Rheingau Spätburgunder

#vdpgg16 – das Fazit, Teil 2

Neben Rieslingen gab es in Wiesbaden auch die Großen Gewächse aus Grau- und Weißburgunder, Silvaner, Chardonnay, Lemberger und vor allem Spätburgunder zu probieren. Auch dazu eine kleine Zusammenfassung.

Eines Vorweg, ich habe Lemberger und Weißburgunder zwar am Ende der Veranstaltung verkostet, aber mich nicht mehr in dem Maße konzentrieren wollen und können, wie es für eine seriöse Berichterstattung angebracht wäre. Deshalb habe ich die meisten heute in Berlin ein zweites Mal verkostet. Grauburgunder ist nicht meine Sorte, weswegen ich dazu schweige.

Was ist mit den Spätburgundern?

Die Zahl der älteren Jahrgänge ist bei den Spätburgundern höher. 80 Weine gab es, einer war aus 2011, drei aus 2012 und zwölf aus 2013. Das reichte aus, um ein klares Bild zu zeichnen, 2013 scheint wirklich ein besseres Pinot-Jahr als 2014 zu sein. Insbesondere die Weine von der Ahr enttäuschten mich. Man sollte einen Jahrgang nicht zu früh herunterschreiben, aber das war schwach. Es fehlte Struktur, Tiefe und leider auch gelegentlich Säure. Das war bei den wenigen Rheingauern viel, bei den Franken ganz erheblich besser. Rheinhessen sollte jeder selber probieren. Keller sehr gut, aber dieses Jahr auch sein Geld wert? Felix Peters und die Truppe von St. Antony machen einfach guten Rotwein, das sollte man mal laut sagen, weil sie bei den Rieslingen eigentlich nie in der ersten Reihe stehen. In Baden zieht Huber einsam seine Kreise. Die Württemberger sind wieder durch die Bank gut.

Meine Zurückhaltung begründet sich vor allem darin, dass die auch in diesem Jahr tollen Weine der großen Namen mittlerweile ein gehobenes Preisniveau erreicht haben. Und so gut, dass ich meinen Geldbeutel aufmachen würde, sind die Top-Weine dann eben doch nicht. Ich bevorzugte dieses Jahr den Centgrafenberg von Fürst, die Sommerhalde von Huber liefert auch viel fürs Geld, die jeweiligen Schlossberge sehen da viel unvorteilhafter aus. Mehr als 50 Euro würde ich wohl nur für den Höllenberg der Staatsweingüter ausgeben, beim Rest der obersten Liga griffe ich zu älteren Jahrgängen. Anders sieht das mit der ‚zweiten Reihe‘ aus. Dautel, Haidle, Ellwanger, Stigler, Kistenmacher-Hengerer und einige mehr – ich kenne nicht alle Preise auswendig, aber was davon unter 45 Euro liegt, bietet allemal fairen Weinwert. In Sachen Preis-Genuss-Verhältnis hat diese Jahr allerdings einen einsamen Strahlemann: Der Maustal von Zehnthof Luckert. Was für ein wilder und komplexer Wein, der gleichzeitig so unkompliziert zu trinken ist.

Silvaner sollen auch ganz schön sein?

Ja. Die Weine vom Juliusspital hätten eigentlich leichtes Spiel haben sollen. Sie sind aus 2014 und das war das bessere Jahr für Silvaner GGs. In großen Teilen Frankens haben 2015 zur Ernte hin die Mostgewichte im Rekordtempo angezogen, so dass viele GGs ziemlich schwer geworden sind. Ich mag das zwar, aber jung probiert sich das immer etwas arg mollig. Die präziser definierten 2014er liegen einfach besser im Mund. Doch dann kamen die Weine von Rudolf May, dessen Rothlauf und Langenberg vom letzten Reifeschub verschont geblieben waren. Er hat aus seinen Trauben zwei Silvaner gemacht, die tatsächlich das Zeug zur Legende haben. Alle anderen Silvaner GGs segeln sehr erfolgreich in der Dickschiffklasse.

Ham’se nich noch’n Ticker vergessen?

