Gipfelstürmer – Weinentdeckung Nummer 8

Kurz vor dem Ende des letzten Jahres erschien der wie immer mit Spannung erwartete neue Wein der Deutschen Weinentdeckungsgesellschaft. Er heißt Gipfelstürmer. Wie fast jedes Jahr ließ ich dem Wein gerade mal drei Tage Zeit sich von den Reisestrapazen zu erholen und riss dann ein Püllecken auf um es über ein paar Tage zu verkosten und zu trinken. Um mit der Tür ins Haus zu fallen: der Gipfelstürmer ist endlich wieder ein Volltreffer.  Gipfelstürmer – Weinentdeckung Nummer 8 weiterlesen

Wiesbadener Fazit: Das J-Wort

Und, wie ist der Jahrgang? Diese Frage habe ich dieser Tage dann doch gelegentlich gehört. Es ist zwar wie jedes Jahr zu früh das zu beurteilen, aber ich wage es trotzdem. Dabei geht’s hier nur um den Riesling und Silvaner. Wiesbadener Fazit: Das J-Wort weiterlesen

VDP Großes Gewächs Präsentation Wiesbaden (2)

Hier die Eindrücke zu den weiteren Rieslingen, die ich bei der GG-Präsentation in Wiesbaden verkostet habe.

Pfalz

In der Mittelhaardt scheint es wenig Probleme gegeben zu haben, GG-würdige Trauben zu ernten, die Säure ist selten beißend (Ausnahme Kalkofen, da fand ich beide Weine schwierig). Eigentlich habe ich mich auf die Pfalz vor allem gefreut, weil sie so tolle Flights verspricht. 5 Versionen des Ungeheuer oder Pechstein nebeneinander oder vierfach Jesuitengarten. VDP Großes Gewächs Präsentation Wiesbaden (2) weiterlesen

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Am Samstag durfte ich bei einer Weinprobe mitmachen, die so viele Erkenntnisse brachte, dass ich zwei Tage brauchte um alle Informationen zu verarbeiten. Zwanzig Probanden in wenigen Stunden, kleine Probeschlucke und ein paar Minuten pro Wein, eine mehr oder weniger zufällige Zusammenstellung des Feldes – all das sind Gründe Proben nicht überzubewerten und im Schnutentunker hinlänglich diskutiert. Diesmal war vieles anders und deswegen hat diese Probe nachhaltigen Einfluss auf mich.

Es begann schon mit der Entstehungsgeschichte, denn am Samstag fungierte ich zwar als Gastgeber, nicht jedoch als Ausrichter. Auf Facebook war die Idee der Probe entstanden und die Hälfte meiner Gäste waren das, was in wenigen Jahren wohl als ‚Facebook-Bekanntschaft‘ Aufnahme in den Duden finden wird. Die sozialen Medien führen also keineswegs zur Vereinsamung im echten Leben, wenn man sich denn traut.

Das Thema der Verkostung hieß Blaufränkisch versus Lemberger – der Vergleich Deutscher und Österreichischer Weine aus der gleichen roten Rebsorte (die länderspezifisch einen unterschiedlichen Namen trägt). Allerdings war die Themengebung nicht chauvinistischen Ursprungs, niemand wollte einen Nationensieger küren. Würde man die Herkunft blind erkennen, lautete vielmehr die Frage. Das Thema Lemberger ist so eng, dass man es mit einer Probe erfassen kann, die Österreicher haben zwar große Vielfalt zu bieten, fahren aber auch nicht hunderte von Top-Erzeugern auf. Es stand also zu erwarten, dass wir mit nur einer Probe das Thema sehr gründlich erforschen und ein belastbares Ergebnis erhalten würden.

Zwei Gruppen standen zur Verkostung: gehobene Basisweine bis 15 Euro und Top-Vertreter aus der Reserve- und GG-Klasse bis 35 Euro. Die absolute Spitze Österreichs liegt preislich darüber, blieb außen vor. Aber Moric und Co. sind die Weine, die die meisten am Tisch eh mit Blaufränkisch assoziieren und an deren manchmal überragender Qualität sowieso keine Zweifel herrschten.

Espresso macht den Lemberger

Je ein Österreicher und eine Deutscher kamen blind ins Glas und die erste Frage ist schnell beantwortet: Ja, man erkennt die Deutschen. Bei sieben von acht Paaren waren sich alle sofort einig und lagen richtig. Es ist die Nase. Poetisch ausgedrückt lautet unsere Erkenntnis: Wenn das Fass der Nase einen Espresso spendiert, ist der Blaufränkisch ein Lemberger. Es ist tatsächlich alleine der Einfluss des Holzfasses, der die Weine so erkennbar macht und dieses nur in der Nase. Denn der Holzeinsatz war bei allen bis auf zwei Weine unglaublich gelungen und die beiden verhaltensauffälligen waren ausgerechnet Österreicher.

