Weißburgunder total

Weißburgunder stand auf der Agenda des zweiten Proof Pudding Fridays – Blind und offen, national und international, allein und in Cuvées, Stahl und Holz, orange und traditionell. Vor allem aber: in der kompletten Bandbreite von 6,80 bis 100 Euro. Und mindestens einer der Weine sorgte für absolute Stille im Raum, jene Stille, die nur die monumentale Weine zu erzeugen vermögen. Weißburgunder total weiterlesen

#vdpgg16 – das Fazit, Teil 2

Neben Rieslingen gab es in Wiesbaden auch die Großen Gewächse aus Grau- und Weißburgunder, Silvaner, Chardonnay, Lemberger und vor allem Spätburgunder zu probieren. Auch dazu eine kleine Zusammenfassung. #vdpgg16 – das Fazit, Teil 2 weiterlesen

Reine Formsache

Kennen Sie das: Sie sitzen in gemütlicher Runde mit netten Weinfreunden, jemand schenkt einen Wein ein und alle sind begeistert ob der Klasse und Eleganz des Gereichten, nur Sie denken bei sich: ‚was ist das denn für ein banaler Tropfen?‘ – obwohl Rebsorte und Art eigentlich genau Ihr Ding sein sollten? Und haben Sie schon einmal der Gelegenheit entgegengefiebert einen Wein, den Sie in jüngster Zeit mehrfach mit größtem Vergnügen getrunken haben, im vinophilen Freundeskreis vorzuführen, und wenn es dann endlich so weit ist, dass Sie Ihren Superstar präsentieren, tritt betretenes Schweigen ein, bis schließlich jemand verlegen etwas sagt, was ungefähr klingt wie ‚Ja, öhm, äh … also das ist wirklich okay, aber jetzt, so Begeisterungsstürme, äh…eher nicht…‘ und dann probieren Sie nach und stellen fest, dass Ihr Liebling sie gerade im Stich lässt und diese spezielle Flasche auch bei Ihnen keine Euphorie auslöst? Reine Formsache weiterlesen

GG Premiere Berlin – Der Rest vom Schützenfest

Am Montag hat die offizielle Premiere der Großen Gewächse des VDP in Berlin stattgefunden. Es war der Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen, bei denen die Weine in den nächsten Monaten an verschiedenen Orten gezeigt werden. Einen Überblick über die Termine finden Sie beim VDP. Da ich in Wiesbaden nicht alles geschafft hatte, machte ich mich auf den Weg letzte Lücken zu schließen. GG Premiere Berlin – Der Rest vom Schützenfest weiterlesen

Zwischen allen Stühlen

In den vergangenen zwei Wochen habe ich etwas getan, was ich schon seit langer Zeit nicht mehr getan habe: ich war ein wenig in der Online-Weinszene unterwegs. Aufgrund einiger Verzögerungen bei anderen Projektteilnehmern hatte ich im Büroalltag immer mal wieder ein paar Minuten, um mich mit einem Blick in das eine oder andere Blog oder einem Beitrag bei dieser und jener Diskussion auf Facebook zu zerstreuen.

Doch was ich dabei erlebte, machte mir gleich wieder deutlich, warum mir die arbeitsreiche Zeit lieber ist, in der gerade einmal Zeit für einen eigenen Artikel pro Woche und die Lektüre der Blogs in meiner Blogroll bleibt.

Es begann mit einer erhitzten Diskussion auf Facebook, ob die Deutsche Weinbloggerwelt heillos zerstritten sei, die sich glücklicherweise nur einige Tage hinzog und mehr oder weniger ein Sturm im Wasserglas war. Ich dachte immer, dass diejenigen, die ein Blog nicht mögen, es einfach nicht lesen. Das scheint aber nicht immer so zu sein.

Weiter ging es mit einem Klassiker: dem Korken. Die Diskussion in der gleichen, Weinfreaks genannten Facebookgruppe brachte tatsächlich mal etwas neues, denn es beteiligten sich auch Korkbefürworter, was zunächst für einen facettenreicheren Austausch als das übliche Rindenbashing sorgte. Leider schlugen die Wellen in kürzester Zeit hoch, einzelne Teilnehmer verließen die Diskussion unter Absingen schmutziger Lieder und es zeigte sich die alte Krankheit der Weinszene: zu viele Menschen diskutieren um zu gewinnen, nicht um sich mit anderen Menschen auszutauschen.