Zwei sogar. Und die kommen jetzt

Weißburgunder

Knipsers Kirschgarten mit schöner Textur, leicht cremig aber mit festem Kern, sehr tief und vielversprechend. Kuhns Wein aus gleicher Lage ähnlich, aber mit deutlichem Holz. Bergdolt – St. Lamprecht startet mit satt Frucht und endet mit satt Mineralik/Phenolik, das erzeugt feine Spannung. Minges probierte sich in Wiesbaden ein bisschen brav, heute dann wahnsinnig stoffig mit Schmelz und toller Säure. Münzberg war in Wiesbaden mein Liebling, packend, vibrierend, heute dann quietschbunte Frucht, darunter aber noch die Struktur erkennbar, die mich in Wiesbaden so angemacht hat. Der wird mal ein richtig spannender. Kranz macht einfach guten Weißburgunder und Wehrheim sowieso: Der Mandelberg ist Mineralik/Phenolik In! Your! Face! und wird dann im Abgang auf einmal charmant, was für ein besonderer Wein. Bernhart hat Säure wie ein Riesling, das zischt! Auf den zweiten Schluck dann angemessene Fülle und Tiefgang für ein Weissburgunder GG. In Wiesbaden wirkte der Stein vom Staatlichen Hofkeller ziemlich pummelig, in Berlin ist er mein Liebling: gleichzeitig saftig und stoffig, dann würzig und im Abgang steinig – so soll das sein. Der Wein des Juliusspital stammt aus 2014, wirkt extrem seriös und deutet großes Potential an. Haidle auf gekonnte Art schmelzig, Bercher macht süchtig, weil diese Zitrusfrische irren Zug hat. Im Abgang aber auch hier die nötige Seriosität und Potential für ein GG. Dr. Hegers Weißburgunder ist sehr würzig, sehr verschlossen, sehr vielversprechend.

Fazit: 2015 ist ein wirklich schönes Weißburgunderjahr, nicht nur bei den üblichen Verdächtigen. Alle hier nicht weiter erwähnten bewegen sich mindestens auf angemessenem GG-Niveau.

Lemberger

Fürst Hohenlohe Oehringen zeigt gleich zu Beginn, warum diese Rebsorte so gut nach Deutschland passt. Sein Verrenberg ist fruchtig, pur, ein Rotwein bei dem man an südliche Sonne denkt. Der in Berlin zusätzlich gezeigte 2013er zeigt, dass diese Frucht Bestand hat. Beim Staatsweingut Weinsberg haben sie noch eine Spur Holz oben drauf gepackt und einen sehr guten Langläufer produziert. Graf Neipperg zeigt im Schlossberg eine Frucht zum reinlegen, aber auch viel Holz für ein langes Flaschenlager. Dautel ist derzeit pures Potential, davon aber reichlich. Haidles ‚Gehrnhalde‘ startet unendlich elegant und läuft dann gegen eine Wand aus Tannin, sein ‚Berge‘ ist Lemberger in XXL, satte Frucht und reichlich Gerbstoff, beide für viele Jahre verstecken und dann mit Freude wiederentdecken. Aldingers Lämmler war sowohl in Wiesbaden, als auch in Berlin einer meiner Lieblinge. Diese feine Säure ist aber auch unverschämt gut!

Fazit: Nicht ganz so atemberaubend wie letztes Jahr, aber die Württemberger bewegen sich auf hohem Niveau.

Und diese andere Rebsorte, deren Namen man nicht laut aussprechen soll?

Pssst, Sie meinen den Chardonnay (ich flüster‘ auch)? Ja, da sind diese beiden Huber-Weine. Die sind wirklich so berückend, wie wir das live getickert haben (ich habe heute in Berlin noch mal genascht). Die haben quasi im Alleingang die Grenze zwischen Deutschland und dem Burgund verschoben. So viel Lob gilt ja meist schon als Hype, deswegen spare ich mir weitere Gesänge. Sagen wir es einfach so: Wenn Sie starkes Interesse an Deutschland als Weinbaunation haben und sich vorstellen können, dass Sie vielleicht noch nicht alles im Leben gesehen haben, von deutschen Weinen noch überrascht werden können, dann gibt es einen Wein aus 440 in dieser ganzen Veranstaltung, bei dem Sie bitte ein paar Anstrengungen unternehmen, wenigstens einmal einen ordentlichen Schluck davon ins Glas zu bekommen: Hubers 2014er Chardonnay Bienenberg (ersatzweise Schlossberg). Versprechen Sie es mir!

Das 2016er Fazit zum Thema Riesling

Hier finden Sie Berichte aus dem Jahr 2015

Und hier aus dem Jahr 2014

3 Gedanken zu „#vdpgg16 – das Fazit, Teil 2“

  1. Zwei Flaschen Hubers 2014er Chardonnay Bienenberg habe ich mir nun bestellt, im Angebot für 35,29 Euro. Ich bin gespannt!!
    Vorab fällt mir schon einmal positiv auf, dass der Alkoholgehalt bei nur 12,5 %vol liegt.

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