieso sie sich denn eine Flasche Wein kaufen sollen, denn der koste ja 5-7 Euro und dafür würde man ja auch eine halbe Kiste Bier bekommen…

    Da wundert es einen als Weinfreak auch nicht mehr wo bei uns die günstigen Preise herkommen, denn ich glaube die Anzahl der Leute die so oder ähnlich denken ist nicht gering.

  6. Als Betriebswirt habe ich mich schon oft gefragt, wie genau die Weinpreise ab Hof zustande kommen. Bei kleinen unbekannten Winzern wohl eher aufwandsorientiert, bei bekannteren Gütern wohl eher marktorientiert?

    Insgesamt finde ich das Preisleistungsverhältnis im deutschen Weinbau – insbesondere in Franken, das mir am nächsten liegt – hervorragend. In Österreich dagegen nehme ich deutliche Unterschiede wahr, mit der Wachau und der Südsteiermark am eher teureren und dem Weinviertel und dem Kremstal am eher günstigen Ende.

    1. Es liegt in der Natur der Sache, dass kleine, unbekannte Winzer keine marktorientierten Preise machen. Da sie klein und unbekannt sind, existiert ja kein Markt für sie, der ihnen hohe Preise ermöglichen würde. Gleichzeitig ist der beste Weg bekannt zu werden der, einfach tolle Weine zu produzieren. Dann existiert der Markt und die Preise können hochgehen. Daraus folgt aber eben auch, dass die Preise mit der Qualität hochgegangen sind und das ist ja der Punkt, den viele Meckerpötte immer abstreiten. Ich kenne kaum Winzer, die ihre Preise am Aufwand festmachen, wenn ihnen der Markt etwas anderes erlaubt.

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