Als Reaktion schrieb Manfred Klimek eine kleine Polemik in seinem Weinmagazin Captain Cork, die man amüsant finden kann, wenn man darüber hinweg sieht, dass er eine Menge Behauptungen aufstellt, die zu belegen er vermutlich nie vorhatte. Der Hauptvorwurf war, dass Deutschlands Blogger dem Wein die Romantik nehmen oder die Weinkultur zerstören – oder so ähnlich. Mich erinnerte das sehr an eine verunglückte Glosse eines damals noch recht bedeutenden Weinjournalisten über ,die Spinner in ihren Blogs‘, zu der sicherlich in Dirk Würtz‘ Blogarchiv noch etwas zu finden ist.

Als Zerstörer der Weinkultur betätigte sich selbiger wahrlich nicht, als er in seinem Blog einen ultimativen Erklärungsversuch der neuen VDP-Klassifikation unternahm. Auch der wurde eifrig auf Facebook diskutiert – mit exakt den gleichen Statements, mit denen vor bald zehn Jahren schon im damals wichtigsten und heute nicht grundlos verwaisten Web-Weintreff ,talk-about-wine‘ auf alle eingedroschen wurde, die das GG als großen Wurf betrachteten. Ich habe mir mal die Mühe gemacht zu zählen und habe 71 verschiedene Riesling GGs aus dem vermutlich ziemlich guten Jahr 2007 in meinem Keller gefunden. Damit qualifizierte ich mich in den Augen des Gruppenleiters als Etikettentrinker der Extraklasse – und ich dachte, ich wäre einfach nur neugierig.

Von außen betrachtet, wirkt die Online Weinszene vermutlich wie ein humorloser Klub älterer Herren, zänkisch und in der eigenen Bedeutung gefangen. Das sollte man nicht zu dramatisch sehen, denn wer je auf einer Mövenpick-Weinprobe war, wird zugeben, dass die Offline-Welt von außen betrachtet ebenfalls wie ein zänkischer, humorloser Klub älterer Herren wirkt (die sehen nur nicht so gut aus wie auf Facebook-Profilfotos)

Niemand hat mich persönlich der Ahnungslosigkeit, des Technokratentums oder der Etikettentrinkerei beschuldigt – das wäre auch zu konkret in der Online-Welt, in der niemand je Ross und Reiter nennt. Daher bin ich auch nicht ernsthaft beleidigt. Ich hab‘ mich einfach bei der Gruppe wieder abgemeldet und die Auswahl der Blogs, die ich lese richtet sich nach meiner verfügbaren Zeit. Das erledigt sich alles von alleine. Fehlt nur noch ein guter Wein. Ein Lieblingswein. Mal wieder ein ,Trio‘ von den Schneiders. Die sind vor Jahren mal aus dem VDP ausgetreten – ob sie das gemacht haben, weil Ihnen der VDP damals wie ein Klub zänkischer älterer Herren vorkam, weiss ich nicht. Die Vorstellung wäre mir aber irgendwie symphatisch.

R.&C. Schneider, Weißer Burgunder Spätlese tr. *** trio, 2007, Baden. In der Nase Birne, Aprikose, Quitte, Holz und Rauch – 5 Aromen, mehr schaff‘ ich nicht. Am Gaumen ein bisschen überdreht mit einem Geschmack, den ich nur als Grüner-Apfel-Bubblegum beschreiben kann, kräftige Säure, ziemlich viel Holz, etwas cremig aber vor allem rassig. Die 14% Alkohol sind erstaunlich unauffällig. Nach hinten raus schmeckt der Wein nach Birne, ist etwas kratzig im Abgang, was sehr animierend ist, auch rauchig und vor allem sehr sehr lang – immer noch ein Lieblingswein, auch wenn er sich am zweiten Tag sehr viel cremiger und weniger rassig und dann auch alkoholischer und insgesamt fett (aber immer noch gut) präsentiert.

P.S. Während ich diesen Artikel schrieb, nahm ich parallel an einer wahnsinnig spaßigen Aktion teil, die der Weinjournalist Stephan Reinhardt spontan einberufen hatte. Einem Gewürztraminer-Happening auf Facebook. Das zeigt, welche Kraft die sozialen Medien haben können, wenn sich alle mal locker machen.