Der Sündenfall

Ich habe ein Problem. Ich bin schwach geworden, habe mich korrumpieren lassen, alles verraten, wofür dieses Blog steht. Sieben Jahre bin ich mir treu geblieben, war unbestechlich. Nie spielte mein Ego eine Rolle, und nun ist er da, der Sündenfall.  Der Sündenfall weiterlesen

VDP Großes Gewächs Präsentation Wiesbaden (3)

Der dritte Teil meiner Berichterstattung widmet sich wie angekündigt dem Spätburgunder.

Während meine Erwartungen an die Rieslinge aus 2013 eher verhalten waren, mich dann die erreichte Qualität oft positiv überraschte, war es beim Spätburgunder anders herum. Wenn Petrus die Winzer nicht mit der Regenpeitsche zur Ernte treibt, scheinen es sich etliche auf dem Sofa bequem zu machen und zu denken: ach, wird das alles herrlich reif. VDP Großes Gewächs Präsentation Wiesbaden (3) weiterlesen

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft

Am Samstag durfte ich bei einer Weinprobe mitmachen, die so viele Erkenntnisse brachte, dass ich zwei Tage brauchte um alle Informationen zu verarbeiten. Zwanzig Probanden in wenigen Stunden, kleine Probeschlucke und ein paar Minuten pro Wein, eine mehr oder weniger zufällige Zusammenstellung des Feldes – all das sind Gründe Proben nicht überzubewerten und im Schnutentunker hinlänglich diskutiert. Diesmal war vieles anders und deswegen hat diese Probe nachhaltigen Einfluss auf mich.

Es begann schon mit der Entstehungsgeschichte, denn am Samstag fungierte ich zwar als Gastgeber, nicht jedoch als Ausrichter. Auf Facebook war die Idee der Probe entstanden und die Hälfte meiner Gäste waren das, was in wenigen Jahren wohl als ‚Facebook-Bekanntschaft‘ Aufnahme in den Duden finden wird. Die sozialen Medien führen also keineswegs zur Vereinsamung im echten Leben, wenn man sich denn traut.

Das Thema der Verkostung hieß Blaufränkisch versus Lemberger – der Vergleich Deutscher und Österreichischer Weine aus der gleichen roten Rebsorte (die länderspezifisch einen unterschiedlichen Namen trägt). Allerdings war die Themengebung nicht chauvinistischen Ursprungs, niemand wollte einen Nationensieger küren. Würde man die Herkunft blind erkennen, lautete vielmehr die Frage. Das Thema Lemberger ist so eng, dass man es mit einer Probe erfassen kann, die Österreicher haben zwar große Vielfalt zu bieten, fahren aber auch nicht hunderte von Top-Erzeugern auf. Es stand also zu erwarten, dass wir mit nur einer Probe das Thema sehr gründlich erforschen und ein belastbares Ergebnis erhalten würden.

Zwei Gruppen standen zur Verkostung: gehobene Basisweine bis 15 Euro und Top-Vertreter aus der Reserve- und GG-Klasse bis 35 Euro. Die absolute Spitze Österreichs liegt preislich darüber, blieb außen vor. Aber Moric und Co. sind die Weine, die die meisten am Tisch eh mit Blaufränkisch assoziieren und an deren manchmal überragender Qualität sowieso keine Zweifel herrschten.

Espresso macht den Lemberger

Je ein Österreicher und eine Deutscher kamen blind ins Glas und die erste Frage ist schnell beantwortet: Ja, man erkennt die Deutschen. Bei sieben von acht Paaren waren sich alle sofort einig und lagen richtig. Es ist die Nase. Poetisch ausgedrückt lautet unsere Erkenntnis: Wenn das Fass der Nase einen Espresso spendiert, ist der Blaufränkisch ein Lemberger. Es ist tatsächlich alleine der Einfluss des Holzfasses, der die Weine so erkennbar macht und dieses nur in der Nase. Denn der Holzeinsatz war bei allen bis auf zwei Weine unglaublich gelungen und die beiden verhaltensauffälligen waren ausgerechnet Österreicher.