Die Nase führte zu einer weiteren Erkenntnis: sie ist nicht die Stärke der Rebsorte und sie unterscheidet sich oft nur minimal. Diffuse Waldbeeren und Schuhcreme standen am Ende bei mir bei fast allen Weinen auf dem Notizzettel, danach manchmal ein paar Eigenheiten – lediglich der schwefelfreie ‚Blaufränkisch ohne‘ von Hareter vom Neusiedlersee war vollkommen anders und erinnerte mich an mit Zitrone aromatisierten grünen Tee (sie wissen schon, diese Teebeutel, die wir nur verwenden, wenn keiner zuschaut).

Die wichtigste Erkenntnis des Abends betraf die Deutschen Vertreter im Feld. Lemberger gibt Antwort auf die Frage, die der Spätburgunder aufwirft: Kann man in Deutschland mühelos vernünftigen Rotwein machen? Alle zehn Lemberger wirkten, als wären sie mühelos und ohne Tricks aus reifen Trauben gemacht, ohne grüne Noten, nie dünn, nie überextrahiert, ohne Marmeladensüße, nicht chaptalisiert, mit harmonischem Alkohol zwischen 12,5 und 13,5 Prozent, den überall erahnbaren Holzeinsatz mühelos verkraftend – einfach rund und stimmig. Selbst ich als Liebhaber muss zugeben, dass das bei einer Spätburgunderprobe ähnlichen Zuschnitts keinesfalls eine Selbstverständlichkeit wäre. Da gäbe es immer mindestens zwei dünne, zugeholzte Kandidaten, bei denen ich an Deutschland als Rotweinland verzweifeln möchte. In einem Satz: Trinkt mehr Lemberger!

Das Verkostungsfeld Lemberger vs. Blaufränkisch
Das Verkostungsfeld Lemberger vs. Blaufränkisch, die Flaschen vier bis sieben von rechts gab es außer Konkurrenz zum Essen. Sie waren die Reservebank für Korkausfälle und wussten ebenfalls zu gefallen.

Bei der ersten Hälfte des Probenfeldes herrschte viel Einigkeit, die Schwankungen in den Bewertungen waren gering, die Sieger und Verlierer eindeutig. Österreich beherrscht die Basis besser, möchte man meinen, aber wichtiger war, dass auch noch der vorletzte Platz an einen Wein ging, den jeder mit Vergnügen trinken mochte. Den letztplatzierten Lemberger durfte ich am nächsten Tag beim Aufräumen nachverkosten und er präsentierte sich deutlich besser, hätte das Feld zwar nicht von hinten aufgerollt, war aber rehabilitiert. Es war seit langem meine erste Probe ohne irgendeinen schlechten Wein. Die Weine kamen von verschiedenen Teilnehmern und waren – auch dank reger Facebook-Diskussion mit nicht teilnehmenden Weinfreunden, Winzern und Händlern – sorgfältig selektiert.

Bei den besseren Qualitäten herrschte Einigkeit nur beim ersten und den beiden letzten Plätzen, sonst hatte jeder seine eigenen Favoriten (hier der Bericht eines Teilnehmers). Beim fünften Wein des zweiten Teils, wurde es allerdings kurz still in der Runde. Das kam der Perfektion nahe. Glücklicherweise blieb ein halbes Glas über und ich konnte den Wein am Sonntag noch einmal nachverkosten. Da sich bei mir die gleiche Begeisterung einstellte, bespreche ich ausnahmsweise einen Wein, von dem ich nur je ein halbes Glas an zwei aufeinanderfolgenden Tagen getrunken habe. Wenn Wein so richtig grandios ist, braucht es nicht viel mehr um die Qualität zu erkennen.

Der deutliche Sieger des Abends – ein LembergerGraf Adelmann, ‚Der schwarze Löwe‘, Kleinbottwarer Süßmund, Lemberger GG, 2009, Württemberg. Der Wein hat eine typische Lemberger-Nase. Das duftet für mich nach Schuhcreme, etwas Toffee und Kaffee, Waldbeeren und etwas Himbeere. Am Gaumen hat der Wein etwas Magisches: kühl, sehr strukturiert mit fantastischer Säure, schlank und elegant mit dezenten 13% Alkohol, tänzelnd aber kraftvoll genug um Eindruck zu machen. Süße Frucht wirkt keineswegs vordergründig, die dezenten Röstnoten vom Fassausbau passen perfekt und das ganze Paket hat enormen Tiefgang – der aber nicht zu Lasten des Trinkfluss geht. Das entspricht zu hundert Prozent meiner Vorstellung eines eleganten Rotweines.