Die Nase führte zu einer weiteren Erkenntnis: sie ist nicht die Stärke der Rebsorte und sie unterscheidet sich oft nur minimal. Diffuse Waldbeeren und Schuhcreme standen am Ende bei mir bei fast allen Weinen auf dem Notizzettel, danach manchmal ein paar Eigenheiten – lediglich der schwefelfreie ‚Blaufränkisch ohne‘ von Hareter vom Neusiedlersee war vollkommen anders und erinnerte mich an mit Zitrone aromatisierten grünen Tee (sie wissen schon, diese Teebeutel, die wir nur verwenden, wenn keiner zuschaut).

Die wichtigste Erkenntnis des Abends betraf die Deutschen Vertreter im Feld. Lemberger gibt Antwort auf die Frage, die der Spätburgunder aufwirft: Kann man in Deutschland mühelos vernünftigen Rotwein machen? Alle zehn Lemberger wirkten, als wären sie mühelos und ohne Tricks aus reifen Trauben gemacht, ohne grüne Noten, nie dünn, nie überextrahiert, ohne Marmeladensüße, nicht chaptalisiert, mit harmonischem Alkohol zwischen 12,5 und 13,5 Prozent, den überall erahnbaren Holzeinsatz mühelos verkraftend – einfach rund und stimmig. Selbst ich als Liebhaber muss zugeben, dass das bei einer Spätburgunderprobe ähnlichen Zuschnitts keinesfalls eine Selbstverständlichkeit wäre. Da gäbe es immer mindestens zwei dünne, zugeholzte Kandidaten, bei denen ich an Deutschland als Rotweinland verzweifeln möchte. In einem Satz: Trinkt mehr Lemberger!

Das Verkostungsfeld Lemberger vs. Blaufränkisch
Das Verkostungsfeld Lemberger vs. Blaufränkisch, die Flaschen vier bis sieben von rechts gab es außer Konkurrenz zum Essen. Sie waren die Reservebank für Korkausfälle und wussten ebenfalls zu gefallen.

Bei der ersten Hälfte des Probenfeldes herrschte viel Einigkeit, die Schwankungen in den Bewertungen waren gering, die Sieger und Verlierer eindeutig. Österreich beherrscht die Basis besser, möchte man meinen, aber wichtiger war, dass auch noch der vorletzte Platz an einen Wein ging, den jeder mit Vergnügen trinken mochte. Den letztplatzierten Lemberger durfte ich am nächsten Tag beim Aufräumen nachverkosten und er präsentierte sich deutlich besser, hätte das Feld zwar nicht von hinten aufgerollt, war aber rehabilitiert. Es war seit langem meine erste Probe ohne irgendeinen schlechten Wein. Die Weine kamen von verschiedenen Teilnehmern und waren – auch dank reger Facebook-Diskussion mit nicht teilnehmenden Weinfreunden, Winzern und Händlern – sorgfältig selektiert.

Bei den besseren Qualitäten herrschte Einigkeit nur beim ersten und den beiden letzten Plätzen, sonst hatte jeder seine eigenen Favoriten (hier der Bericht eines Teilnehmers). Beim fünften Wein des zweiten Teils, wurde es allerdings kurz still in der Runde. Das kam der Perfektion nahe. Glücklicherweise blieb ein halbes Glas über und ich konnte den Wein am Sonntag noch einmal nachverkosten. Da sich bei mir die gleiche Begeisterung einstellte, bespreche ich ausnahmsweise einen Wein, von dem ich nur je ein halbes Glas an zwei aufeinanderfolgenden Tagen getrunken habe. Wenn Wein so richtig grandios ist, braucht es nicht viel mehr um die Qualität zu erkennen.

Der deutliche Sieger des Abends – ein LembergerGraf Adelmann, ‚Der schwarze Löwe‘, Kleinbottwarer Süßmund, Lemberger GG, 2009, Württemberg. Der Wein hat eine typische Lemberger-Nase. Das duftet für mich nach Schuhcreme, etwas Toffee und Kaffee, Waldbeeren und etwas Himbeere. Am Gaumen hat der Wein etwas Magisches: kühl, sehr strukturiert mit fantastischer Säure, schlank und elegant mit dezenten 13% Alkohol, tänzelnd aber kraftvoll genug um Eindruck zu machen. Süße Frucht wirkt keineswegs vordergründig, die dezenten Röstnoten vom Fassausbau passen perfekt und das ganze Paket hat enormen Tiefgang – der aber nicht zu Lasten des Trinkfluss geht. Das entspricht zu hundert Prozent meiner Vorstellung eines eleganten Rotweines.

Mein erster A. de. L.

Legenden gehören zum Wein wie Butter auf’s Brot. Wenn Sie dieser Satz stutzig macht, Sie Verfechter von Margarine oder der Meinung sind, zwischen Wurst und Backware gehöre gar nichts, dann sind wir mitten beim Thema. Denn die Frage, ob man legendäre Weine – für entsprechend legendäre Preise – benötigt, lässt sich auch ganz schnöde mit ‚Nö‘ beantworten.

Ich persönlich genehmige mir einen moderaten Butterkonsum. Und ich bin für Weinlegenden und legendäre Weine anfällig – ebenfalls in Maßen. Daher schlummern in meinem Keller ein paar Flaschen Wein aus der Kategorie ‚ultrapremium‘ oder ‚Icon Wines‘ wie die denglische Bezeichnung lautet. Es handelt sich bis auf ganz wenige Ausnahmen um deutsche Icon Wines und wenn Ihnen jetzt die spöttische Bemerkung auf der Zunge liegt ‚deutsch‘ und ‚Icon‘ sei ja wohl ein Widerspruch in sich, dann sind wir uns zwar ein zweites Mal uneins, Sie aber noch lange kein schlechter Mensch.

Wenn Sie einmal – mir zuliebe, ist schließlich mein Blog – für eine Sekunde dem Konzept ‚deutscher Icon Wine‘ folgen mögen (sonst hören Sie einfach auf zu lesen), dann können Sie sich vorstellen, wie viel Freude es mir macht, eine solche Ikone ihrer Bestimmung zuzuführen. Dieser Tage war das gleich zwei mal der Fall.

Der erste Wein findet sich erst nächste Woche in einem Beitrag. Er ist moderat bepreist, geschmacklich speziell (weil halbtrocken) und daher einer kleinen Zielgruppe vorbehalten. Sein Preis ist kein Exklusivitätsmerkmal. Das sieht beim zweiten etwas anders aus.

Das Weingut Emrich-Schönleber gehört zu den besten Deutschlands, sein Großes Gewächs aus dem Monzinger Halenberg zählt Jahr für Jahr zu den aufregendsten trockenen Rieslingen. Seit 2005 lege ich mir regelmäßig die Weine des Gutes in den Keller, Halenberg und Frühlingsplätzchen sind die einzigen GGs aus dem Jahrgang 2010, die Einzug ins Gewölbe fanden. Wie aufregend fand ich es da, als ich 2009 einen Brief aus dem Weingut bekam, in dem die Schönlebers einen neuen Wein ankündigten, der noch oberhalb der bisherigen trockenen Spitze angesiedelt sein sollte.

Auf der Lay hieß ein Teil des heutigen Halenbergs vor der Reform deutscher Lagennamen im Jahr 1971. Es ist eine Parzelle, deren Boden sich vom Rest des Halenbergs unterscheiden soll. Mit dem Jahrgang 2008 entschlossen sich die Winzer (das Gut wird von Vater und Sohn bewirtschaftet) die Weine der älteren Reben dieser Parzelle wieder separat auszubauen. Dabei wollen Sie besonderen Aufwand betreiben, den Weinberg noch aufwändiger als andere Parzellen pflegen und nur das beste Lesematerial für ihren Wein verwenden. Wie viel davon Marketing ist und wie viel Realität: ich kann es aus der Ferne nicht beurteilen – immerhin: in schwächeren Jahren wie 2010 wird der Wein nicht produziert.

Der A. de. L. darf nicht ‚Auf der Lay‘ heißen, weil die ehemaligen Weinlagen auf Etiketten Tabu sind. (Diese Vorschrift steht kurz vor der Abschaffung.) Also behalfen sich Schönlebers mit dem Kunstgriff Abkürzung. Um die Exklusivität zu steigern erscheint der Wein nur in Magnumflaschen (und davon nur 180 Stück) sowie einer Hand voll Doppelmagnums und diese kann der geneigte Weinfreund nicht bestellen, er muss sie ersteigern. Also steigerte ich. Mit etwas unter 140 Euro pro Magnum erzielte der Wein einen Preis deutlich über den Großen Gewächsen war aber – umgerechnet auf die Normalflasche – immer noch zweistellig. Meine Liebe zu Icon Wines endet, wenn es dreistellig wird. Also war alles gut.

A.de.L.2009Da ich mir eine Magnum nicht zum Abendbrot aufmache, sind die Gelegenheiten für diese Weine rar. Als ich jetzt ein Essen für zwölf gab, erschien mir der A. d. L. ein guter Aperitif. Ich entschied mich für den 2009er aus Gründen, die ich im Blog schon einmal thematisiert habe.

Emrich-Schönleber, Riesling trocken ‚A de L‘, 2009, Nahe. In der Nase angeschlagener Feuerstein und Apfel, fruchtig, würzig aber nicht außergewöhnlich. Am Gaumen erscheint der Wein erst fröhlich und harmlos: Apfel und viel Zitrus, doch dann kommt eine tiefe, rauchige Note, die spannend ist und der Riesling wirkt enorm dicht und kompakt. Das Mundgefühl ist sehr fest, wahnsinnig phenolisch/mineralisch und man ist versucht den Wein wie ein Stück Fleisch zu kauen, wenn das nicht so albern aussähe. Der lange Nachhall kitzelt den Schlund mit feinen Gerbstoffen und einem Hauch Kreide. Der Jahrgang meldet sich auch zu Wort: über allem liegt zunächst der Eindruck vorzeitiger Reife, als tränke man parallel einen zweiten, alten Wein. Doch das belüftet sich nach zwei Stunden weg. Danach hat der A. de. L. etwas kristallines, ist schwer zu fassen, animierend und eine tolle Erfahrung.

Es klingt ein bisschen komisch aber man meint,den Aufwand schmecken zu können, den die Winzer mit dem Wein betrieben haben. War vermutlich Ultrapremiumaufwand.

Investitionsruine?

Neulich hatte ich im Rahmen des Vinocamp die Gelegenheit, ein Riesling Großes Gewächs aus dem Jahr 2009 zu trinken. Es war zwar ein Genuss aber vor allem verwirrend, strömte mir aus dem Glas doch ein reifer Duft entgegen. In einer Blindverkostung hätte ich vermutlich auf ein Exemplar aus dem Jahrgang 2005 getippt. Der neben mir stehende Dirk Würtz bemerkte meine Verwirrung und kommentierte diese mit den Worten: ,Die schmecken jetzt alle so‘. Ich bekam Schnappatmung – ich habe noch einiges aus 2009 im Keller, dass jetzt zu trinken nicht auf der Agenda steht. Sollte aber die Mehrheit der 2009er GGs ein solches Reifestadium zeigen, wie dieses aus dem Rheingau, dann muss ich etliches zwischenschieben, was eigentlich irgendwann in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts den Weg in mein Glas finden sollte.

Wie jeder Otto-Normalweintrinker bin auch ich auf die Berichte der Fachleute angewiesen, wenn es jedes Jahr im September eines Jahres um die Frage geht, soll ich in den Jahrgang investieren oder nicht. Dabei gibt es mittlerweile ein erstaunlich stringentes Muster: unmittelbar nach erscheinen der ersten Weine eines Jahrgangs wird dieser in den Himmel gelobt, was sicher damit zu tun hat, dass geübte Kritiker sich noch bedeckt halten und eher diejenigen aktiv werden, die mit kraftvollen Aussagen Aufmerksamkeit erregen wollen. Zum September hin, nach der Präsentation der GGs, kommen verhalten positive Meinungen in der Art ,viel Licht aber auch Schatten‘. Man konnte in den letzten Jahren die Uhr danach stellen – mit Ausnahme des Jahres 2010 in dem ein sich weit aus dem Fenster lehnender Manfred Klimek mit seinem mittlerweile geflügeltem Wort vom ,Arschjahr‘ für unterhaltsame Diskussionen sorgte.

Es gibt ein paar feine Abstufungen, 2008 wurde etwas verhaltener kommentiert – ausgerechnet das Jahr, das sich anschickt, im weiteren Reifeverlauf unerhörte Klasse ins Glas zu bringen. 2011, konnte ich zwischen den Zeilen lesen, ist in der Spitze bei den Juroren ebenfalls auf mäßige Begeisterung gestoßen. 2009 war ein Jahr mit oft eher verhaltener Säure, das manch Meinungsmacher in der Art bei 2005 verortete. Da ich mit dem Jahrgang viel Genuss verbinde, trieb mich ein moderater Einkaufswahn dazu, gut 70 Flaschen Riesling GGs einzukellern. Sollten die jetzt alle in Rekordzeit in der Flasche zerfallen, stellte mich das vor massive Probleme. Den Jahrgang 2006, der ein ähnliches Bild bot, konnte ich ob geringerem Kellerumfangs noch notschlachten. 2009 wäre aber wohl nur durch die Veranstaltung einer GG Party im größeren Freundeskreis in den Griff zu kriegen.

Aus Geisenheim zurück griff ich mir daher drei GGs, um die Probe aufs Exempel zu machen. Leider fiel ein Exemplar, Marienburg Rothenpfad von Clemens Busch, aufgrund des ,Dreckskork‘ aus – total verseucht. Zwei Exemplare von der Nahe ließen mich mit sehr gemischten Gefühlen zurück.

Doennhoff_Hermannsberg_BuschDönnhoff, Riesling Hermannshöhle GG, 2009, Nahe. Unmittelbar nach dem Öffnen eine sehr verhaltene Nase, mit etwas Luft kommt klassische Rieslingfrucht und Muskat, angenehm, dicht, würzig – könnte ich ein Nasenbad drin nehmen. Am Gaumen ist der Wein großartig, von enormer Dichte ohne zu opulent zu sein, mit süßer Frucht aber ohne Zuckerschwänzchen, beißend mineralisch und auf angenehme Art mächtig. Die 13% Alkohol geben Statur und sind spürbar. Ich weiß kein anderes Wort als ,fest‘ um das Mundgefühl zu beschreiben und weiß, dass man ein paar Liter Riesling im Leben getrunken haben muss um zu wissen, was ich meine – ich bedaure das, kann‘s aber nicht ändern. Mineralisch, dicht, mit einem animierendem Bitterle, ewig lang aber nicht perfekt, dazu fehlt ihm ein bisschen Rasse, denn die Säure der 2009er Hermannshöhle ist eher zahm. Am zweiten und dritten Tag verflacht der Wein rapide, wird breit, angenehm fruchtig aber auch ein bisschen banal und tatsächlich übermäßig reif.

Gut Hermannsberg, Riesling Hermannsberg GG, 2009, Nahe. Der Wein ist unmittelbar nach dem Öffnen voll da, wird dann aber binnen 30 Minuten karg. In der Nase Malz, Karamell, Milchschokolade, sehr erdig und rauchig. Am Gaumen zeigt er sich ebenfalls fest, ziemlich geizig, was Fruchtaromen angeht, ist aber vollmundig, leider etwas zu süss. Der Wein deutet an, dass er viel mehr kann und noch um einiges zu jung ist. Am zweiten Tag geht der Wein dann aber ebenfalls in die Breite, verliert dieses zupackende Mundgefühl, dass den Speichelfluss anregt und wird deutlich zu süß.

Den Dönnhoff kenne ich aus den letzten zehn Jahrgängen in allen möglichen Altersstufen. Der ist definitiv frühreif. Anders beim Hermannsberg, den ich zum allerersten Mal im Glas habe. Ich habe die Hoffnung, dass der sich noch lange hält und positiv entwickelt, wenngleich GGs aus den Jahren 2007 oder 2008 in ähnlich jungem Stadium getrunken, ihre Statur immer über mindestens drei Tage gehalten haben.

Ich freue mich, sollte der eine oder andere Leser die Zeit finden in den Kommentaren seine jüngsten Erfahrungen mit den GGs des Jahrgangs zu hinterlassen. Ich plane derweil die Notfallparty…